Huttenlocher

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In Göppingen verstarb am 19. Januar 1966 nach kurzer Krankheit der Gründer und Seniorchef der W. Huttenlocher & Söhne — Filmtheaterbetriebe, Herr Wilhelm Huttenlocher. Von den nahezu 87 Jahren seines arbeitsreichen und (gesegneten Lebens waren rund 50 dem Film- und Kinowesen gewidmet. Mit kluger Voraussicht und unternehmerischem Wagemut hat er sich um die Weiterentwicklung der damals noch, in den \Anfängen steckenden Kinematographie bemüht 1907 eröffnete der ehemalige Eßlinger Bäckermeister in Göppingen sein erstes Kino, dem bald weitere im württembergischen Gebiet in Backnang, Donzdorf, Eislingen und Weingarten folgten. Vor dem Münsinger Truppenübungsplatz führte er einst 10 Jahre lang ein Zeltkino ... und heute hat CinemaScope in allen, seinen Theatern längst Einzug gehalten. — Welche Wertschätzung die mit Schlichtheit und Herzensgüte ausgezeichnete Persönlichkeit des Verstorbenen allerwärts genoß, erfuhr man aus den zahlreichen Nachrufen am offenen von 230 Kranzspenden umsäumten Grab auf dem Göppinger Friedhof. Für die gesamte Filmwirtschaft rühmte Friedr. Sieger von der Vorstandschaft des WdF BW noch einmal die bleibenden Verdienste des Ehren-Präsidium-Mitglieds Wilhelm Huttenlocher, der einer der ersten Filmtheater-Unternehmer und — mit seinem „Monopol-Filmvertrieb" — auch einer der ersten Verleiher Deutschlands war ... Zum Andenken an Wilhelm Huttenlocher hielten am Tage der Beisetzung eines der letzten Kino-Pioniere seine sechs modernst eingerichteten und nun im väterlichen Sinne von seinen Söhnen Eugen und Karl Huttenlocher weitergeführten Filmtheater in Göppingen und in Schwäb. Gmünd ihre Pforten geschlossen. In der süddeutschen Filmwirtschaft, ganz besonders jedoch in der Kollegenschaft des badisch-württembergischen Gebietes, wird sein Andenken als das eines Mannes von nimmermüder Schaffenskraft fortbestehen. Das Filmtheater 1-2/1956


50 Jahre Filmbetriebe Huttenlocher Göppingen - Schwäb. Gmünd

Vor genau 50 Jahren — am 8. Februar 1908 — begann mit der Eröffnung des „Kinematograph Ideal" in der Frank'schen Bierhalle zu Göppingen die für das schwäbische Filmtheater-Unternehmertum so wertvolle Pionierarbeit der Familie Wilhelm Huttenlocher. Zu einer Zeit also, die beinahe noch mit den Anfängen der Kinematographie zusammenfiel, und die hinsichtlich der Kürzest-Filmattraktionen bei sagenhaften Eintrittspreisen von 30 und 40 Pfennigen (im Vorverkauf sogar noch 10 Pfg. billiger!) für das damalige Novum Film (konkurrenzlose und vornehmste Vorführung lebender Photographien! Haarscharf — ohne Flimmern!) überhaupt keine Vergleiche zum Heute mehr zuläßt ... Der fest an die Zukunft des Films glaubende, umtriebige Kinopionier Wilhelm August Huttenlocher aus Eßlingen, der schon vorher (seit 1905) neben seiner Bäk-kerei einen Filmverleih (!) betrieben hatte, beschränkte sich nicht auf sein Ersttheater „Ideal", das er nach einem Filmbrand in einen Laden in der Göppinger Lange Straße verlegt, gründete eine Reihe weiterer Kinos in Stuttgart, Weingarten, Backnang, Eislingen und Donzdorf, die er später aber alle wieder veräußerte. Auf dem Truppenübungsplatz Münsingen hatte er sogar noch ein richtiges Überbleibsel aus den Jahrmarkts-Wanderjahren — ein Zeltkino — „Theater Kinematograph" in Betrieb. Mehr und mehr aber konzentrierte sich das Wirken der Kinofirma auf die industrie- und gewerbereiche Kreisstadt Göppingen, wo das „Viktoria-Theater" und die „Kammer-Lichtspiele" (heutige „Kronen-Lichtspiele") entstanden, und auf die nachbarliche Gold- und Silberstadt Schwäbisch Gmünd, wo das „Lichtspielhaus" in der Kornhausstraße und das „Union-Theater" in der Kappelgasse (heute „Palast-Lichtspiele) übernommen wurden. Wilhelm Huttenlochers 1912 gegründeter „Württembergischer Monopol-Filmvertrieb" in Göppingen, später Stuttgart — eines der ersten deutschen Filmverleih-Unternehmen überhaupt — wurde 1919 wieder aufgegeben, so daß die beiden Stauferstädte, aus deren Kinogeschichte der Name Huttenlocher nicht mehr gelöscht werden kann, fortan das Zentrum der fortschrittlichen Theaterfirma geblieben sind. Seit dem Tode des hochverdienten Gründers Wilhelm Huttenlocher (im Januar 1956) sind ausschließlich Eugen und Carl Huttenlocher am Werk, um das kinohistorische Erbe zu verwalten und mit Umsicht und Tatkraft zu mehren, so daß sich heute in den traditionsreichen „Filmtheaterbetrieben W. Huttenlocher & Söhne" nicht weniger als 7 renommierte, nach dem neuesten Stand der Technik eingerichtete Häuser vereinen. Und zwar — in Göppingen : Staufen-Theater, Palast-Lichtspiele, Kronen-Lichtspiele, Scala-Filmtheater — und in Schwäb. Gmünd: Turm-Theater, Palast-Lichtspiele und das neuerbaute Parler-Theater. Bereits bei der Eröffnung dieses repräsentativen Schauhauses für den guten Film — im September vergangenen Jahres — wurde das stolze 50er-Jubiläum mitgefeiert und dabei den Gründersöhnen Eugen und Carl Huttenlocher schon damals feierlich Dank und Anerkennung aller staatlichen und kommunalen Behörden und auch der breiten Öffentlichkeit gezollt. Zum eigentlichen Jubiläumsdatum nun wünscht der WdF BW, daß die Filmtheaterbetriebe W. Huttenlocher & Söhne — nach dem erfolgreichen Aufstieg durch 5 Jahrzehnte — auch weiterhin eine glückliche Entwicklung nehmen mögen! Das Filmtheater 1/1958