Düsseldorf Neue Theater

Aus Kinowiki
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  • Das "Neue Theater" in der Friedrichstrasse weicht endlich einmal etwas von der in aller Welt beliebten Norm ab. Es wurde in einer Kapelle der grauen Schwestern, aber an geweihter Stätte eröffnet. Aeusserlich ist. davon nichts zu sehen. Die Architektur der Kapelle tritt im Innern jedoch deutlich genug hervor. Diesen dem grossen Getriebe eigentlich schon fernliegende stille Haus hat in Herrn A. Duse den Mann gefunden, der sich mit Freude der schwierigen Aufgabe widmet, den Charakter seines Theaters mit dem der Kapelle zu vereinigen. Der anheimelnde Kaum ist mit den geringsten Mitteln sehr geschmackvoll und dezent ausgestattet. Die Bilder werden mit Ueberlegung von Herrn Dune selbst erklärt. Hie und da begleitet Frau Duse in freier improvisierender Weise Dramen und Reisebilder auf dem Piano. Das Programm, die Musik, der gesprochene Text, die Ausstattung der ehemaligen Klosterkirche, das alles gibt diesem Theater einen höchst merkwürdigen ernsten und feierlichen Charakter — wie ihn der Großstädter im Durchschnitt weder sucht noch liebt. Die ich möchte fast sagen moralische — Tendenz des Theaters stösst durchaus nicht ab, da häufig genug das fröhlichste Lachen der Kinder die Räume durchhallt. Moralisch hat Herr Duse entschieden gesiegt, denn er hat sein Stadtviertel, vielleicht das kirchentreueste Düsseldorfs, mit dem Gedanken auszusöhnen vermocht, dass in einer ehemaligen Kapelle der grauen Schwestern ein Kinotheater eröffnet werden durfte. Die Lehrerinnen haben ihn klassenweise ihre Schulkinder zugeführt und die Jungens haben ihm ihre Pistolen und Dolche abgeliefert, weil er ihnen im Bilde gezeigt hat, welches Unheil der unvorsichtige Gebrauch von Waffen mit sich bringen kann. Möge der Lohn, den Herr Duse verdient, an der Kasse und nicht im Himmel gezahlt werden.Der Kinematograph 134/1909
  • Düsseldorf. Das seither von Herrn Duse geleitete "Neue Theater" in der Friedrichstrasse ist an Herrn Rudolf Leydel übergegangen, der dasselbe renoviert und am Samstag, 5. Februar, neu eröffnet. Der Kinematograph 163/1910