Hoya Filmhof

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Geschichte

75 Jahre Kino in Hoya

Im August 1929 hat alles angefangen. In einer Hannoverschen Zeitung stand eine Anzeige: Gastwirtschaft und Zimmer und großem Saal "in dem kinematographische Vorführungen stattfinden können", sofort zu verkaufen. Dieser Satz war ausschlaggebend, und so kamen meine Eltern Willi und Emma Bauermeister nach Hoya und erwarben dieses schöne Grundstück direkt an der Weser. Für die Hoyaer begann die Kinogeschichte mit "Pat + Patachon in Pelikanien".

Die Zeitung schrieb damals: "Durch Anschaffung moderner Apparate und Abschlüsse mit großen Filmfabriken wird der Kinobesitzer in die Lage versetzt, wirklich vorzügliche Bilder vorzuführen. Außerdem werden sämtliche Vorführungen mit Klaviermusik begleitet."

In den ersten Jahren lief das Kino nur an den Wochenenden und der Saal hatte lose Bestuhlung, denn im gleichen Saal fanden auch andere Veranstaltungen statt: Theater, Bälle und in der sogenannten Kampfzeit auch die nicht immer glimpflich verlaufenden politischen Versammlungen. Die Tonfilmära wurde 1930 eingeleitet mit dem Film "Zwei Herzen im Dreivierteltakt". Ab August 1935 gab es dann nur noch Kino. Der Saal wurde renoviert, der Fußboden angehoben und feste Bestuhlung eingebaut. Nach dem enormen Aufschwung des deutschen Films wurde das Kino 1938 nochmals vollständig renoviert.

Am 30. Dezember 1939 brannte das Theater und ein Teil des Hotels bis auf die Grundmauern nieder. Die Weser war zugefroren, die Feuerwehr (es gab noch keine Löschfahrzeuge) hatte Not die Wasserschläuche aufzutauen, außerdem dachte die Bevölkerung es sei Fliegeralarm, denn wir hatten seit vier Monaten Krieg. Dies war ein schwerer Schlag, besonders für meinen Vater, der dieses Kino mit seiner Hände Arbeit fast alleine gebaut hatte. Aber bereits 14 Tage später war der Kinobetrieb im Speisesaal unseres Hotels mit geliehenen Maschinen wieder in vollem Gange. Die Filmkopie von "Paradies der Junggesellen" mit Heinz Rühmann hat den Brand Dank eines Feuerwehrmannes unbeschädigt überstanden. Das Lied aus diesem Film "Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern" hatte mein Vater sich zu Herzen genommen. Sowie der Frost weg war, begannen die Aufräumungsarbeiten.

Dank der aufopfernden Arbeit unseres Freundes und Architekten und so manchem hilfsbereiten Materiallieferanten konnten wir mitten im Krieg am 13. Juni 1941 unseren neuen "Weser-Filmhof" eröffnen. Das Hoyaer Wochenblatt, die heutige Kreiszeitung, schrieb damals: "Schön, modern und zweckmäßig, alle technischen Möglichkeiten berücksichtigt eine Harmonie der Farben und Linien. Eine eindrucksvolle Visitenkarte Hoyas. Eine Kulturstätte von vorbildlicher Gestaltung." Eröffnet wurde am 13. Juni 1941 mit: "Über alles in der Welt" mit Carl Raddatz.

Es muss etwas mit dem Filmtitel zu tun haben, dass unsere gesamte Familie auch heute noch das Kino über alles geht (in der 3. Generation). Da ein Kino im Kriege ein "kriegswichtiger Betrieb" war, hatten wir regelmäßig Konzerte und Theateraufführungen. Stargastspiele waren damals keine Seltenheit (Werner Hinz, Emi Bessel, Carl Raddatz, Karl John, Ernst Schröder, Hardy Krüger usw.). Am 3. August 1944 verstarb mein Vater. Die schwere Zeit der Bombenangriffe, der englischen und amerikanischen Besatzung mussten meine Mutter und ich alleine bewältigen.

1952 eröffneten wir zusätzlich im gleichen Haus die "Kammer-Lichtspiele". Dieses Studio zeigte anspruchsvolle Filme. 1969 musste es leider geschlossen werden, nicht etwa wegen Besuchermangel, sondern wegen Filmmangel. Es gab zur Zeit nur Sexfilme, wie Oswald Kolle oder Schulmädchen-Reporte. Der einzige Lichtblick waren damals die sogenannten Heimatfilme, bis das Fernsehen auch diesen Besucherkreis uns entzog.

