Iserlohn Schauburg

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Geschichte

1897 beauftragten drei angesehene Iserlohner Bürger – Wichelhoven, Rampelmann und Hausmann – den Architekten Otto Leppin, für die 1834 gegründete Bürgergesellschaft ein Gesellschaftshaus zu bauen. Repräsentativ musste es sein – da spielte wohl die Konkurrenz zur ›feineren‹ Gesellschaft Harmonie am Poth eine Rolle. Schon damals war im Parterre Restauration auf 800 Quadratmetern vorgesehen. Im Keller gab es eine Kegelbahn, und zum Prunkstück des Hauses, dem Festsaal mit Orchesterloge, führte ein breiter Treppenaufgang. 1100 Personen konnten in dem 16 mal 25 Meter großen Saal samt umlaufender Galerie Platz finden. Mit dem Haus scheint sich die Bürgergesellschaft jedoch übernommen zu haben. 1902 monierte der Bürgermeister, dass noch immer der Verputz fehle; im Juni 1903 wurde die Zwangsversteigerung angezeigt. Die evangelische Kirchengemeinde erwarb das Gebäude 1904 als Hotel-Vereinsheim, in einem Anbau wurde ein Hospiz untergebracht. Günstigen Mittagstisch gab es, Zimmer mit Frühstück und – ein besonderer Luxus – elektrisches Licht.

1918 machte Theodor Böhmer aus dem Haus ein Kino, das er ›Schauburg-Lichtspiele‹ nannte. Eine eigene Hauskapelle unter dem ungarischen Konzertmeister Rudi Suranyi begleitete die Stummfilme. Immer wieder lockten Gastspiele bekannter Künstler wie der ›dramatischen Sängerin‹ Else Baronesse von Oppen-Troy mit ihrer echten Amati-Geige die Iserlohner an die ›Hagener Straße‹.

Ende 1918 kaufte Willy Giebe Iserlohns größtes Lichtspielhaus und erweiterte das Angebot mit Theater, Operette und Ballett. Berühmte Künstler traten auf, zahlreiche Uraufführungen fanden statt. In den Restaurationsräumen tagten Vereine, erteilte Tanzlehrer Paul Sturm Unterricht, vergnügten sich die Iserlohner auf Bällen und Feiern. Rund 40 Angestellte inklusive Kapelle arbeiteten in der Schauburg. Die Stunden der Sechs-Mann-Kapelle waren jedoch gezählt. Am 1. April 1930 kam der erste große Ton- und Sprechfilm ›Melodie des Herzens‹ mit Willy Fritsch ins Kino.

1938 wurde die Schauburg komplett umgebaut, zur gleichen Zeit wurde Willy Giebe, der mit einer Jüdin verheiratet war, die Führung des Kinos entzogen. Sein Nachfolger bot Opern, Operetten und Schauspiele ›nur für Deutsche‹.

Im Dezember 1945 gründete sich in der Schauburg die SPD neu, im März 1947 führte die Städt. Bühne Hagen das erste Stück nach dem Krieg auf (Hanneles Himmelfahrt). Eine Ausnahme – das Gebäude war längst beschlagnahmt. Im ›AKC Globe Cinema‹ zeigten die Briten, später die Kanadier eigene Filme. Bücherei, englisches Arbeitsamt und NAAFI-Shop zogen ins Parterre.

1963 wurde renoviert, 1970 kam die Schauburg in deutsche Hände zurück. Eine echte Lösung für das Gebäude wurde jedoch nicht gefunden. Die Stadt richtete im Keller (bis 1983) das lang ersehnte Jugendzentrum mit dem Folkclub weiter oben ein. Ins Erdgeschoss kam die Paketpost. Geschäfte, Kneipen, Spielhallen zogen ein und aus. Viele Nutzungen wurden überlegt und verworfen, die Unterschutzstellung scheiterte, der Traum von der Wiederherstellung des Festsaales geisterte scheinbar unerfüllbar durch die Köpfe derer, denen das Haus am Herzen lag. Es verkam. Feuchtigkeit drang übers undichte Dach ins Gebäude.

Nachdem die Entscheidung für die Schauburg dann gefallen war, stand schnell fest: Es soll so werden wie vor 100 Jahren. Eine Postkarte aus dem Jahr 1913 diente als Anhaltspunkt. Zwischendecke und eingezogene Wände wurden beseitigt, der abgeschlagene Stuck anhand gefundener Originalstücke nachgebildet, die Deckenmalerei restauriert, der Rundbogen über der Bühne freigelegt, die Logen wieder angebaut. Im Oktober folgt die Premiere: Dann werden die Gäste die breite Treppe hinaufschreiten, an der goldenen Scheibe vor der violetten Wand vorbei, zum Opernball im Goldsaal. Und dann wird sich, wenn alles gut geht, die Schauburg ihren Platz im Iserlohner Gesellschaftsleben zurückerobern. [1]

