Brandis Lichtspielhaus, Märkers Lichtspiele

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Geschichte

In Brandis eröffnete der aus Wurzen stammende Klempnermeister Friedrich Hermann Märker nach dem Umbau eines Wohnhauses in der Mathildenstraße 27 am 26. Oktober 1913 das erste Lichtspiel–Haus des Ortes. Zuvor hatte Märker bereits ein Jahr eher am 25. Dezember 1912 in Nerchau ebenfalls das erste Kino des Ortes eröffnet. Die Kinovorstellungen fanden mittwochs sowie am Sonnabend und Sonntag statt. Inflation, Weltwirtschaftskrise und sich regende Konkurrenz brachten Märkers Kino in arge Schwierigkeiten. In den Gaststätten richtete man Saalkinos ein, um sich eine neue Einnahmequelle zu verschaffen.

Etwa ab 1930 hielt bei "Märkers" der Tonfilm seinen Einzug. Ein großer Vorteil gegenüber der Konkurrenz im "Ratskeller", wo 1931 noch Stummfilme liefen. Fast hätte Friedrich Hermann Märker 1933 als "Pionier des Brandiser Lichtspielwesens" sein 40jähriges Kinojubiläum feiern können, doch er stirbt ein Jahr zuvor im Alter von 67 Jahren am 28. August 1932 in Wurzen. Seine Ehefrau Lina Märker beschließt daraufhin, trotz aller widriger Umstände das traditionsreiche Lichtspieltheater als Familienunternehmen weiter zu betreiben.

Mit dem Einzug amerikanischer Truppen im April 1945 fand der 2. Weltkrieg in Brandis sein Ende. Ob danach bis zum Einmarsch sowjetischer Einheiten am 2. Juli 1945 Filme gezeigt wurden, ist nicht bekannt. 1948 folgt der Beschluß des Landes Sachsen, dass alle noch bestehenden privaten Kinobetreiber zu enteignen sind. Das Kino wurde ab dem 1. Januar 1949 verstaatlicht. Es unterstand nun der "Vereinigung Volkseigener Lichtspielbetriebe" (VVL). Mit dem weiteren Kinobetrieb und der Verwaltung des Grundstückes wurde ein Naunhofer Ehepaar beauftragt. Das bedeutete das Ende des Märkerschen Lichtspielunternehmens. Als Einziger der Familie arbeitete danach Märkers Sohn Otto noch einige Zeit als Filmvorführer in Brandis. Die enteignete Kinobesitzerin Lina Märker starb im hohen Alter von 96 Jahren am 18. Juli 1965.

Anfang der 50er Jahre wurden die Kinos des Kreises Wurzen zu den Volkseigenen Kreislichtspielbetrieben zusammengefasst. Dazu gehörte außerdem das Landfilmkino mit mehreren mobilen Filmtrupps, die meist einmal in der Woche in den benachbarten Dörfern Polenz, Machern und Gerichshain Filme zeigten. Das Brandiser Kino verfügte über 265 Sitzplätze, die in vier Ränge eingeteilt waren. Die unterste Sitzreihe wurde wegen der schlechten Sitzhaltung "Rasierloge" genannt. Um die Bildqualität zu verbessern, tauschte man 1970 die alten Vorführmaschinen aus Märkers Zeiten gegen moderne Geräte aus. Die Eintrittspreise bei normalen Vorstellungen waren: 1. Rang: 1,05 M, 2. Rang: 0,85 M, 3. Rang: 0,65 M, 4. Rang: Kindervorstellung 0,25 M, Familienvorstellung 0,50 M. Das Personal bestand aus Theaterleiter, Vorführer, Kassierer und Saalpersonal.

