Königslutter am Elm Kammerlichtspiele

Aus Kinowiki
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Ansicht 1932
Zustand 1935
Zustand 1936 nach Renovierung
Zustand 1955
Saal 2009
Foyer 2009
Eingang 2009
Fassade 2015
Foyer 2015
Gang 2015
Kasse 2015

Geschichte

Conrad Riedel betrieb seit 1914 mit seinem Bruder ein Filmtheater in der ehemals deutschen (nun polnischen) Stadt Haynau. Vermutlich weil er sich beruflich und gesellschaftlich weiterentwickeln wollte, zog es ihn mit seiner kleinen Tochter Ruth und seiner Ehefrau gen Westen, um dort wiederum ein Kino zu eröffnen. Bald fand sich mit dem "Deutschen Haus (vormals "Deutscher Kaiser)" in Königslutter ein geeignetes Objekt, welches er aufgrund seiner damalig noch nicht erworbenen Volljährigkeit (er hatte das 21. Lebenjahr noch nicht vollendet) nur mit Unterschrift seiner älteren Schwester erwerben konnte. Aufgrund persönlicher Differenzen mit der lutteraner Bevölkerung (sie sollen sehr stur gewesen sein), verließ er Königslutter gen Schweinfurt, kam nach kurzer Zeit jedoch auf Bitten des Königslutteraner Rates wieder zurück. Das "Deutsche Haus" war seinerzeit ein Hotel und Gaststättenbetrieb und wurde vor Riedel bereits seit ca. 1912 von B.C. Schmidt als Kino, jedoch noch nicht wie in der jetzigen stationären Form, betrieben. Dank unseres Stadtarchives in Königslutter konnte die Geschichte des Hauses Braunschweiger Straße (vormals Braunschweiger Tor) mitsamt sämtlicher Baugenehmigungen und Baupläne seit 1893 zurückverfolgt werden. Die Neueröffnung der Kammer-Lichtspiele, damals noch unter Leitung von Schmidt, wurde mit dem Stummfilm "Der Totentanz" aus dem Jahre 1912 gefeiert werden. Auch eine Gastwirtschaft und Café namens "Wintergarten" wurde seit Anfang der 1910-er Jahre von Ludwig Berndt betrieben. Der 1895 erweiterte Saal in Obergeschoß war zu dieser Zeit einer der größten Veranstaltungsräume des Landes Braunschweig.

Nach dem Erwerb 1921 begann Riedel sogleich mit dem Ausbau des Hauses. Vorgesehen waren neben dem eigentlichen Kinobetrieb auch eine Gastwirtschaft, die durch Pachtbetrieb weitere Einnahmen generieren sollte. Nach Ausbau führte er ab 1924 den Kinobetrieb in den jetzt noch genutzten Räumlichkeiten.

Das Kino wurde die ersten Jahre im Tanzsaal des "Deutschen Haus" im ersten Stock als Provisorium geführt, da die Umbauarbeiten im Erdgeschoss einige Monate in Anspruch nahmen. Im Erdgeschoss befanden sich neben einem Clubraum (heute das Büro und Foyer) und einem kleinen Konzertsaal auch eine Kegelbahn (heute Wandelgang). Das "Deutsche Haus" wurde seit 1836 gern von durchreisenden Fuhrleuten als Auspann- und Gaststätte genutzt. Der eigentliche Kinosaal wurde teils in diesem Ausspann für Pferde- und Pferdefuhrwerke (Sperrsitz) und teils im Konzertsaal (Balkon) errichtet. Die Pferdetränke ist noch heute unter der Bühne erkennbar. Auch andere ursprüngliche bauliche Gegebenheiten der Vor-Kino-Ära sind noch heute zu erkennen (Aussparungen von Fenstern und Türen).

