Moers Grafschafter-Theater

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Anscht bei der Eröffnung 1908

Geschichte

  • Das Grafschaftertheater in Moers. Die häufig primitive Ausstattung eines ständigen Kinotheaters hat bei vielen Bestiehern die Ansicht wachgerufen, diese neueste Kunstdarbietung und Volksunterhaltungsstätten sind doch nur vorübergehende Erscheinungen. Es ist jedoch andrerseits erwiesen, dass Räumlichkeiten, die schon mannigfachen Zwecken dienten, erst rentabel wurden, als man sich entschloss, diese für Kinematographische Theater einzurichten. Allmählich hat sich auch der Geschmack in der Ausstattung verfeinert, wenn wir auch noch nicht die Prunk-Kino-Theater aufzuweisen haben, wie sie das Ausland besitzt. Aber auch diese werden nicht mehr lange auf sich warten lassen. Das erste wird sogar in den ersten Tagen des März eröffnet werden. Es ist jedenfalls mit Freuden zu begrüssen, wenn Unternehmer den Mut haben, ein Theater lebender Photographien in grossartigstem Stile, unter Aufwendung enormer Unkosten und unter Verzieht auf bequemere Gründungsgelegenheiten von Grund auf neu nach künstlerischen Plänen bauen lassen. In der althistorischen Hauptstadt der Grafschaft Moers an Niederrhein, welches in den letzten Jahren einen gewaltigen Aufschwung auf wirtschaftlichem Gebiete zu verzeichnen hat, liegt an der Haupt Verkehrsader nach Homberg zu der prachtvolle Neubau, zu dessen äusserer Ausstattung die letzten Arbeiten im Gange sind. Die ganze Auffassung des Gebäudes ist eine höchst eigenartige. Auf den ersten Blick sieht man sofort seine Bestimmung. Schwere, paarig recht« und links vorn Eingang verteilte Postamente tragen mächtige mit farbigen Lasursteinen verzierte Säulen, bekrönt von wuchtigen Vasen. Über dem Portal befindet sich das in machtvoller Auffassung von 2 Löwen gehaltene Wappen der Grafschaft Moers. Das Mittelfeld wird durch 2 zierliche Pfeiler in 3 Rauten gegliedert, die in wundervoller Bleiverglasung die Musik und den Tanz allegorisch dargestellt zeigen. Diese Pfeiler sind der Stützpunkt eines gegliederten Aufbaues. Den Abschluss in der Mitte bilden vier Gestalten in Höhe von fast 3 m, in klassischer Gewandung Schiller, Goethe, Beethoven und Wagner darstellend. Rechts und links zwischen den Hauptsäulen sind wieder hohe Fenster in Opalescentglas, mit stilvollen modernen Ornamenten geschmückt, eingelassen. Sämtliche Fenster sind von innen heraus elektrisch beleuchtet und ist der Eindruck in Verbindung mit den grossen Bogenlampen draussen sowie der Deckenbeleuchtung des Einganges ein geradezu feenhafter. Treten wir durch das Portal, welches wieder von mit Lasursteinen verzierten Säulen flankiert ist, so stehen wir in einer Vorhalle, die ein Meisterwerk der Tischlerkunst bildet. Die Kasse, die Wände, das Bureau des Direktors, sowie die grossen Pendeltüren — rechts Eingang, links Ausgang des Saales — alles ist in Natureiche gehalten. Die violett getönte Kassettendecke strahlt in zahlreichen elektrischen Glühbirnen. Der Boden in Terrazzo zeigt hübsch stilisierte, dem Ganzen angepasste Motive, 10 Stufen führen in den eigentlichen Theaterraum. Der Saal ist in ein vornehmes Rot gekleidet. Eine vollständige, 6 m hohe Bühne mit stilvoller Dekoration nimmt den Vordergrund ein. Für die Ausfüllung der Pausen, sowie zur Begleitung der dramatischen Bilder ist künstlerische Klaviermusik gewählt. Zirka 500 Klappsitze, teilweise gepolstert, sind so ungeordnet, jeder Besucher vollständig die Bildfläche übersehen kann An den Wänden entlang führen die Gänge zu bequemen Notausgängen, sodass nicht, wie man es so oft antrifft, die beste Aussicht auf das Bild in der Mitte des Saales durch einen Gang in Anspruch genommen wird. Der Projektionsraum ist nach technischen Grundsätzen angelegt. In seiner Nähe befindet sich eine luxuriös ausgestattete Privatloge Die Messters-Gaumont - Apparate bürgen für vorzügliche Bilder und Tonwiedergaben. Die Ventilation des Saales wird durch vorzügliche Patentoberlichtöffner