Merkur-Lichtspiele Arnstadt

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Merkur-Lichtspiele Arnstadt 2010.jpg

Geschichte

  • Zu Beginn 1927 trat der Inhaber des „Lichtspielhauses an der Weiße“, Herr Johannes Mohr, mit einem größeren Kinoprojekt an die Öffentlichkeit. Er begann in der Bahnhofstraße, neben dem „BC“, ein neues Lichtspielhaus zu errichten. Mit den Erdarbeiten wurde im Mai 1927 begonnen. Im Oktober 1927 konnte das neuzeitlich ausgestattete Filmtheater in der Bahnhofstraße 32 fertiggestellt werden. Besitzer und Direktor, Johannes Mohr, der schon 25 Jahre im Dienst der Kinemathographie stand, nannte es IMA-Lichtspiele, „IMA“ steht für „Johannes Mohr Arnstadt (Das J aber als „I“ geschrieben). Die Leitung dieses neuen Lichtspielhauses übernahm der Eigentümer Johannes Mohr selbst.
  • Architekt des Bauwerkes war Ernst Flemming aus Weimar. Der Bau war 35 Meter tief und 15 Meter lang, seine Höhe betrug etwa 18 Meter. Auf der Vorderfront war neben der großen Freitreppe, die in das Innere des Lichtspielhauses führte, ein Laden und ein Café vorgebaut. Das Gebäude selbst enthielt noch in seinen oberen Stockwerken drei Wohnungen. Schritt man die Freitreppe hoch, so kam man durch den Haupteingang in die Kassenhalle, an die sich ein geschmackvoll ausgestattetes Vestibül anschloss. Dort befanden sich die Zugänge nach dem Zuschauerraum und den Logen. Eine breite Treppe führte hinauf zu dem Vestibül für die Ränge. Oben und unten stießen an das Vestibül Garderoben und Toiletten. Das eigentliche Lichtspieltheater war ein Massivbau mit Raumkonstruktion aus Eisenbeton. Die Decke bestand ebenfalls aus Eisenkonstruktionen mit Holzverkleidung (mit Rücksicht auf die Akustik). Der Zuschauerraum war 18 Meter lang, 15 Meter breit und 10 Meter hoch. Er umfasste etwa 800 Plätze (ca. 500 unten und ca. 300 in den halbmondförmig geschweiften Rängen).
  • Eröffnet wurden die IMA-Lichtspiele am Freitag, dem 28.10.1927.
  • Das Unternehmen des Johannes Mohr wurde ein Opfer der Weltwirtschaftskrise. Mohr verlor das Gebäude an ein großkapitalistisches Unternehmen. Die Besitzergreifung durch diese Grundstücksverwertungsgesellschaft hatte eine Namensänderung zur Folge, ab September 1928 hieß das Kino „Merkur-Lichtspiele“. (...) Im Handelsregister war die Firma unter A Nr. 1104 als „Merkur Arnstädter Lichtspiele Selve Flemming Stoltze Götze in Arnstadt“ zu finden. Die Leitung des Unternehmens lag in den Händen eines bewährten Fachmannes, des Herrn Paul Götze aus Weimar, dem dort drei Lichtspielhäuser unterstanden hatten. (...)
