Diskussion:Heidelberg Capitol-Filmtheater

Aus Kinowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
  • 1926: In Heidelberg baut man das große Terrain einer Möbelfabrik zu einem Kino um. Das Grundstück gehört einem Möbelfabrikanten Eugen Reich, der auch das Theater für eigene Rechnung betreiben will. Es soll 1000 Plätze umfassen, die sich über das Parterre und 2 Ränge erstrecken. Ein großes, hochwertiges Orchester soll durch eine Oskalyd-Orgel unterstützt werden. Das Theater, dessen Pläne noch nicht endgültig feststehen, soll am 15 Oktober eröffnet werden. Der Kinematograph Nr.1014 25. Juli 1926
  • Heidelbergs Capitol, anno 1927 von Herrn Romahnyi erbaut und nach dem Kriege bis jetzt besatzungsbeschlagnahmt, öffnete in diesen Tagen wieder seine Pforten. Hausherr Dr. Heribert Froechte begrüßte im Namen seiner beiden Kollegen, Hans Ulbrich und Siegfried Lubliner, die zahlreich erschienenen Gäste von Presse und Verleih, darunter Columbias Egon Leuschner, der zur Feier des Tages den ihm von den Frankfurter „Vereinigten Fürstentümern Hohenturm, Biberbau und Auf der Zeil" verliehenen St. Kiliansorden angelegt hatte — bestes Zeichen für die freundschaftlich-gesellige Atmosphäre dieses Eröffnungsvormittags, dem Vorstandsmitglied Theo Bender (WdF Baden-Württemberg) den offiziellen Auftakt gab. Die gründliche Renovierung des 1200-Platz-Theaters, dessen Betreuung in Händen von Helmut Schugk liegt, wurde von den Architekten Ludwig Amann und Dr.-Ing. Schröder-Babo geleitet. Fassade, Kassenhalle, Vestibül und Zuschauerraum sind in harmonischen Farben gehalten. Auf der geräumigen Bühne steht wieder die Walker-Orgel, deren machtvolle Klänge in jeder Vorstellung Programmbestandteil sein werden. Im Vorführraum fanden Ernemann-X Aufstellung, diie Klimaanlage lieferte die Fa. Teves. Die dem Theater angegliederte „Capitol-Stube" bietet den Filmbesuchern Behaglichkeit. Eine 48seitige Festschrift mit Beiträgen führender Persönlichkeiten des Heidelberger kommunalen und kulturellen Lebens sowie launigen Feuilletons, fachversiert und geschmackvoll zusammengestellt von Fritz Hermann, macht mit der Tradition des Capitols auf kurzweilige Weise vertraut. Der neue Film 62/1953
  • Das „Capitol" in der Bergheimerstraße zu Heidelberg, das komfortable Haus zwischen 2 Hauptstraßen mit 280 Parkmöglichkeiten — 1927 von dem Stuttgarter Architekten Darius als eines der ersten Groß-Kinos sogar mit 2 Zuschauer-Rängen versehen — hat nach einer Mitteilung seines Leiters: Dr. Karl Michel, durch Schließung eben dieses 2. Ranges (m. 262 PI.) das Gesamlplatzangebot von 1150 auf 888 Sitze reduziert. Das Filmtheater 4/1961
  • Das „Capitol" in Heidelberg, — das komfortable Haus zwischen 2 Hauptstraßen, mit 1150 Plätzen und 280 Parkmöglichkeiten — wird jetzt von der, von Dr. Karl Michel geführten Filmtheaterbetriebsgesellschaft mbH. Heidelberg, Bergheimer Straße 59 betrieben. Das Filmtheater 4/1960
  • Das von dem Stuttgarter Architekten Darius erbaute und 1927 eröffnete „Capitol"-Filmtheater in — 6900 — Heidelberg (1100 Plätze in Parkett und 2 (!) Rängen, große Bühne, Orgel und Orchester) galt damals in Süddeutschland für lange als kaum überbietbarer Kino-Zweckbau. — Nach 1945 war das „Capitol" als „Show"-Bühne des US-Hauptquartiers mehrere Jahre hindurch dem Heidelberberger Kinopublikum verschlossen und hatte es nach seiner Freigabe natürlich sehr schwer, seine vormalige Bedeutung im örtlichen Kinoleben zurückzugewinnen. Jetzt hat ein neuer Besitzer (Dieter Spickert) die Chance zur baulichen und technischen Umstellung ergriffen, um dem „Capitol" wieder eine Sonderstellung zu sichern. Die Projektionsanlage wurde durch Todd AO-Installation (80 qm Bildfläche) erweitert. <Premierenfilm: „My Fair Lady" — WB —). Das Sitzplatzangebot wurde auf 800 Sessel reduziert und die Raumintimität durch Einbau einer Hängedecke wesentlich gefördert. Als weiteren Vorzug kann „das Filmtheater mit den zwei Fronten" das seltene Angebot von 280 (!) Parkplätzen geltend machen. aus: Das Filmtheater 1965

