Bordesholm Savoy (Kolibri, Lichtspiele)

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Geschichte

Als das Ehepaar Robert und Erna Meyer in den 50er Jahren das Kino in der Schulstraße führten, waren Meyers Lichtspiele nicht nur das "erste Haus am Platze", es war auch zu einer Zeit, da das Kintopp noch einen ganz anderen Stellenwert in der Bevölkerung hatte - zumal in einer ländlichen Region wie Bordesholm: Der neueste Hitchcock war ein Ereignis für Kenner und die Sissi-Filme erstrahlten in prächtigem Glanz auf der Leinwand und sorgten für lange Schlangen an der Kinokasse. Seit den 50er Jahren hat das Bordesholmer Kino die Filmgeschichte begleitet und alle Größen Hollywoods in die holsteinische Provinz geholt: Cary Grant und Grace Kelly, James Stewart, Doris Day, John Wayne... Aber auch der deutsche Film sorgte in seiner Nachkriegsblüte für Furore: Ob Edgar Wallace oder Winnetou - gerade für die Jugendlichen war das Kino der zentrale Treffpunkt im Ort.

Seinerzeit spielte das Kino täglich eine, am Wochenende bis zu fünf Vorstellungen. Der Eintritt auf den Sperrsitzen der hintersten Reihen betrug 1,70 DM, im Parkett ganz vorne 1,20 DM, für die Loge auf dem Balkon gab es noch den Extrazuschlag.

Rund 400 Besuchern bot das Kino damals Platz, alle zwei bis drei Tage wechselte das Programm und nur an Heiligabend blieb das Lichtspieltheater geschlossen. Die "Ära Meyer" endete in den 70er Jahren. Für die Kinos im ganzen Land wandelte sich der Markt; das Schreckgespenst "Kino-Krise" ging um. Das Freizeitverhalten der Menschen hatte sich gewandelt: Die Älteren nutzten immer stärker die Alternative Fernsehen, während für die Jugendlichen dank einer wachsenden Mobilität neue Angebote attraktiv wurden, z.B. die Disco in den umliegenden Städten. Die Folge: Meyers Lichtspiele wurde zum Kolibri, und dem Trend zum "Schachtelkino" folgend, orientierte man sich auch in Bordesholm an der Devise "Wohnzimmerbehaglichkeit". Der Balkon wurde zugemauert, die hohe Saaldecke abgesenkt - um Heizkosten zu sparen - und ein Ausschanktresen in den Saal integriert. Die Sitzplatzzahl reduzierte sich auf nur noch 160 Stück. Auch in Bordesholm jodelten fortan Pralle Teens in engen Jeans oder lockten mit Oben ohne - unten nix! Das Kino allgemein bekam ein "Schmuddelimage" dem Hollywood nur wenig Glanzvolles entgegen zu setzen hatte. Den Freizeittrend erhaschend, versuchte das Kolibri eine eigene Club-Disco in dem Raum der zugemauerten Balkon-Loge zu etablieren: ohne Erfolg.

Ein Niedergang wurde eingeläutet, der sich trotz eines Betreiberwechsels und einer erneuten Namensänderung in Savoy Verzehrkino bis in die 90er Jahre fortsetzte. Das Wegbleiben des Publikums führte zwangsläufig zu einem Ausbleiben notwendiger Investitionen. Das Gebäude - inzwischen im Besitz der Gemeinde - verfiel, die Technik blieb auf dem Stand der 60er Jahre zurück. Schon längst wäre der Ort ohne eigenes Kino gewesen, hätte nicht Heinz Obier durch sein übermäßiges persönliches Engagement das Kino mehr als Hobby denn als Angestellter für seinen Arbeitgeber auch in wirtschaftlich unrentablen Zeiten weitergeführt.