  • Der Gesellschafter der Firma „Merkur, Grundstückserwerbs- und Betriebs-Gesellschaft m.b.H.“, Georg Stoltze, war am 2.11.1938 infolge Ablebens aus der Gesellschaft ausgeschieden. An seine Stelle trat seine Erbin Frau Angelika Stoltze geb. Hesse aus Erfurt. (...)
  • Am 6.2.1945 wurden die „Merkur-Lichtspiele“ bei einem anglo-amerikanischen Bombenangriff stark in Mitleidenschaft gezogen und mussten vorübergehend geschlossen werden. Nach langer, jedoch vollständiger Renovierung öffnete das „Filmtheater Merkur“ am Dienstag, dem 21.1.1958, seine Pforten. Die Filmleinwand hatte nunmehr eine Breite von 11 Metern. Die Anlage war auf das neue Filmwiedergabeverfahren „Totalvision“ und „Cinemascope“ umgestellt worden. Das „Filmtheater Merkur“ galt nach dem Umbau als eines der schönsten Lichtspieltheater des Bezirkes Erfurt. Den ersten Film mit Raumtonwiedergabe konnten die Arnstädter am Freitag, dem 10.4.1959, erleben. Im Filmtheater Merkur“ lief der Streifen „Ilja Muromez“ im 4-Kanal-Magnettonsystem. Außer den 3 Bühnenlautsprechern, wurden die Besucher von den 18 Effektlautsprechern überrascht, die für besondere Geräuscheffekte, zum Beispiel Donnergrollen, sorgten. Ende der 60er Jahre kam wieder ein neues, sehr aufwendiges Verfahren auf, welches die Bild- und Tonqualität erheblich verbesserte, der 70-mm-Film mit 6-Kanal-Magnetton. Den ersten von der DEFA hergestellten 70-mm-Farbfilm „Hauptmann Florian von der Mühle“, u. a. mit Manfred Krug, konnten die Arnstädter am 22.8.1969 im Filmtheater Merkur sehen. Im Jahre 1992 hatte Arnstadt nur noch ein Kino, das „Filmtheater Merkur“. Dieses Filmtheater wurde von der Treuhandanstalt an die Ufa-Vertriebsgesellschaft mit Sitz in Düsseldorf verkauft. Die Ufa Düsseldorf, nun Eigentümerin des Arnstädter Filmtheaters „Merkur“, bekräftigte Ende Mai 1992, dass sie nicht vorhabe, das Kino zu schließen und wisse auch nicht, wer dieses Gerücht in die Welt gesetzt habe. Dies äußerte Rudolf Reulbach, Abteilung Revision und Betriebsorganisation der Ufa, auf Anfrage der TA. Drei Jahre später fand in dem letzten und einzigen Arnstädter Kino, im „Filmtheater Merkur“, am Sonnabend, dem 18.3.1995, die letzte Filmvorführung statt. Gezeigt wurde der Streifen „Cinema Paradiso“. Die zwei letzten und einzigen Mitarbeiter des Kinos, Frau Helma Großmann und Hans-Joachim Gäng hatten ihre Kündigungen per 30.6.1995 bereits in der Tasche."

