Brüssow Kino

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Geschichte

Rolf Weißgerber hat in Brüssow ein altes Kino erweckt und mit seinen Puppen ein neues Leben begonnen. Am Marktplatz preist ein Plakat im Schaufenster der Tourist-Information das nächste Filmereignis an. Wunderbarer britischer Humor: „The Navigators“ kommen. Dazu ein weißer Zettel mit schwarzen Lettern: Kino Brüssow. Kintopp? In diesem uckermärkischen Nest mit gerade mal 2400 Einwohnern? „Wie er jetzt ist, haben wir den Raum auch vorgefunden. Eigentlich sieht er schrecklich aus. Manche sagen, lasst den so. Hat doch Charme. Wir wollen nun aber wenigstens renovieren.“ so Weißgerber.

Es ist, als befände man sich in einem Museum für DDR-Mobiliar. Plastikbezogene Metallbein-Stühle stehen an neun Tischen. Ganz vorn kann man sich auf eine Couchgarnitur fläzen. Sitzt da sozusagen in der ersten Reihe. Die Wände sind mit zweierlei Sorten 70er-Jahre-Tapete beklebt. An den Pfeilern das Stein-auf-Stein-Design, womit die Ostler dereinst gern ihre Datschen ausstaffiert haben. Die Bahnen über den beiden Kachelöfen sind verrußt. Bevor in der 60-Quadratmeter-Räumlichkeit was auf die Leinwand kommt, muss zwei Tage eingeheizt werden. Und gelüftet. „Was meinen Sie, wie’s stinkt, wenn die Öfen anfangen zu ziehen“, erzählt Rolf Weißgerber. Meistens ist er es, der sie mit Kohle bestückt.

Als Rolf Weißgerber den Saal vor drei Jahren das erste Mal sah, war hier schon lange nichts mehr gelaufen. Bald nach der Wende machte das Kino dicht. Die ansteigenden Sitze wurden rausgeschmissen. Weißgerber suchte Gleichgesinnte, die Lust auf einen Wiederbelebungsversuch hatten. Schließlich standen in der Spielstätte noch zwei Projektoren sowjetischer Bauart – KN 17, so genannte Taigatrommeln – rum. Es meldete sich jemand, der als Vorführer über die Dörfer zog. „Der gab auf. Hat ’ne Abschlussveranstaltung gemacht, mit Kinder-, Erwachsenen- und Pornofilm. Dann packte er seinen Kasten für immer zusammen.“ Er hatte eine DDR-TK 35 mit Koffern und Stativen. „Die Apparatur hat er uns gratis gegeben.“ Mittlerweile gehören zur Truppe um Rolf Weißgerber elf Enthusiasten. Ein Schuhmachermeister und ein Rentner, die vor ’89 beim Landfilm waren, bedienen die Technik. „Noch Handarbeit. Wir kriegen 600-Meter-Rollen à 20 Minuten. Für einen Film bis zu fünf. Die müssen erst umgespult werden, damit man weiß, dass die in Ordnung sind.“

Im Mai 2002 wurde zur ersten Vorstellung eingeladen. Nur einmal war das Kino mit Einheimischen rappelvoll. Bei „Uckermark“ von Volker Koepp, Dokumentarfilmer aus Gerswalde. „Koepp hat depressive Bauern und ABM-ler, die archäologische Relikte auf den Feldern suchen, vor laufender Kamera interviewt. Ins Figurentheater hatte sich Weißgerber schon eine Weile vorher im „Miraculum“ verliebt, das er beim Erkunden Ostberlins entdeckte. Danach hatte er im Prenzlauer Berg eine eigene kleine Bühne, neben dem Beruf. Rolf Weißgerber brauchte Platz für die Bühne, die Puppen, seine Kajaks. Sie kauften dann ein Fachwerkhaus am Brüssower Markt. Quelle: Märkische Allgemeine, 26.04.2003

Im Landkino im Kulturhaus, welches mittlerweile auch digitalisiert ist, finden jeden 2. Freitag Vorführungen statt. Ab und an auch mal Dienstags oder Familiennachmittag Sonntags um 16:00 Uhr.

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