1976 kam dann ein entscheidender Schnitt. Das herkömmliche Filmtheater wurde zu einem modernen Kino mit Getränkeservice und Raucherlaubnis umgebaut. Der alte "Weserfilmhof" schloß seine Pforten, der neue "Filmhof Hoya" erstrahlte im neuen Glanze. 1979 feierte ganz Hoya mit uns unser 50jähriges Geschäftsjubiläum. Es gab jeden Tag und für jede Altersgruppe eine spezielle Fete. Mit dem Umbau 1976 stellten wir unseren gesamten Spielplan um. Eine Reihe von Sonderaktionen lockerten das monotone Kinoprogramm auf. Mit Ausstellungen von jungen Künstlern, Filmkunsttagen, Kinder-Film-Tagen mit spezieller Deko, Musik und Kindergetränken.

Festliche Premieren bei besonderen Filmen wie "Sehnsucht der Veronika Voß", "Salmonberry" mit Rosel Zech (die ist übrigens meine Nachbarin). Lange Kino-Nächte mit Live-Bands, Modenschauen zum Film usw.. Ganz stark besucht sind immer noch, auch nach 20 Jahren, die sogenannten Senioren-Vorstellungen: jeden Dienstag und Mittwoch mit alten deutschen Filmen, Kaffee und Kuchen. Die Menschen kommen "Busweise" aus sieben Landkreisen. 1988 war der Schauspieler Georg Thomalla hier um zu sehen, ob es wirklich wahr ist, dass es Menschen gibt, die sich seine alten Filme auch heute noch ansehen.

1993 haben wir aus der sogenannten Bühne einen zweiten Kinosaal geschaffen "Film-Hof Kino 2". Somit können wir ein besseres Filmangebot unterbreiten. Da inzwischen, auch zum 60. Geschäftsjubiläum am 1. August 1989, einige Bosse von Filmgesellschaften hier waren und die Kinos angesehen haben, bekommen wir des öfteren "Bundesstarts", d.h. in Hoya wird ein neuer Film gestartet. Dank des Kinobüros Niedersachsen und der Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Frau Helga Schuchardt, haben wir schon fünfmal Programmpreise für ausgezeichnete Programmgestaltung bekommen 1992, 1993, 1994, 1995 und 1996. Außerdem bringt uns diese Verbindung Stars zu neuen Filmen. Der letzte war André Eisermann zum Film "Schlafes Bruder".

Das Kino ist nun 100 Jahre alt. Es heißt: mit 20 Klavierspielen gelernt mit 30 Sprechen gelernt mit 40 langsam Farbe bekommen mit 50 weltberühmt mit 80 für tot erklärt mit 100 aktiver den je Welch ein Leben!!!

Wir hoffen, dass unser Familienbetrieb der nun von der 3. Generation geführt wird (Tochter Beate Möller-Dumschat) weiter leben wird, trotz aller Multiplexe und Cinemaxe in den Großstädten.

Am 1. Dezember 1994 haben wir das Kino in Syke gekauft und total umgebaut. Es wurde zu einem der schönsten Kinos in Norddeutschland (sagen die Experten). Im Mai 1999 haben wir einen zweiten Saal angebaut und mit einem besonderen Highlight versehen: blitzende Kronleuchter verschwinden in der Decke, wenn der Vorhang für die Vorstellung aufgeht ...! Neben einem extravaganten Outfit darf natürlich die Technik nicht zu kurz kommen: DOLBY Digital, Riesenleinwand, Klimaanlage, Computerkasse ... und 3D gehört seit März 2010 mit zu unseren Standards!

