Caputh Resi Lichtspielhaus, Elite-Lichtspiele

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Geschichte

Riesiger Andrang bei „Dirty Dancing“ Die 1936 eröffneten „Resi Lichtspiele“ in Caputh überlebten vieles – nur die Wende nicht
Der Kinobesucher scheint hier noch willkommen zu sein: Vorführungen am Dienstag um 17, am Donnerstag um 19.30 Uhr und sonntags gibt es um 13.30 und 15 Uhr Kindervorstellungen, verkündet das Schild am Portal der „Resi Lichtspiele“. Stutzig wird man erst, lässt man den Blick nach unten wandern. Über dem Eingang hängt ein weiteres Schild, das für einen Naturkostladen wirbt. Doch die Türen sind verschlossen, die Reklame trügt. 1991 gingen die Lichter im einzigen Caputher Kino für immer aus und auch das Geschäft gibt es längst nicht mehr.

„Es ist wirklich schade, dass das Kino nicht überlebt hat“, bedauert Monika Thurley, die letzte Theaterleiterin mit Kassenfunktion der Resi Lichtspiele – so ihr offizieller Titel. Das Kino war für sie mehr als nur ein Arbeitgeber. Denn die Geschichte der Familie ihres Mannes Wolfgang, der Familie Thurley, ist wie eine Symbiose mit der der Resi Lichtspiele verwoben. Und bis heute wohnen Monika und Wolfgang Thurley im Nachbarhaus – Wand an Wand mit dem einstigen Lichtspielhaus.

Den Anstoß für das Kino gab die Großmutter von Wolfgang Thurley, Therese, ein Wienerin, die als Angestellte an den Schwielowsee kam, wo sie sich in Albert Thurley verliebte und ihn heiratete. Es ist eine Zeit, in der bewegte Bilder einen wahren Boom erleben: Anfang des Jahrhunderts werden in Berlin erstmals Filme gezeigt, in den 1930er Jahren gibt es allein in Caputh schon drei Orte, an denen die Menschen vor mobilen Leinwänden regelmäßig in die Scheinwelt eintauchen. Beruflich sattelt Therese um und näht für die vielen in Caputh niedergelassenen Fabrikanten Hüte und Anzüge. Das Geschäft geht gut, so gut sogar, dass sie sich ein kleines Vermögen ersparen und 1936 ihren Traum von einem richtigen Kino in Caputh mit ihrem Mann umsetzen kann: 256 Sitze erhält das neue Schmuckstück des Ortes, das nach ihrem Wiener Kosenamen „Resi Lichtspiele“ benannt wird. Albert und Therese Thurley betreiben das Kino selbst und Sohn Helmuth lernt in Berlin den Beruf des Filmvorführers, um anschließend ebenfalls in den Familienbetrieb einzusteigen.

In den 40er Jahren übernimmt Helmuth Thurley das Lichtspielhaus und betreibt es, bis er an die Ostfront eingezogen wird. Seine damalige erste Frau lässt sich in der Ungewissheit, ob er jemals wieder zurückkehrt, ebenfalls ins Grundbuch eintragen. Als Helmuth Thurley dann aus der sowjetischen Gefangenschaft 1948 heimkehrt, ist seine Frau nach West-Berlin gezogen und auch die Filmprojektoren sind verschwunden. Doch mit seiner späteren zweiten Frau Irene wagt er auch beruflich den Neuanfang und eröffnet die Resi Lichtspiele erneut. „Die Leute waren froh, wieder Kultur zu erleben“, sagt Wolfgang Thurley, der aus dieser zweiten Ehe hervorgeht. Zunächst holte sein Vater Schauspieler nach Caputh, die auf der Bühne des Kinos Stücke aufführen, bevor 1949 wieder bewegte Bilder auf der Leinwand zu sehen sind.

In den folgenden Jahren läuft es für Helmuth und Irene Thurley durchwachsen. Zwar werden sie nicht enteignet, aber westliche Filme bekommen meist die staatlichen Kinos, zudem häufen sich Schulden gegenüber dem Filmverleih an. Denn neben staatlicher Gängelei macht zunehmend auch der Konkurrent Fernsehen den Kinos zu schaffen. Helmuth und Irene führen noch bis 1958 das Kino selbst, verpachten es dann an die staatliche Filmdirektion.

Anfang der 60er Jahre beschließt die Gemeinde, die Lichtspiele zu überholen und erteilen dem Ehepaar Thurley als Vermieter entsprechende Auflagen. Diese können den finanziellen Kraftakt nicht stemmen, deshalb lässt Helmuth Thurley Wohnhaus und Kino im Grundbuch trennen und behält das Haus. Seiner in West-Berlin lebenden Frau aus erster Ehe wird das Kino überschrieben, das damit automatisch in staatliche Obhut fällt. Mitte der 60er Jahre erhält das Kino dann eine moderne Leinwand, wodurch sich die Sitzplatzzahl auf 222 verringert. Doch 1974 kreuzen sich die Wege erneut. Da es an Filmvorführern mangelt, lässt sich das Ehepaar – nun als Angestellte – zur Rückkehr bewegen. „Damit war das alte Gespann wieder dran. Meine Mutter machte die Kasse, mein Vater heizte und zeigte die Filme“, erinnert sich Wolfgang Thurley, der auch selbst oft mithalf.