Quelle: Klaus Reinhold, Chronik Arnstadt

Am 24.02.2010 schließlich vollzog sich das unwiderrufliche Ende des "Merkurs". Gegen 9:00 Uhr morgens erklang über Arnstadt die Feuersirene. Aus bislang ungeklärter Ursache stand das gesamte Gebäude in Flammen, Nachbarn hatten die Rauschschwaden bemerkt und Einsatzkräfte alarmiert. Zu retten war allerdings nichts mehr. Feuer im Kino, Bericht der Thüringer Allgemeinen Zeitung

Im Februar 2014 begann der Abriss des Kinosaales, zuvor hatte der jetzige Eigentümer, ein Erfurter Spezialbau-Betrieb, die Immobilie von der Ufa gekauft. Aus dem Vorderhaus soll wieder ein Wohnhaus werden. [1]

Kinodaten

  • 1928 „Ima" Lichtspiele, Bahnhofstraße 32, Gr: 1927, täglich, 750 Plätze, Inh: Johannes Mohr, Weiße 1e, F: 625
  • 1929 Merkur-Lichtspiele, Bahnhofstraße 32, Gr: 1927, täglich, 750 Plätze, Inh: Merkur-Grundstücks-Erwerbs- und Betriebsgesellschaft mbH, Weimar, Erfurter Straße 25, F: 1708 Gf: Paul Götze
  • 1930 Merkur-Lichtspiele, Bahnhofstraße 32, F: 625, Gr: 1928, täglich, 700 Plätze, Inh: Merkur-Grundstücks-Erwerbs- und Betriebsgesellschaft mbH, Weimar, Frauentorstraße 3 II, F: 1708 Gf: Paul Götze
  • 1931 Merkur-Lichtspiele, Bahnhofstraße 32, F: 625, Gr: 1927, täglich, Bühne: 5x8 m, Kap: 6 M, 700 Plätze, Inh: Merkur-Grundsfücks-Erwerbs- u. Betriebsgesellschaft mbH, Weimar, F: 1708 Gf: Paul Götze. Arnstadt, Bahnhofstraße 32
  • 1932 Merkur-Lichtspiele, Bahnhofstraße 32, F: 625, Gr: 1927, täglich, Bühne: 5x8 m, Kap: Mech. Musik, T-F: Ja, 700 Plätze, Inh: Merkur-Grundstücks-Erwerbs-u. Betriebsgesellschaft mbH, Weimar, F: 1708 Gf: Paul Götze. Arnstadt, Bahnhofstraße 32, F: 625
  • 1933 Merkur-Lichtspiele, Bahnhofstraße 32, F: 625, Gr; 1927, täglich, Bühne: 5x8 m, Kap: Mech. Musik, T-F: Klangfilm, 700 Plätze, Inh: Merkur-Grundstücks-Erwerbs-u. Betriebsgesellschaft mbH, Weimar, F: 1708 Gf: Paul Götze, Arnstadt, Bahnhofstraße 32, F: 625
  • 1934 Merkur-Lichtspiele, Bahnhofstraße 32, F: 625, Gr: 1927, täglich, Bühne: 5x8 m, Kap: Mech. Musik, T-F: Klangfilm, 700 Plätze, Inh: Merkur-Grundstücks-Erwerbs-u. Betriebsgesellschaft mbH, Weimar, F.1708 Gf: Paul Götze. Arnstadt, Bahnhofstraße 32, F: 625
  • 1937 Merkur-Lichtspiele, Bahnhofstraße 32, F: 625, Gr: 1927, täglich, Bühne: 5x8 m, 700 Plätze, Inh: Merkur-Grundstücks-Erwerbs-u. Betriebsgesellschaft mbH, Weimar, F: 1708 Gf: Paul Götze und Ernst Flemming, Arnstadt, Bahnhofstraße 32, F: 625
  • 1938 Merkur-Lichtspiele, Horst-Wessel-Straße 32, F: 2675, Gr: 1927, täglich, Bühne: 5x8 m, 700 Plätze, Inh: Merkur-Arnstädter Lichtspieltheater o. HG., ebenda Gf: P. Götze, E. Flemming
  • 1939 Merkur-Lichtspiele, Horst-Wessel-Str. 32, F: 2675, Gr: 1927, Bühne: 5x8 m, Inh: Merkur, Arnstädter Lichtspieltheater o. HG., ebenda, Gf: P. Götze, E. Flemming, 700 Plätze, täglich
  • 1940 Merkur-Lichtspiele, Horst-Wessel-Slraße 32, F: 2675, Gr: 1927, Bühne: 5x8 m, 690 Plätze, täglich, Inh: Merkur, Arnstädter Lichtspieltheater o. HG., ebenda, Gf: P. Götze, E. Flemming
  • 1941 Merkur-Lichtspiele, Horst-Wessel-Straße 32, F: 2675, Gr: 1927, Bühne: 7.36x3 m, 600 Plätze, täglich, Inh: Merkur Arustädter Lichtspieltheater, Selve, Flemming, Stoltze, Götze. OHG., ebenda, Gf: Paul Götze
  • 1949 Merkur-Lichtspiele, 690 Plätze
  • 1950 Merkur-Lichtspiele, 690 Plätze
  • 1988 Arnstadt, Filmtheater Merkur, Bahnhofstr. 32, Tel: 2995
  • 1991 Merkur, 649 Plätze, Arnstadt, Bahnhofstr. 32, Inh. Filmtheater Betriebs GmbH
  • 1992 Merkur, 649 Plätze, Arnstadt, Bahnhofstr. 32, Inh. Ufa-Theater AG, Postfach 80 29, Graf-Adolf-Str. 96, 4000 Düsseldorf
  • 1993 Merkur, 649 Plätze, 99310 Arnstadt, Bahnhofstr. 32, Inh: Ufa-Theater AG, 40210 Düsseldorf, Graf-Adolf-Str.96
  • 1995 Merkur, 649 Pl. 99310 Arnstadt, Bahnhofstr. 32, Tel: 03628/2955, Inh: UFA-Theater AG, 40210 Düsseldorf, Graf-Adolf-Str. 96

Weblinks

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