Quelle: Filmhof Hoya

Weblinks

Kinodaten

  • 1925 Hoyaer Lichtspielhaus, Müllers Hotel, Deichstraße, F: 136, Sonntag, Gr: 1918, 200 Plätze, Inh: Alfred Müller
  • 1927 Hoyaer Lichtspielhaus, Deichstraße 82, F: 136, Inh: Alfred Müller, Deichstraße 82, Sptg: Sonntag, 200 Plätze, Bühne 60 qm.
  • 1928 Hoyaer Lichtspielhaus, Müllers Hotel, Deichstr. 82 (Saalkino), F: 136, Gr: 1919, nur im Winter 2 Tage, 200 Plätze, Inh: Alfr. Müller (spielt auch in den Nachbarorten)
  • 1929 Hoyaer Lichtspielhaus (Saalkino), Müllers Hotel, Deichstraße 82, F: 136, Gr: 1919, nur im Winter 2 Tage, 200 Plätze, Inh: Alfr. Müller, F: 36
  • 1930 Hoyaer Lichtspiele (Saalkino), Deichstraße 82, F: 136, Gr: 1920, 1 Tag, 200 Plätze, Inh: W. Bauermeister, ebenda
  • 1931 Hoyaer Lichtspiele (Saalkino), Deichstraße 82, F: 136, Gr: 1920, 1 Tag, 200 Plätze, Inh: W. Bauermeister, ebenda
  • 1932 Hoyaer Lichtspiele (Saalkino), Deichstraße 82, F: 136, Gr: 1920, 1 Tag, 200 Plätze, Inh: W. Bauermeister, ebenda
  • 1933 Hoyaer Lichtspiele (Saalkino), Deichstr. 82, F: 336, Gr: 1920, 3 Tage, T-F: Tobis, 150 Plätze, Inh: W. Bauermeister, ebenda
  • 1934 Hoyaer Lichtspiele (Saalkino), Deichstraße 80, F: 336, Gr: 1920, 3 Tage, T-F; Tobis, 200 Plätze, Inh: W. Bauermeister, ebenda
  • 1937 Hoyaer Lichtspiele (Saalkino), Deichstraße 82, F: 336, Gr: 1920, 3 Tage, 250 Plätze, Inh: Wilhelm u. Emma Bauermeister, ebenda
  • 1938 Hoyaer Lichtspiele, Deichstraße 82, F: 336, Gr: 1920, 2-3 Tage, 250 Plätze, Inh: Wilhelm u. Emma Bauermeister, (Mst.: Thedinghausen)
  • 1940 Hoyaer Lichtspiele, Deichstraße 82, F: 336, Gr: 1920, 250 Plätze, 1 Tag, Inh: Wilhelm und Emma Bauermeister, Mitspielort: Thedinghausen
  • 1941 Hoyaer Lichtspiele, Deichstraße 82, F: 336, Gr: 1920, 150 Plätze, 5 Tage, Inh: Wilhelm und Emma Bauermeister, Mitspielort: Thedinghausen
  • 1949 Weser-Filmhof, Deichstr. 80-82, Tel. 336, Inh: Emma Bauermeister, Mit Dia, 5-6 Tage, Pl. 462
  • 1950 Weser-Filmhof, Deichstr. 80/82, Tel. 336, Inh: Emma Bauermeister, Gf: Bernd Möller, 426 Pl. 6 Tg., 1 V., Dia., App.: Bauer, Vst.: BV 6 Lorenz, Bühne 10x7x5, Th. ja
  • 1952 Weser-Filmhof, Deichstr. 80/82, Tel. 336, Inh: Emma Bauermeister, Gf: Bernd Möller, PI. 430, 6-7 Tg, 6-8 V, tön. Dia, App. Bauer, Vst. BV 6 Lorenz, Bühne 10x7x5, Th. ja. Mitspielstelle: Hassel
  • 1953 Weser-Filmhof, Deichstr. 80/82, Tel. 336, Inh: Emma Bauermeister u. Möller, Gf: Bernd Möller, PL 430, 6-7 Tg., 6-9 V., tön. Dia, App. Bauer B 5 u. M 7, Vst. BV 6 Lorenz, Bühne 10x7x5, Th. ja, Mitspielstelle: 1
  • 1955 Weser-Filmhof, Deichstr. 80/82, Tel. 336, Inh: Bauermeister u. Möller, Gf: Bernd Möller, Pl: 430, 6-7 Tg., 6-9 V., tön. Dia, App. Bauer B 5 u. M 7, Vst. BV 6 Lorenz, Bühne 10x7x5, Th. Mitspielstelle: 1
