Mainz Thalia-Theater

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Geschichte

Mainz. Vom Café de Paris zum Cinéma de Paris. Als unsere Stadt unter französischer Herrschaft noch die Hauptstadt des Département de la tonnère war, plante Napoleon am Ende der Rue de l'empereur, heute Ludwigstrasse, einen der grössten Plätze des Kontinents anzulegen. Auf der einen Seite sollte das Munizipaltheater, auf der anderen Seite ein Gutenbergdenkmal zu stehen kommen. Beide wurden zwar errichtet, aber mit dem Platze ging es wie mit vielen anderen napoleonischen Plänen: statt einer der grössten Plätze der Welt wurde er einer der kleinsten der Stadt. Als eine Art Entschädigung wurde dann - vor über 100 Jahren etwas Nagelneues — ein Café nach französi¬schem Muster errichtet, wo man im Sommer im Freien vor den Türen sitzen und seinen Mokka schlürfen konnte — das Cafe de Paris. Seine ganze Bauart zeigte den echt französischen Charakter des Empire, und viele französische Provinzialstädte besitzen noch heute derartige Lokale. Das Cafe de Paris wurde denn auch ihr Sammelpunkt der französischen Offiziere und abends konnte man dort sogar den Präfekten, den citoyen maire und andere Grössen sitzen sehen. Als Mainz später Bundesfestung wurde, änderte sich das Bild, österreichische und preussische Offiziere spielten hier Billard; auch General Fürst Esterhazy und der Prinz-Gouverneur von Holstein erschienen bisweilen mit ihren Damen. In den 60er Jahren sass hier manche Stunde Richard Wagner und wartete auf den alten Schott, der ihn aus seinen Geldnöten befreien sollte. Dann kamen wieder französische Offiziere, aber diesmal nicht als Herren und Sieger, sondern als Gefangene, indessen ihren Absinth im Cafe de Paris liessen sie sich trotzalledem schmecken. Das letzte Drittel des vergangenen Jahrhunderts zeigte das Lokal als Hochburg des Karnevals; während in den unteren Räumen an den drei Lumpentagen die tollste Maskenfreiheit herrschte, tagte in den oberen Räumen das Komitee und suchte die Sekt Sorten aus, die auf der grossen Redoute zum Ausschank kommen sollten. Vor einigen Jahren wurde das alte historische Cafe niedergelegt und an dessen Stelle ein grosstädtisches Restaurant errichtet, aber das alte Glück hatte sich von ihm gewendet. Das Restaurant musste bald geschlossen werden, und heute hält in den hocheleganten Räumen, die selbst in den letzten Jahren noch viel Luxus gesehen haben, ein Kinematograph seinen Einzug. Ein Zeichen der Zeit! An die Stelle des Cafékonzerts die Unterhaltung durch Lichtspiele, neben dem prunkvollen neuen Stadttheater ein ebenso moderner Kino. Das bisherige Thaliatheater hat die Räume in Anspruch genommen, und sein durch seine Aehnlichkeit mit dem greisen Grafen Zeppelin, dem Held der neuesten Zeit, populärer Inhaber genannt "Lord Pfeffermünz", wird in seiner die Illusion des Naturspiels vom Doppelgänger unterstreichenden Luftschifferuniform die Honneurs machen zum „Cinéma de Paris". Und dann, wenn der Zufall es will, werden vielleicht alle die Gestalten noch einmal in den Räumen lebendig, die dort verkehrt, wird vielleicht sogar Napoleon dort erscheinen und vom veränderten Geschmack der Jahrhunderte Kenntnis nehmen, der seine Pläne wandelte. Vom Cafe de Paris zum Cinéma de Paris. Der Kinematograph 197/1910

Kinodaten

  • 1917 Thalia-Theater, Gutenbergplatz 3/5. F.-A.: Mainz 113. T.-A.: Thalia-Theater. Inh.: Carl Wetzel, Fuststr. 17, III. F.-A.: Mainz 113. V.: Frau Therese Wetzel. Pl: 220. E.-Pr.: 0,25—0,65. von 0,35—1,20 M. Kinder und Militär. W.: verschieden. P.-W.: Di., S. Sp.-T.: t.
  • 1920 Thalia-Theater, Gutenbergpl. 3-5 — Fspr. 113 Gegr. 1908 (Sp. tägl.) 250 Plätze Karl Wetzet, Gutenbergplatz 3-5
  • 1932 Thalia-Theater, Gutenbergplatz 3/5, F: Gutenberg 113, Gr: 1910, täglich, R, T-F: Klangfilm 250 I: Otto Meyer, Rheinallee 109, F: Münsterplatz 31623
  • 1937 Thalia-Theater, Gutenbergplatz 3/5, F: 42113, Gr: 1908, täglich 231 I: Franz Geier, Untere Weisenauer Straße 3,1