  • RNZ 12.10.70: Capitol und Hotel Eden sollen am 14.12 verkauft werden. Eigentümer F. H. Stall hat es nach dem Krieg von Fam. Romeni übernommen.
  • RNZ 30.04.71: Capitol wird Ende Mai 1971 schließen. Pächter ist Herr Spickert. Danach soll es Möbelausstellungsraum werden.
  • RNZ 27.05.71: Capitol soll abgerissen werden. Der Besitzer Herr Wieder hat es an eine Frankfurter Bank verkauft.
  • RNZ 02.06.71: letzte Vorstellung
  • RNZ 16.08.73: Die Orgel wird in den Königsaal eingebaut Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung


Eichmann und das Capitol im Dritten Reich

Ich zitiere aus den Tonbandprotokollen der israelischen Verhöre im Eichmann-Prozess (Jochen von Lang, Das Eichmann-Protokoll, Berlin 1982, S. 129, hier zitiert nach der Website des Heidelberger Geschichtsvereins:

"Less: Es handelt sich um die - wie Sie hier schreiben - jüdische Familie des Jakob Hirsch, alias Eugen Romani, ungarischer Staatsbürger. Sie schreiben, ich zitiere jetzt, wie folgt: „Wie aus dem oben angeführten Sachverhalt hervorgeht, ist das ganze Lichtspielunternehmen fast durchweg verjudet. Bei Eugen Romani handelt es sich nach hiesiger Auffassung offenbar um einen Juden, der es verstanden haben dürfte, aufgrund seiner Beziehungen zu maßgebenden ungarischen Kreisen gegen Zahlung von Bestechungsgeldern zum Arier gemacht zu werden. Es dürfte daher zwecklos sein, von ihm oder seinen Kindern Nachweise über die angebliche arische Abstammung abzuverlangen. Ich beabsichtige daher, Ausweisung [sic] zu erteilen, die am 12. 2. 43 ablaufende Aufenthaltsgenehmigung von Eugen Romani, seiner Frau und seinem Sohn Rudolf nicht mehr zu erneuern und die Genannten kurzfristig aus dem Reichsgebiet auszuweisen. Rudi Romani dagegen wird aufgrund seines unglaublichen Verhaltens in ein Konzentrationslager eingewiesen. Bevor ich diese Maßnahme jedoch durchführen lasse, wäre ich für eine baldige Stellungnahme dankbar, ob hiergegen aus außenpolitischen Gründen Bedenken bestehen. Im Auftrage: Eichmann.“

Sie fällen hier also eine prinzipielle Entscheidung über das Schicksal dieser Familie. Richtig?

Eichmann: Ist richtig! Jawohl, wenngleich der Text an sich nicht von mir stammt, sondern von einem Sachbearbeiter. Trägt jedoch im Auftrage des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD meine Unterschrift." --89.12.47.111 19:23, 10. Dez. 2012 (CET)