In der Anfangzeit bis zum Ende der Ära Stummfilm wurden, ebenso wie in den anderen Theatern, in den Kammerlichtspielen jegliche Filme von einem Pianisten musikalisch begleitet. "Die Kammerlichtspiele wurden allmählig auf den neuesten Stand der Kinotechnik gebracht. Die besten Vorführungsapparate wurden eingebaut und bereits am 17. September 1930 wurde hier erstmals ein Tonfilm "Liebeswalzer" der staunenden Mitwelt vorgeführt. Es war dieses wegen der hohen Kosten ein großes Wagnis, wenn man bedenkt, dass damals eine Tonfilmapparatur zirka 50000 RM kostete. Immer wieder wurden die Apparate verbessert und heute besitzt das Kino, wie die allergößten Lichtbildunternehmungen sagar zwei Vorführungsapparate, sodass eine ununterbrochene Vorführung der Tonfilme möglich ist." Quelle: Zeitungsbericht vom 29.03.1936 Die Geschäfte liefen bis zum Ausbruch des zweiten Weltkriegs sehr gut, denn das "Deutsche Haus" war zur damaligen Zeit einer der Anlaufpunkte in Königslutter. In den Kriegsjahren wurden viele Kinos politisch in Beschlag genommen, so auch die Kammerlichtspiele. Entsprechend wurden in dieser Zeit Stimmungs- und Propagandafilme sowie Wochenschauen gezeigt.

Nach Ende des Krieges, den Königslutter nahezu unbeschadet überstand, wurde das Kino, bzw. das Haus von den amerikanischen Soldaten als Lazarett und Unterkunft für Offiziere genutzt (später dann von britischen Einheiten). Zu dieser Zeit wurden viele amerikanische Kinofilme gezeigt, was das Heimweh der Soldaten sicherlich ein wenig minderte und das zwangsweise Zusammenleben mit Betreiber Riedel wesentlich vereinfachte.

Ende der 40er und nach dem Abzug der Amerikaner wurde der reguläre Spielbetrieb wieder aufgenommen und konnte, wie auch die Gaststätte, bis in die späten 50er Jahre sehr gute Geschäfte vorweisen. Die Zeiten des "Wirtschaftswunders" und die Suche nach Ablenkung und Unterhaltung resultierten in langen Warteschlangen und ausverkauften Vorstellungen.

Nachdem Conrad Riedel 1958 unerwartet im Alter von nur 61 Jahren starb, übernahm seine Tochter Ruth Pesenecker die alleinigen Geschäfte. Die 60er Jahre ließen jedoch bereits den Niedergang des althergebrachten Kinobetriebs erahnen. Das neue Medium Fernsehen und die zunehmende Mobilität der Bürger ließen den Umsatz in den folgenden Jahren merklich schwinden. Die goldenen Jahre mit ausverkauften Vostellungen waren nun auch in Königslutter endgültig vorbei. Bereits 1968 stellte die seit 1955 bestehende Filmbühne in der Marktstraße in Königslutter den Spielbetrieb ein. 1968 gab der Pächter aus Altersgründen den Gaststättenbetrieb im Stammhaus auf, der nun von der Familie Pesenecker bis Ende 1968 in Eigenregie weitergeführt wurde. Nach Scheidung des Ehepaars Pesenecker wurde der Gastwirtschaftsbetrieb ab 1969 wieder fremd geführt.

In den 80er Jahren übernahm dann der Sohn von Ruth Pesenecker, Joachim, die Geschäfte. Aufgrund seiner hauptberuflichen Tätigkeit als kaufmännischer Angestellter konnte das Kino als Nebenerwerb weitergeführt werden.

War die Bestuhlung, die Technik und die Inneneinrichtung des Kinos doch bereits sehr betagt (die letzte Renovierung lag über 30 Jahre zurück), entschloss sich Joachim Pesenecker 1997 zur "moderaten" Modernisierung zumindest des Vorführraums. So zogen ein Spulenturm, eine AV-Surround-Anlage sowie ein "neues" Lampenhaus mit Xenon-Brenner in die Kammerlichtspiele ein.

Wurde zuvor lediglich mit Analog-Lichtton und einer 50er Jahre Mono-Tonanlage gearbeitet, war dies nun ein kleiner Quantensprung. Ein Jahr später, 1998, wurde endlich auch der Kinosaal runderneuert. Neue Bestuhlung, Bespannung und Vorhang ließen die Kammerlichtspiele nun in neuem "altem" Glanz erstrahlen, was sich zunehmend auch in der Zuschauerresonanz widerspiegelte.