Als Ende der 90er jedoch die Multiplexe einen neuen Standard setzten, während der Zustand des Savoy immer unzumutbarer wurde, resignierte der kommerzielle Betreiber aus Barmstedt und gab das Kino auf. Nicht so die Bordesholmer. Auf Initiative des Bürgermeisters Jürgen Baasch bekam das Savoy noch eine zweite Chance, um den Bürgern ein Stück Lebensqualität und dem Kino ein Stück Tradition zu bewahren. Heute, mit dem kinoverein als Betreiber, hat das Kino zu seiner alten Bedeutung als ein kulturelles Zentrum der Region zurückgefunden. Nach einer umfangreichen Sanierung im Jahr 2000, die die Gemeinde Bordesholm mit Mitteln der EU finanzierte, umfasst das Savoy inzwischen ein breiteres Veranstaltungsspektrum als je zuvor. Der Saal bietet jetzt noch 125 Besuchern Platz. Dem Stil der 50er sind der Verein und der Architekt bei der Renovierung weitestgehend treu geblieben. Ebenso wurden die von den Besuchern inzwischen liebgewonnenen Tischlämpchen (ein altes Verzehrkino-Relikt) beibehalten. Selbst der alte Philips-Filmprojektor - wenngleich schon fast ein Museumsstück - vollzieht noch immer seinen Dienst in Bordesholm: allerdings generalüberholt und mit neuen Objektiven ausgestattet. Die Tonanlage in Mono wurde jedoch ohne Rücksicht auf nostalgische Impulse gegen eine Dolby SR Anlage ausgetauscht: der neu vorherrschende Standard ansprechender Filmprojektion. Vor allem aber wurde die Bühne vor der Leinwand reanimiert, bzw. sogar ausgebaut. Regelmäßige Theater-, Musik- und Literaturveranstaltungen ergänzen inzwischen das erweiterte Filmprogramm und machen das Savoy zu mehr als einem bloßen Kino: Es ist jetzt das Kulturforum Altes Kino. Text: Text: kulturforum altes kino


28.5.85 Inhaberwechsel: Bordesholm, Kolibri Inh.: Jürgen Grütz früher: Gerhard Rinke aus: Das Filmtheater 1985

Weblinks

Kinodaten

  • 1952 Lichtspiele, Schulstr, Tel. 485. Inh: Adolf Mever. Kiel-Schulensee, Gf: Robert Mever, Bordesholm, PI. 400, 7 Tg, 14 V, tön. Dia, App. Bauer-Standard VII, Vst. Elac, Bühne 7x4x5. Th. ja.
  • 1953 °Lichtspiele, Schulstr., Tel. 485, Inh: Robert Meyer, Kiel-Schulensee, Pl: 400, 7 Tg., 14 V., tön. Dia. App. Bauer-Standard 7, Vst. Elac, Bühne 7x4x5, Th.
  • 1955 °Lichtspiele, Schulstr., Tel. 485, Inh: Robert Meyer, Kiel-Schulensee, PI. 400, 7 Tg., 14 V., tön. Dia, App. Bauer-Standard 7, Vst. Elac, Bühne 7x4x5, Th.
  • 1956 Lichtspiele, Schulstraße, Tel: 485, Inh: Robert Meyer, Kiel-Schulensee, Pl: 400, 7 Tg, 14 V, tön. Dia, App: Bauer-Standard 7, Verst: Elac, Bühne: 7x4x5, Th.
  • 1957 °Lichtspiele, Schulstraße, Tel: 485, Inh: Robert Meyer, Pl: 400, 7 Tg., 14 V., tön. Dia, App: Bauer-Standard 7, Verst: Elac, Th.
  • 1958 °Lichtspiele, Schulstraße, Tel: 485, Inh: Robert Meyer, Pl: 400, 7 Tg., 14 V., tön. Dia, App: Bauer-Standard 7, Verst: Elac, Th.
  • 1959 °Lichtspiele, Schulstraße, Tel: 485, Inh: Robert Meyer, PI: 400, 7 Tg., 14 V, tön. Dia, App: Bauer-Standard 7, Verst: Elac, Th.
  • 1960 °Lichtspiele, Schulstraße, Tel: 485, Inh: Robert Meyer, PI: 400, 7 Tg., 14 V., tön. Dia, App: Bauer-Standard 7, Verst: Elac, Th.
  • 1961 °Lichtspiele, Schulstraße, Tel: 485, Inh: Robert Meyer, PI: 400, 7 Tg., 14 V., tön. Dia, App: Bauer-Standard 7, Verst: Elac, N, Th.
  • 1962 °Lichtspiele, Schulstraße, Tel: 485, Inh: Robert Meyer, PI: 400, 7 Tg., 14 V., tön. Dia, App: Bauer-Standard 7, Verst: Elac, N, Th.
  • 1971 Lichtspiele, Schulstr. T:485, Inh: Harald Möller, 277 Plätze, Post: 23 Kiel, Krusenrotterweg 48 T:0431/681212
  • 1993 Savoy - Verzehrkino, 130 Plätze, 24582 Bordesholm, Schulstr. 7, Tel. 04322/1011, Inh: Grütz, Jürgen, 25355 Barmstedt, Mühlenberg 3
  • 1995 Savoy (VZK), 130 Pl. 24582 Bordesholm, Schulstr. 7, Tel: 04322/1011, Inh: Jürgen Grütz, 25355 Barmstedt, Mühlenberg 3
  • 1997 Savoy, 130 PI. 24582 Bordesholm, Schulstr. 7, Tel: 04322/1011, Inh: Jürgen Grütz, 25355 Barmstedt, Mühlenberg 3