Königs Wusterhausen Capitol, Bahnhofshotel

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Geschichte

Postkarte 1964, Capitol
Postkarte 1970, Capitol
Postkarte 1979, Capitol
Postkarte 1976, Bahnhofshotel und dahinter das Capitol
Postkarte 1974, Mehrfachansichten

Das „Capitol“ in der Königs-Wusterhausener Bahnhofstraße wurde am 22. Oktober 1930 eröffnet. Der Berliner Hotelier Gustav Schulz hat es gebaut: Auch Königs Wusterhausen brauchte ein Kino - es war die Zeit als der Tonfilm die Kinowelt eroberte. Bald war das „Capitol“ nicht mehr aus der Bahnhofstraße wegzudenken, gehörte zu Königs Wusterhausen wie Schloss, Kreuzkirche und Bahnhof.

Doch im Jahr 2000 kam das Aus. Kurz vor dem 70. Geburtstag. Zu übermächtig schien die Konkurrenz. Doch der ehemaliger Filmvorführer und Theaterleiter des „CAPITOL” Wolfgang Jurk gab nicht auf. Gemeinsam mit Anne Teichmann erarbeitete er ein Konzept und plante - wie Kinofreunde sagen würden - ein Remake. Titel: „Zurück in die Zukunft“. Als Filmtheater und Kulturbühne sollte das „Capitol“ wiedereröffnet werden. Das ambitionierte Konzept sah vor, die gesamte Einrichtung dem Charme der 70er Jahre anzupassen und damit den unverwechselbaren Charakter des Hauses zu bewahren. Jurk und Teichmann wollten sich bewußt von den großen Filmpalästen der Umgebung abgrenzen: Es sollen Filme gezeigt werden, die sonst selten laufen: Originaltonfilme, Filmklassiker oder Musikfilme. Außerdem soll sich das Capitol als Kleinkunstbühne etablieren - mit Kabarett, Chansonabenden und Studiotheater.

Von dieser Idee waren viele begeistert. Auch der Bürgermeister: „Das Konzept von Wolfgang Jurk und Anne Teichmann ist überzeugend. Hier bietet sich die große Chance einer lebendigen Kulturstätte, die Cineasten und Kulturinteressierte gleichermaßen ansprechen wird. Außerdem wird es der Bahnhofstraße gut tun - ein weiterer Schritt zur Belebung der Innenstadt. Seit dem 17. Februar 2005 ist das "Capitol" wieder da - an alter Stelle mit neuem Konzept! aus: Stadt Koenigs Wusterhausen

Das „Capitol“ ist Königs Wusterhausens einziges Stadtkino. Fünf Jahre lang war das Filmtheater unweit des Bahnhofs dicht. Seit Februar 2005 zeigen Wolfgang Jurk und seine Freundin Anne Teichmann dort wieder Filme. Das Filmtheater ist ein kleines Schmuckstück mit einem lauschigen Foyer, prächtigen dunkelroten Stofftapeten an den Saalwänden und gemütlichen Kinosesseln. Jurk und Teichmann fassten ihren Plan im Herbst 2003. Um ein Haar wäre die Wiedereröffnung bereits gescheitert, bevor sie richtig in Gang kam. Rund 50 000 Euro benötigte das Paar als Startkapital. Beide waren arbeitslos, die Sparkasse alles andere als erpicht auf das Geschäft. Schließlich brachten die Königs Wusterhausener das nötige Eigenkapital auf. Privatleute und Firmenchefs spendeten Geld und boten ihre Hilfe beim Ausbau des Kinos an. Die Hausbesitzerin verzichtete einige Monate auf die Miete, ein Baumarkt schenkte ihnen den Fußbodenbelag fürs Foyer. Der Bürgermeister verwandte sich zudem bei der Bürgschaftsbank für die Kinobetreiber. Im Oktober 2004 stand das Darlehen.

An den Wänden hängen Poster von Marlene Dietrich, Heinz Rühmann und Hans Albers. Die Filmgeschichte reicht im „Capitol“ bis aufs Örtchen. Arnold Schwarzenegger und Marilyn Monroe weisen dort den Weg. Jurk und Teichmann mussten das gesamte Inventar neu anschaffen. Der frühere Betreiber hatte nach der Schließung im Jahr 2000 Stuhlreihen und Technik versetzt. Das Paar zimmerte eigenhändig den Tresen im Foyer, malerte die Balkonbrüstung, besorgte einen gebrauchten Projektor aus tschechischer Produktion, Baujahr 1978. Die Lampenschirme im Durchgang zum Kinosaal zeigen selbst gezeichnete Karikaturen von Charlie Chaplin und Dick und Doof. Pannen beim Umbau blieben nicht aus. Jurk und Teichmann vergriffen sich zunächst bei den Kinosesseln. Die Sitze hatten zu hohe Rückenlehnen, so dass die Zuschauer in den hinteren Reihen kaum etwas hätten sehen können. Die Eröffnung musste verschoben werden. Anne Teichmann trieb in einem pleite gegangenen Kino im Westharz dann doch noch die passende Bestuhlung auf.

Das „Capitol“ wird 75 in diesem Jahr. Das Foyer erinnert an alte Zeiten: Ein Original-Stuhl von 1930 steht dort und der Kassenautomat „Bajastu“, ein auf Hochglanz gewienerter Metallkasten aus den 50er Jahren. Die Zuschauer können sich mit DDR-Retroware wie „Pfeffi“ und „Zitro“ erfrischen, Bonbontabletten in Stangenform.