Seit dieser Zeit werden kontinuierlich Verbesserungen im Kino durchgeführt, je nachdem wie es die Zeit und die finanziellen Mittel erlauben.

2009 konnte erstmals, einer günstigen Gelegenheit geschuldet, eine Digitaltonanlage erworben und installiert werden. 2012 folgte dann mit dem derzeit besten auf dem Markt erhältlichen, volldigitalen DATASAT AP20-Tonprozessor der endgültige Abschied von der herkömmlichen Analogtechnik. Von nun an können auch in Königslutter Filme in klanglich bestmöglicher Qualität (3-Wege aktiv) abgespielt werden, was der Analogton leider nicht immer gewährleisten konnte. Somit können die Kammerlichtspiele den von den Besuchern zu recht erwarteten technischen Standard im Zeitalter hochwertigster Heimkinoanlagen bieten. Dazu kommen neben freundlichem Service auch bezahlbare Preise.

Ab Ende August 2011 hielt endlich auch das digitale Projektionszeitalter in den Kammerlichtspielen einzug. Natürlich auch mit zeitgemäßem 3D.

Und unser Engagement in unser Kino geht weiter..., und hört auch nie auf. Die Konkurrenz schläft nicht :-)

Im Jahre 2013 haben wir den Kinogang und den Kassenraum renoviert, die Fassade wurde neu gestrichen und hat ein neues Aussentransparent erhalten, unsere Kinoeingangstür wurde im Dezember 2012 eingebaut. Toiletten wurden 2015 renoviert. Für 2017 sind die Erneuerung des Bodens im Sperrsitz sowie die Neugestaltung des "Süßwarenstands" geplant.

Kinodaten

  • Gründung: 1921
  • 246 Klappsitze in drei Platzkategorien (Sperrsitz, Saalplatz und Balkon),
    ab 1970 164 Sitzplätze
    ab 1998 132 Sitzplätze (Grammer Harrison)
  • Bildwandgröße: 17m²
  • Raumgröße: ca. 110m²
  • Renovierung: 1932, 1952, 1964 und 1998, 2009, 2010, 2011, 2012, 2013, ... to be continued
  • Filmtechnik: Ernemann 7b Filmprojektor, umgerüstet auf Spulenturmbetrieb.
    ehemals: Ernemann 7B mit Rotlichtabtastung und Kohlebetrieb für Programmvorschau und Überblendbetrieb
    Ernemann 7B mit Rotlichtbetrieb, Dolby Cat.699 Digital-, sowie dts-Abtastung
  • Tontechnik: Dolby Digital und dts (35mm), Digitalton via Doremi an state-of-the-art-Kinoprozessor DATASAT AP20 Digitaltonprozessor (PCM, dts HD Master Audio 7.1)mit einer theoretischen Gesamtleistung von 10.500 Watt
  • Frontsysteme per Tripple-Amping und digitalen Aktivweichen Behringer DCX2496 auf 3-Weg-Aktiv, sowie 2 x 18 Sound 18NLW9600 aktiv angesteuert
  • Verstärkertechnik: 1 x Yamaha P7000S sowie 2x T-Amp 2400, 2x T-Amp S75 für die Fronts, 4x T-Amp TA600 und 2 x QSC 900 für die Surrounds, 1 x T.Amp Proline 3000 für die Subs
  • Lautsprecher: 3x JBL 4670D (modifiziert um Co-Axial-Hochtöner BMS 4590, Hörner JBL 2360A,und 6 x 15" Tieftöner 18Sound 15LW1200), 2015 umgebaut auf 3,5-Weg Aktivsystem mit Doppelkammer-Limmerhorn und aktiver Entzerrung, 8x Surrounds JBL 8333, 2x JBL 8330A, 3 Subwoofer mit je 1x Highend-Chassis 18Sound 18NLW9600 sowie JBL 2242H.
  • Christie Digitalprojektor CP 2210 mit 3D-System auf Harkness Silberleinwand ca. 6m x 2,70m
  • Doremi 2k4 Digitalserver
  • Spielzeiten: Täglich außer dienstags 1 bis 3 Vorstellungen

Weblinks