Kinodaten

  • 1917 Böhmer. Theodor, Wermingserstr. 39
  • 1918 Schauburg G. m. b. H 1200 Plätze Th. Böhner — Fernspr.: 861
  • 1920 Schauburg-Lichtspiele, Hagener Straße 20 — Fernspr. 861-Gegr. 1918 (Sp. Sonnabend, Sonntag, Montag) 600 Plätze Schauburg Iserlohn, G. m. b. H, Hagener Straße 20
  • 1921 Schauburg-Lichtspiele, Hagener Straße 20, F: 861, Gr: 1918 (Sonnabend, Sonntag, Mont.) 600 I: Schauburg Iserlohn G. m. b. H., Hagener Straße 20.
  • 1924
  • 1925
  • 1926
  • 1927 Schauburg G. m. b. H. Inh: Willy Giebe, Hagener Str. 20. Sptg: Täglich. Pr: Dienstag und Freitag. 800 PI.
  • 1928 Schauburg-Lichtspiele, Hagener Straße 20, F: 861. Gr: 1918, H. 700 I: Schauburg Iserlohn G. m. b. H Hagener Straße 20 Gf: W. Grebe
  • 1929 Schauburg-Lichtspiele, Hagener Straße 20, F: 861, Gr: 1917, H. V, S 860 I: Schauburg Iserlohn G. m. b. H ebenda Gf: W. Giebe
  • 1930 Schauburg-Lichtspiele, Hagener Straße 20, F: 861, Gr: 1917, H, V, S 560 I: Schauburg Iserlohn G. m. b. H., ebenda Gf: W. Giebe
  • 1931 Schauburg-Lichtspiele. Hagener Straße 20, F: 861, Gr: 1910, täglich, H, R, V, S, B: 9X9 m, T-F: Gaumont 560 I: Schauburg Iserlohn G. m. b. H., ebenda Gf: Willy Giebe
  • 1932 Schauburg-Lichtspiele, Hagener Straße 20, F: 3861, Gr: 1910, täglich. H, R, V, S, B: 9X9 m. T-F: Gaumont 560 I: Schauburg Iserlohn G. m. b. H., ebenda Gf: Willy Giebe
  • 1933 Schauburg-Lichtspiele. Hagener Straße 20, F: 3861, Gr: 1910, täglich, H, R. V, S, B: 9X9 m, T-F: Gaumont 560 I: Schauburg Iserlohn G. m. b. H., ebenda Gf: Willy Giebe
  • 1934 Schauburg-Lichtspiele, Hagener Straße 20, F: 3861, Gr: 1910, täglich, H, R, V, S, B: 9X9 m, T-F: Gaumont 560 I: Schauburg Iserlohn G. m. b. H., ebenda Gf: Willy Giebe
  • 1935
  • 1937
  • 1938 Schauburg-Lichtspiele. Hagener Straße 20. F: 3861, Gr: 1918, täglich, H, B: 9X9 m 860 I: Konrad Bartelsen, Hagen, Mittelstraße 6
  • 1939
  • 1940 Schauburg-Lichtspiele, Hagener Straße 20, F: 3861, Gr: 1918, B: 9X9 m, H 865/tgl. I: Konrad Bartelsen, Gerichtstraße 7
  • 1941 Schauburg-Lichtspiele, Hagener Straße 20, F: 3861 Gr- 1918 H, V, S, B: 8X8X8,50 m 865/tgl. I: Konrad Bartelsen, Gerichtstraße 7, F: 4665
  • 1949 Schauburg-Lichtspiele Hagener Str. 20, Tel. 4812. Inh.: Willy Giebe, Iserlohn, Hagener Straße 18. Mit Dia 7 Tage Pl. 864
  • 1950 Schauburg-Lichtspiele Hagenerstr. 20, Tel. 4812, I: Willy Giebe, Iserlohn, Hagenerstr, 20 864 Pl. 7 Tg., Dia
  • 1952 Schauburg-Lichtspiele Hagenerstr. 20, Tel. 4 812, I. u. Gf. I Willy Giebe, Hagenerstr. 18. Pl: 864, 7 Tg., Dia.
  • 1953 Schauburg-Lichtspiele (beschlagnahmt) Hagener Str. 20, Tel. 48 12, I. u. Gf. Willy Giebe PL 864, 7 Tg., Dia
  • 1955 Schauburg-Lichtspiele (beschlagnahmt) Hagener Str. 20, Tel. 48 12, I. u. Gf. Willy Giebe, Hagener Str. 18 PI. 864
  • 1956 Schauburg-Lichtspiele (beschlagnahmt) Hagener Str. 20, Tel: 4812, Postanschr: desgl., I: Willy Giebe, Priv.-Anschr: Hagener Str. 18 Pl: 864
  • 1956N Schauburg Hagener Str. 20 -Änd: Tel. 3861
  • 1957 Schauburg-Lichtspiele (beschlagnahmt) Hagener Str. 20, Tel: 3861, I: Iserlohner Lichtspiele Willy Giebe GmbH. PI: 864
  • 1958 Schauburg-Lichtspiele (beschlagnahmt) Hagener Str. 20, Tel: 3861, I: Iserlohner Lichtspiele Willy Giebe GmbH. PI: 864
  • 1959
  • 1960 Schauburg-Lichtspiele (beschlagnahmt) Hagener Str. 20, Tel: 3861, I: Willy Giebe. Pl: 864
  • 1961 Schauburg-Lichtspiele (beschlagnahmt) Hagener Str. 20, Tel: 3861, l: Willy Giebe. PI: 864, Lichtquelle: Becklicht
  • 1962 Schauburg-Lichtspiele (beschlagnahmt) Hagener Str. 20, Tel: 3861, I: Willy Gieb E. PI: 864, Lichtquelle: Becklicht
  • 1971

Weblinks