  • 1956 Weser-Filmhof, Deichstr. 80/82, Tel: 336, Inh: Bauermeister & Möller, Gf: Bernd Möller, Pl: 450, Best: Zimmermann, Bähre, 7 Tg, 8-10 V, tön. Dia, App: Bauer B 5 u. M 7, Verst: Bauer-Lorenz, Bühne: 10x7x5, Th. Mitspielstelle: Hassel
  • 1956N Weser-Filmhof, Deichstr. 80/82 - Änd: 8-12 V. - Erg: Bild- u. Tonsyst. Breitwand SuperScope, CinemaScope, I-Kanal-Licht ton - Änd: Mitspielstelle entfällt
  • 1957 Weser-Filmhof, Deichstr. 80/82, Tel: 336, Inh: Emma Bauermeister u. Bernd Möller, Gf: Bernd Möller, Pl: 450, Best: Zimmermann, teilw. Flachpolster, 7 Tg., 8 V., 2 Mat.-/Spätvorsf, tön. Dia, App: Bauer B 5 u. M 7, Verst: Verst: Lorenz BV 6, Lautspr: Klangfilm, Bild- u. Tonsyst: CS 1 KL, Gr.-Verh: 1:2,35, Th.
  • 1958 Weser-Filmhof, Deichstr. 80/82, Tel: 336, Inh: Emma Bauermeister u. Bernd Möller, Gf: Bernd Möller, Pl: 450, Best: Zimmermann, teilw. Flachpolster, 6-7 Tg., 7-8 V., 1-2 Mat.-/Spätvorst., tön. Dia, App: Bauer B 5 u. M 7, Verst: Lorenz BV 6, Lautspr: Komb., Bild- u. Tonsyst: CS 1 KL, Gr.-Verh: 1:2,35, Th.
  • 1959 Weser-Filmhof, Deichstr. 80/82, Tel: 336, Inh: Emma Bauermeister u. Bernd Möller, Gf: Bernd Möller, PI: 450, Best: Zimmermann, teilw. Flachpolster, 6-7 Tg., 7-8 V., 1-2 Mat.-/Spätvorst., tön. Dia, App: Bauer B 5 u. M 7, Verst: Lorenz BV 6, Lautspr: Komb., Bild- u. Tonsyst: CS 1 KL, Gr.-Verh: 1:2,35, Th.
  • 1961 Weser-Filmhof, Deichstr. 80/82, Tel: 336, Inh: Emma Bauermeister u. Bernd Möller, Gf: Bernd Möller, PI: 450, Best: Zimmermann, teilw. Flachpolster, 6-7 Tg., 7-8 V., 1-2 Jugd.-/Spätvorst., FKV: 1 x monatl. am 2. Donnerstag, Dia-N, Lichtquelle: Reinkohle, Verst: Lorenz BV 6, Lautspr: Komb., Bild-u. Tonsyst: Sc, 1 KL, Th.
  • 1962 Weser-Filmhof, Deichstr. 80/82, Tel: 2336, Inh: Emma Bauermeister u. Bernd Möller, Gf: Bernd Möller, PI: 450, Best: Zimmermann, teilw. Flachpolster, 6-7 Tg, 7-8 V, 1-2 Jugd.-/Spätvorst, FKV: 1 x monatl. am 2. Donnerstag, Dia-N, Lichtquelle: Reinkohle, Verst: Lorenz BV 6, Lautspr: Komb, Bild- u. Tonsyst: Sc, 1 KL, Th.
  • 1971 Weser-Filmhof, Deichstr. 80-82, T: 2336, Inh: Emma Bauermeister + Bernd Möller, 450 Plätze
  • 1993 Filmhof Hoya, DO, 241 Plätze, 27318 Hoya, Deichstr. 80-82, Tel. 04251/2336, Inh: Bauermeister & Möller oHG, 27318 Hoya, Deichstr. 80-82
  • 1995 Filmhof, Kino 1 (SVK/RAK), DO SR, 241 Plätze, Kino 2 (SVK/RAK), DO, 82 Plätze, 27318 Hoya, Deichstr. 80-82, Tel: 04251/2336, Inh: Bauermeister & Möller oHG, 27318 Hoya, Deichstr. 80-82
  • 1997 Filmhof Kino 1 (SVK/RAK) DO SRD 241 Plätze, Kino 2 (SVK/RAK) DO 82 Plätze, 27318 Hoya, Deichstr. 80-82, Tel: 04251/2336, Inh: Bauermeister & Möller oHG, 27318 Hoya, Deichstr. 80-82