Breitungen Karl-Marx-Lichtspiele

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Geschichte

  • Der Bedarf der Breitunger Bevölkerung für solche Veranstaltungen war also da und sicherlich hat das Carl Pempel im Jahre 1938 bewogen, den Neubau eines Kinos zu planen.
  • Am 24.09.1939 war dieses Gebäude auf dem der Familie Pempel gehörenden Grundstück in der Schillerstraße fertig gestellt. Architekt des 370–Platztheaters war der Bad Liebensteiner Oskar Bauer. Die Ausführung des Baues hatte die Breitunger Firma F. Heller & Söhne. Der Kostenanschlag belief sich auf 55.000 Reichsmark und die Kosten betrugen nach Fertigstellung 73.000 RM. Wie die Chronik berichtet, nahm der Lichtspielbetrieb nun, „begünstigt dadurch, dass es das einzige Vergnügen der Kriegsjahre war, einen so großen Aufschwung, dass die Schulden schon mit Ablauf des Jahres 1943 getilgt waren.“ Durch die Kriegseinwirkungen wurde am Lichtspieltheater keinerlei Schaden verursacht.
  • Am 03.07.1947 wurde der Betrieb auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration unter Zugrundelegung des Befehles 129 unter Sequester gestellt und am 01.07.1948 von der Vereinigung Volkseigener Betriebs-Kulturstätten – Land Thüringen – übernommen. Als Treuhänder und später als Theaterleiter wurde der Breitunger Werner Leinhas betellt, der neben den Herren Fritz Hebig, August Leinhas, August Reum und Eduard Reum als Vorführer schon bei der Familie Pempel tätig war. Werner Leinhas wohnte von 1939 bis 1953 im Kino, war dann in Meiningen Kreisfilmstellenleiter, später technischer Leiter und Direktor der Kinotechnik Erfurt.
    Obwohl die Familie Pempel in zahlreichen Eingaben an verschiedene Institutionen gegen die Enteignung protestierte und auch die Enteignungsurkunde vom 1. Juni 1948 nicht entgegennahm, wurden alle Einsprüche immer wieder zurückgewiesen mit Hinweisen auf das Thüringer Landesgesetz vom 24.07.1946 sowie die von der Landeskommission zur Durchführung des Befehls 124 vom 23.1.1948 und der Landesregierung Thüringens vom 05.03.1948 gefassten Beschlüsse.
    Rechtsmittel gegen die Enteignungen und sonstigen Maßnahmen zur Wiederaufnahme von Sequesterverfahren wären nicht mehr zulässig. Ein Schreiben endete z.B. mit dem Satz „Wir müssen Sie bitten, sich mit den gegebenen Tatsachen abzufinden, da das Enteignungsverfahren nicht wieder aufgerollt werden kann.“
  • 1953 wurde die Umbenennung des Lichtspieltheaters in Karl-Marx-Lichtspiele vorgenommen. Die Verwaltung oblag dem am 01.01.1953 gebildeten volkseigenen Kreislichtspielbetrieb Schmalkalden. Zum Leiter wurde Herr Alfred Storch benannt. Die Familie Storch wohnte im Kino und war bis zum Jahre 1992 dort aktiv, denn nach dem Tod von Herrn Storch 1990 übernahm sein Sohn Thomas die Leitung. Frau Storch war als Kassiererin tätig. Um mehr Wohnraum für die in zwischen vierköpfige Familie Storch zu schaffen, war im Jahre 1973 das Kino aufgestockt worden.
  • 1954 wurde der Bildwerferraum in seiner Form umgebaut und eine neue Projektions- und Tonanlage installiert.
  • 1958 wurde dann eine Breitwandeinrichtung in Betrieb genommen. Überhaupt kann eingeschätzt werden, dass das Kino in Breitungen immer auf dem neuesten Stand der Technik gehalten wurde, laufend auch Renovierungen und Umgestaltungen vorgenommen wurden, um dem Publikum den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Vorgesehen war sogar ein Kinocafe, jedoch konnte dieses Vorhaben nicht mehr realisiert werden. Die Versorgung mit Limonaden, Süßigkeiten und Keksen erfolgte im Vestibül.
  • Es gab insgesamt 336 Sitzplätze, davon 36 Logenplätze, 96 Sperrsitzplätze, 128 erste Plätze und 76 zweite Plätze, die oft bis zum letzten Platz ausverkauft waren, dann blieb für manchen Besucher nur noch der Stehplatz oder ein kleiner Hocker. Mit einem Abonnement hatten sich regelmäßige Kinogänger schon im Vorfeld einen guten Platz gesichert.
  • Die Geschicke des Kinos lagen bei der Treuhand und so wurde es im November 1992 an die Grundstücks- und Gebäudeverwertungsgesellschaft mbH verkauft. Das Dach wurde neu gedeckt und lange Zeit wusste niemand in Breitungen, was mit diesem Gebäude passieren wird.
  • 2001 fand eine Ausschreibung statt, im Jahre 2003 kaufte dann der Breitunger Bürger Jürgen Weyh, welchem das Gebäude neben dem Kino gehört, auch das Kino. Er baute es um und es entstanden zwei moderne Wohnungen, die er an junge Familien vermietet. Den Saal nutzt er noch selbst.

aus: Christa Kirschnick

2013 stand das Gebäude wieder zum Verkauf, der Saal ist derzeit als Lager vermietet.

Kinodaten

  • 1939 Lichtspiele „Zur Linde", Schillerstraße, F: 85, Gr: 1926, Inh: Karl Pempel, Am Markt 5, F: Wernshausen 185, 366 Plätze, 3 Tage
  • 1940 Linden-Lichtspiele, Schillerstraße 22, F: 85, Gr: 1926, 366 Plätze, 3 Tage, Inh: Karl Pempel, Am Markt 5, F: Warnshausen 185
  • 1941 Linden-Lichtspiele, Schillerstraße 22, Gr: 1926, Bühne: 7x2m, 366 Plätze, 4 Tage, Inh: Karl Pempel, Am Markt 5, F: Wernshausen 185
  • 1949 Linden-Lichtspiele, 366 Plätze
  • 1950 Linden-Lichtspiele, 366 Plätze
  • 1991 Karl-Marx-Lichtspiele (EX 31.03.), 372 Plätze, Breitungen, Schillerstr. 20, Inh. Südthüringer Filmtheater-GmbH

Weblinks