Jurk war schon einmal Chef des Hauses, von 1984 bis 2000. Mit Anfang 20 kam der gebürtige Potsdamer nach Königs Wusterhausen. Die Kinoleiter in der DDR mussten Improvisationstalente sein. Häufig teilten sie sich die begehrtesten Filme. „Wir sind nach der Vorstellung mit unserer Rolle in die S-Bahn, an der nächsten Station wartete schon der Kollege“, erzählt Jurk. Wende und D-Mark brachten eine wirtschaftlich harte Zeit. Das „Capitol“ hielt sich mit Gewaltfilmen und Softpornos über Wasser. Neue Eigentümer steckten viel Geld in das Kino. Im Frühjahr 2000 war dennoch Schluss. Im Nachbarort hatte ein Multiplex aufgemacht. Die Zuschauer liefen in Scharen zur Konkurrenz über.

Zu DDR-Zeiten war mehr als ein Dutzend Leute im „Capitol“ beschäftigt – Ticketverkäufer, Filmvorführer, Kartenabreißerin, Platzanweiser, Putzfrau. Alle Posten waren doppelt besetzt. Im Jahr 2000 hatte das Filmtheater gerade noch drei Mitarbeiter. Die beiden Kinobetreiber wären heute wohl froh, wenn sie eine zusätzliche Arbeitskraft einstellen könnten. Doch das gibt das Budget nicht her. Getränke und Popcorn einkaufen, mit den Verleihern verhandeln, Ticketverkauf, Saubermachen – alles geschieht in Eigenregie. aus: Quelle: Märkische Allgemeine, k.A., 09.04.2005

Adresse

"Capitol" Filmtheater & Kulturbühne
Bahnhofstraße 16
15711 Königs Wusterhausen
Tel: 03375-469777

Weblinks

offizielle Webpräsenz des "Capitol"

Kinodaten

Inhaber: Wolfgang Jurk

  • 1924 Lichtspiele Bahnhofshotel, Inh: Gustav Schulz, 250 Plätze
  • 1925 Lichtspiele Bahnhofshotel, Bahnhofstr. 16, F: 16, unbestimmt, Gr; 1923, 500 Plätze, Inh: Gustav Schult
  • 1928 Lichtspiele Bahnhofshotel, Bahnhofstraße 16, F: 16, Gr: 1920, Sonntags, 500 Plätze, Inh: Gustav Schulz, Pächter: F. Dux, Storkow, Mark
  • 1930 Lichtspiele Bahnhofshotel, Bahnhofstraße 16, F: 16, Gr: 1920, Donnerstags und Freitags, 500 Plätze, Inh: Gustav Schulz, P: F. Dux, Storkow (Mark)
  • 1931 Lichtspiele Bahnhofshotel, Bahnhofstraße 16, F: 16, Gr: 1920, 2-3 Tage, Kap: 2-3 M, 500 Plätze, Inh: Gustav Schulz, F. Dux
  • 1932 Capitol Lichtspiele, Bahnhofshotel, Bahnhofstraße 16, Gründung 1920, 2-3 Tage, T-F: Klangfilm, 500 Plätze, Inhaber: Gustav Schulz, F. Dux
  • 1933 Capitol Lichtspiele, Bahnhofshotel, Bahnhofstraße 16, Gründung 1920, 2-3 Tage, T-F: Klangfilm, 500 Plätze, Inhaber: Gustav Schulz, F. Dux
  • 1934 Capitol-Lichtspiele, Bahnhofstr. 16, Gründung 1920, 4-7 Tage, Bühne: 3x4m, Kap: Mech. Musik, T-F: Klangfilm, 450 Plätze, Inhaber: Fritz Dux, Storkow (Mark)
  • 1935 Capitol, 450 Plätze
  • 1937 Capitol-Lichtspiele, Bahnhofstr. 16, Gründung 1920, 6-7 Tage, Bühne: 3x4m, 450 Plätze, Inhaber: Therese Schulz
  • 1938 Capitol Lichtspiele, Bahnhofstr. 16, Gr: 1920, 6-7 Tage, Bühne: 3x4m, 450 Plätze, Inh: Therese Schulz, F: 2016
  • 1940 Capitol-Lichtspiele, Bahnhoftraße 16, F: 2015, Gr: 1920, Bühne: 3x4m, 450 Plätze, täglich, Inh: Therese Schulz
  • 1941 Capitol-Lichtspiele, Bahnhofstraße 16, Gründung 1920, Bühne: 3x4m, 450 Plätze, täglich, Inhaber: Therese Schulz
  • 1949 Capitol-Lichtspiele, Bahnhofstraße 16, 421 Plätze
  • 1950 Capitol, Bahnhofstr. 16, 395 Plätze
  • 1991 Capitol, Bahnhofstr. 16, 259 Plätze
  • 1991 Capitol, 255 Plätze, Königs Wusterhausen, Bahnhofstr. 16, Inh. Märkische Kino-Union GmbH i.A.
  • 1992 Capitol, 255 Plätze, Königs Wusterhausen, Bahnhofstr. 16, Tel. 03375/3773, Inh. Fuchs GmbH & Co. Filmtheater KG Potsdam, Leipziger Straße 60, 1561 Potsdam, Tel. 0331/334061
  • 1993 Capitol, 255 Plätze, 15711 Königs Wusterhausen, Bahnhofstr. 16, Tel. 03375/3773, Inh: Fuchs GmbH & Co. Filmtheater KG, 14473 Potsdam, Leipziger Str. 60
  • 1995 Capitol (PRK), 250 Pl. 15711 Königs Wusterhausen, Bahnhofstr. 16 Tel.: 03375/294410 Inh.: Andreas Schaffner, 13587 Berlin, Schlehenweg 1
  • 1997 Capitol, A DO 240 Plätze, 15711 Königs Wusterhausen, Bahnhofstr. 16, Tel: 03375/294410 Inh.: Andreas Schaffner 13587 Berlin, Schlehenweg 12