1983 übernimmt seine Frau Monika die Leitung des Kinos von den Schwiegereltern. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr der 1987 produzierte Film „Dirty Dancing“. Um solche begehrten westlichen Streifen nach Caputh zu holen, musste abends eigens der Film aus dem Kino Thalia in Potsdam-Babelsberg geholt werden, um ihn gleich nach der Aufführung zur dortigen Spätvorstellung zurückzubringen. „Doch einmal war der Andrang so groß, dass alle 222 Plätze besetzt waren und draußen noch 100 Menschen standen“, erinnert sie sich. Einige drängten mit aller Kraft ins Kino. Um die Situation zu entspannen, wurde eigens eine weitere Nachtvorstellung „Dirty Dancing“ angesetzt.

Nach der Wiedervereinigung schloss 1991 der staatliche Filmbetrieb die Leinwand in Caputh für immer, anschließend erhielt die erste Frau von Helmuth Thurley das Kino zurück und veräußerte es. Wolfgang und Monika Thurley überlegten damals, sich für das Haus zu bewerben und privat das Kino zu betreiben. „Aber wirtschaftlich gesehen wohnen in Caputh zu wenig Menschen. Wir hatten daher auch auf die Kommune gehofft, dass sie das Kino übernimmt“, sagt Monika Thurley, die sich eine Verknüpfung mit einem Café wünschte.

Schließlich erwarb eine Familie aus Berlin das Lichtspielhaus, baute anstelle des Kinosaals eine Wohnung ein und eröffnete den Naturkostladen im Foyer, der keinen langen Bestand hatte. Mittlerweile wohnen andere Mieter im Haus. Geblieben sind Foyer und Schild des Kinos. „Im Sommer klingeln oft Touristen bei uns und fragen, ob die Vorstellungen denn stattfinden“, berichtet Monika Thurley. „Ja, es ist schade, dass es hier kein Kino mehr gibt.“ Quelle: Märkische Allgemeine, Potsdamer Stadtkurier, 05.07.2005

Kinodaten

  • 1928 Elite-Lichtspiele, Sonntag, 200 Plätze, Inh: Wilh. Kugland, Potsdam, Junkerstr. 48
  • 1930 Elite-Lichtspiele (Saalkino), Weberstraße 61, F: 217, Gr: 1927, Sonntags, 200 Plätze, Inh: Wilh. Kugland, Potsdam
  • 1931 Elite-Lichtspiele (Saalkino), Weberstraße 61, F: 217, Gr: 1927, Sonntags evtl. Sonnabends, Inhaber: Lindemann, Pächter: Gunnia
  • 1932 Elite-Lichtspiele (Saalkino), Weberstraße 61, Gründung: 1927, Sonntags evtl. Sonnabends, Kap: 2 M., T-F: Klangfilm, 400 Plätze, Inhaber: Lindemann, Pächter: Gunnia
  • 1933/1934 Elite-Lichtspiele (Saalkino), Weberstraße 61, Gründung: 1927, Sonntags evtl. Sonnabends, Kap: 2 M., T-F: Klangfilm, 400 Plätze, Inhaber: Lindemann, Pächter: Krüger
  • 1935 Elite-Lichtspiele (1) 260 Plätze
  • 1935 Resi-Lichtspiele (1) 285 Plätze
  • 1937 Resi-Lichtspiele (Saalkino), Adolf-Hitler-Straße 65, Gründung 1927, 4 Tage, 286 Plätze, Pächter: Richard Krüger
  • 1938 Resi-Lichtspiele, Adolf-Hitler-Straße 65, F: 217, Gr: 1927, 4 Tage, 286 Plätze, Inh: Albert Turley
  • 1940 Resi-Lichtspiele, Adolf-Hitler-Straße 65, F: 383, Gr: 1927, 286 Plätze, 4 Tage, Inh: Albert Turley
  • 1941 Resi-Lichtspiele, Adolf-Hitler-Straße 65, Gründung: 1927, 282 Plätze, 5 Tage, Inhaber: Albert Turley
  • 1949 Resi-Lichtspiele, Chausseestraße 65, 284 Plätze
  • 1950 Resi-Lichtspiele, Chausseestr. 65, 270 Plätze
  • 1991 Resi, Straße der Einheit 65, 222 Plätze

Weblinks

www.allekinos.com