Seit 1959 war Frau Ingeburg Weigmann im Kino beschäftigt. Viele Jahre ist sie Theaterleiterin gewesen. Seit der Mitte der 80er Jahre gingen die Besucherzahlen stetig zurück, weshalb es 1988 zur Schließung des Kinos kam. In der Folgezeit wurde die gesamte Kinoeinrichtung ausgebaut, wobei die Kinositze in der sowjetischen Garnison Waldpolenz neue Verwendung fanden. (Frank Schimpke)

Quellen:

Kinodaten

  • 1920 Brandiser Lichtspielhaus, Mathildenstr. 27, Gegr. 1913 (Sp. Mittw., Sonnab., Sonnt.) 300 Plätze, Inh: Herm. Märker, Mathildenstr. 27
  • 1921 Brandiser Lichtspielhaus, Mathildenstr. 27, Gr: 1913 (Mittwoch, Sonnabend, Sonntag) 300 Plä#tze, Inh: Herm. Märker, Mathildenstraße 27
  • 1924 Lichtspielhaas Brandis, Mathildenstr. 27, Inh: Hermann Märker, 300 Plätze
  • 1925 Brandiser Lichtspielhaus, Mathildenstraße 27, Gr: 1913, Sonnabend, Sonntag, 350 Plätze, Inh: Herm. Märkel, Mathildenstraße 27
  • 1927 Lichtspieltheater, Inh: Hermann Märker, Mathildenstr. 27, Sptg: Sonnabend und Sonntag, Pr: Einmal wöchentlich, 300 Plätze
  • 1928 Lichtspielhaus Brandis, Mathildenstr. 27, Gr: 1913, 3 Tage, 300 Plätze, Inh: Herm. Märker, Mathildenstraße 27
  • 1929 Lichtspielhaus Brandis, Mathildenstraße 27, Gr: 1912, 2 Tage, 300 Plätze, Inh: Herm. Märker. ebenda
  • 1930 Lichtspielhaus Brandis, Mathildenstraße 27, Gr: 1912, 3 Tage, 300 Plätze, Inh: Herm. Märker, ebenda
  • 1931 Lichtspielhaus Brandis, Mathilden-Straße 28, Gr: 1912, 3 Tage, 300 Plätze, Inh: Herm, Märker, ebenda
  • 1932 Lichtspielhaus Brandis, Mathildenstraße 27, Gr: 1912, 3 Tage, T-F: Nadelton, 300 Plätze, Inh: Hermann Märker, ebenda
  • 1933 Lichtspielhaus Brandis, Mathildenstraße 27, Gr: 1912, 3 Tage, T-F: Licht- u. Nadelton, 300 Plätze, Inh: Märkers Erben, ebenda
  • 1934 Lichtspielhaus Brandis, Mathildenstraße 27, Gr: 1912, 3 Tage, T-F: Licht- u. Nadelton, 300 Plätze, Inh: Märkers Erben, ebenda
  • 1935 Li.-Haus (2) 300 Plätze
  • 1937 Lichtspielhaus Brandis, Mathildenstraße 27, Gr: 1912, 3 Tage, 300 Plätze, Inh: Märkers Erben, ebenda
  • 1938 Lichtspielhaus Brandis, Mathildenstraße 27, Gr: 1912, 3 Tage, 300 Plätze, Inh: Märkers Erben, ebenda
  • 1939 Lichtspielhaus Brandis, Mathildenstraße 27, Gr: 1912, Inh: Märkers Erben, ebenda, 300 Plätze, 3 Tage
  • 1940 Märkers Lichtspiele, Mathildenstraße 27, Gr: 1912, 300 Plätze, 3-5 Tage, Inh: Wwe. Lina Märker, ebenda
  • 1941 Märkers Lichtspiele, Mathildenstraße 27, Gr: 1912, 300 Plätze, 5 Tage, Inh: Wwe. Lina Märker, ebenda
  • 1949 Märkers Lichtspiele, Mathildenstraße 27, 280 Plätze
  • 1950 Märkers Lichtspiele, Mathildenstr. 27, 280 Plätze
  • 1974 Lichtspieltheater, Albert-Kuntz-Str. 27, Tel: 433 (3421)
  • 1987 Brandis (b Wurzen), Lichtspieltheater, Alb.-Kuntz-Str. 27, Tel: 3421