Max Adler

Aus Kinowiki
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Max Adler (Adler-Lichtspiele, Wiesbaden-Biebrich) verstarb am 23. Januar. Ein Gallenleiden, dessen Symptome erst zwei Wochen zuvor auftraten, war die Todesursache. Herr Adler stand im 63. Lebensjahr. Das Jubiläum der 40jährigen Arbeit in der Theaterbranche, demnächst akut, konnte er nicht mehr feiern. In Oelsnitz im Vogtland, unweit seiner Heimatstadt Mühlhausen, begann die Laufbahn. 1935 besaß Herr Adler 13 Theater in Mitteldeutschland; er führte den Verband Südwest-Sachsen. Nach dem Kriege mußte er einen Prozeß und vierwöchige Haft durchstehen. Eine ungerechtfertigte Anklage und Verurteilung war den Russen Vorwand, um die Enteignung zu legitimieren. Freunde verhalfen Herrn Adler zur Flucht nach Berlin und Wiesbaden, wo er die Adler-Lichtspiele neu gründete und im November 1948 eröffnete. — Die Inhaberin Susanne Schuberth hat die Geschäftsleitung dem Neffen des Verstorbenen, Herrn Hans Sandner, übertragen, der das Haus im Sinne Max Adlers weiterführen wird. Der neue Film 8/1953

Am 23. Januar 2013 hat sich der Todestag des Oelsnitzer Filmtheaterbesitzers Max Adler zum 60. Mal gejährt. Mitte der 1930er Jahre besaß er 13 Lichtspielhäuser in Südwestsachsen. Geboren am 5. April 1890, kam er 1914 aus Mühlhausen bei Bad Elster nach Oelsnitz. Am 10. Mai 1914 übernahm er von Richard Gustav Ronneberger das „Union-Theater“ als „ersten Oelsnitzer Kino-Salon am Markt“ (heute Gebäude der Volksbank). Kino gab es in Oelsnitz seit 1909. Mit dem Sensations-Drama „Die Detektivin“ eröffnete Adler sein Haus. Doch es blieb nicht beim „Union“, welches er 1922 in den ehemaligen „Stadtkeller“ an der heutigen Dr.-Friedrichs-Straße verlegte und vor allem im Winter als Adler-Lichtspiele noch betrieb – er erwarb auch von Walter Bäß das zweite Oelsnitzer Kino, das „Central-Theater“ an der Oberen Kirchstraße. Beide Häuser bildeten die Keimzelle der Adler-Lichtspiele in Sachsen. 1930 stellte Adler in Oelsnitz von Stumm- auf Tonfilm um – erster Streifen der neuen Generation war am 2. April „Die Nacht gehört uns“. Bereits nach dem Ersten Weltkrieg begann Adlers Expansion. Bedeutend war Auerbach, wo er 1920 den Tanzsaal der ehemaligen Gaststätte „Auerbacher Centralhalle“ übernahm und zum Kino umbaute. 1937 folgte als Neubau in Auerbach das große Lichtspielhaus mit 930 Plätzen an der Göltzschtalstraße, heute als Rekord-Lichtspiele in Betrieb. Weitere Lichtspielhäuser folgten, so je zwei in Meerane und Crimmitschau, in Glauchau und Lauter. In Aue kaufte Adler 1932 die vorhandenen Kinos an der Bahnhofstraße und Wettiner Straße. Ersteres wurde umgebaut, das zweite geschlossen. Als Ersatz entstand 1938 ein neuer zweigeschossiger Bau mit 1047 Plätzen. Auch in Oelsnitz reichten die beiden Kinos den Erfordernissen des erfolgreichen Unternehmers in den 1930er Jahren nicht mehr aus. So entstand 1939 an der damaligen Straße der SA zwischen den Häusern Krake und Schmidt/ Seifert ein modernes Lichtspielhaus nach dem Entwurf des Plauener Architekten Willi Zeh. Am 2. September 1939 eröffnete das Haus mit 747 Plätzen, großem Programm und dem Eröffnungsfilm „Eine rauschende Ballnacht“. Kurz zuvor hatte Adler das Kino im „Stadtkeller“ geschlossen, Anfang Februar 1940 traf dies auch das bisherige Stammhaus an der Oberen Kirchstraße. Bis Februar 1945 hielt Adler die neuen Adler-Lichtspiele offen, nach Kriegsende pachtete die Sali GmbH (Sozialistisches Antifaschistisches Lichtspieltheater) aus Leipzig die Adler-Lichtspiele mit dem Ziel, „Forcierung und Propagierung sowjetischer Filme ganz besonders pflegen“. Max Adler wurde im Entnazifizierungsverfahren als „Belasteter“ eingestuft, gegen ihn wurde prozessiert und er saß vier Wochen in Haft. Freunde halfen dem Vogtländer zur Flucht nach Berlin und später Wiesbaden, wo der Lichtspielhausbesitzer die Adler-Lichtspiele im Vorort Biebrich im November 1948 neu eröffnete. 1949 wurde Adler in Abwesenheit in der Sowjetischen Besatzungszone zu acht Monaten Gefängnis verurteilt und sein Besitz enteignet. Anfang 1953 starb Max Adler im Alter von 62 Jahren an einem akuten Gallenleiden in Wiesbaden. Das Kino in der Biebricher Rheinstraße führte sein Neffe Hans Sandner weiter. Das Filmmuseum Potsdam besitzt Dokumente aus Adlers Tätigkeit in den Jahren 1938 bis 1953, unter anderem persönliche Dokumente zur Enteignung nach 1945. (R.H.) Stadtanzeiger Oelsnitz/V. 02/2013