hergestellt. Der Keller ist eingeteilt in Maschinenraum. Kohlenkeller und Heizraum. Ein Zwillingsmotor von 30 PS., sowie eine Dynamomaschine bilden die Ausstattung des Maschinenraumes. Der Heizraum enthält den Kessel für die Zentralheizung. Erbauer des Grafsehafter-Theaters sind die Architekten Kunz & Brenhans, Moers. Mit der Ausarbeitung der gesamten technischen Anlage sowie mit der Bauleitung war Architekt Julius Stachelhausen, Moers, betraut. Die Schwierigkeiten, die bei einem solchen Objekt das Zusammenarbeiten der verschiedensten Faktoren naturgemäss bietet, sind hier ausgezeichnet gelöst worden und wollen wir hoffen, dass ein solcher Aufwand von Unternehmungsgeist von entsprechendem Erfolge gekrönt sein möge. Der Kinematograph 61/1908
  • Das Grafschafter-Theater in Moers wurde am 12. ds. eröffnet. Der Kinematograph 64/1908
  • Das Grafschafter Theater in Moers. In Ergänzung der von uns in No. 61 gebrachten Mitteilungen über dieses neue Unternehmen gehen uns von der Baufirma noch folgende Notizen zu: Die Entwürfe des Theaters wurden von dem Architekt Breuhaus i. F. B. D. A. Kunz Breuhaus angefertigt und der Bau auch von ebendersen Firma geleitet. Der in dem letzten Artikel als Bauleiter erwähnte Architekt Stachelhausen war während der Bauzeit Angestellter der Firma Kunz & Breuhaus und als Bauführer auf der Baustelle bis zur halben Fertigstellung des Rohbaus. Diese Arbeiten wurden von dem Unternehmer Beckmann aus Mülheim an der Ruhr, die Schreinerarbeiten von der Industrie für Holzverwertung Essen. die Eisenarbeiten von Theodor Detrois. Moers, geliefert. Die Bildhauerarbeiten stammen aus dem Atelier des Bildhauers Gottfried Deihle, Düsseldorf-Rath und die Kunst verglasungen wurden von Hauswald, Düsseldorf, angefertigt. Der Kinematograph 63/1908
  • Die 770 Besucher fassendien „Grafschafter-Lichtspiele" in Moers/Rhld., Inhaber Carl Frankholz, wurden in diesen Tagen mit neuen kinotechnischen Apparaturen ausgestattet. Zur Aufstellung gelangten zwei „Zeiss-Ikon"-Bidtonmaschinen der Type Ernemann X. davon eine mit Dia-Anhängelampen/haus mit Panzerlampe. Als Tonanlage kam eine Klangfilm-Gestell-Verstänkeranlage Type ML mit der großen Lautsprecherkombination zur Aulstellung. Die Anlage kann durch einen einfachen Handgriff sofort auf die vorhandene Reseve-Tonanlage mit eigener Lautsprecherkombintion umgeschaltet werden. Lieferung und Montage: „Rheinkipho", Ing. Julius Pletsch, Düsseldorf. Der neue Film 57/1952
  • Eines der ältesten Lichtspieltheater des Bezirks, die Grafschafter-Lichtspiele in Moers (Inh. Carl Frankholz, Moers), werden zum Saisonbeiginn nach Anbau einer modernen Bühnenanlage mit Schnürboden und großem Orchesterraum,. die für alle Arten von Bühnendarbietungen geeignet ist, und durch Erweiterung des Zuschauerraums auf 994 Plätze zu den modernsten Anlagen des Bezirks gehören. Der Einbau einer Panorama-Bildwand von 12 m x 5,50 m gestattet die Vorführung aller z. Z. gebräuchlichen Bildformate. An 16 Tagen im Jahr steht dieses Haus der Städt. Kulturgemeinde zur Aufführung von Bühnenwerken zur Verfügung, so daß Moers damit über ein eigenes Stadttheater verfügt. Nach Abschluß der Kaufverhandlungen zwischen der Stadtverwaltung und dem Besitzer der Grafschafter-Lichtspiele. Herrn Carl Frankholz, wird zusätzlich im Mittelpunkt der Stadt Moers ein neues Lichtspielhaus mit 750 Plätzen errichtet, dem ein dreigeschossiges Wohnhaus mit Laden-lokal und neun modernein Wohnungen angegliedert ist. Die Bauarbeiten für dieses Haus werden in den nächsten Tagen beginnen, und man rechnet mit seiner Eröffnung noch im Laufe des Herbstes. Der neue Film 60/1954
  • Carl Frankholz läßt seine Grafschafter Lichtspiele einer großzügigen Umgestaltung unterziehen. Neben dem Einbau eines Eisernen Vorhanges sind weitere bauliche Veränderungen vorgesehen, die künftig größere Bühnenveranstaltungen ermöglichen sollen. Der neue Film 86/1959

Weblinks

allekinos.com

Kinodaten

  • 1920 Grafschafter-Theater, Hamburger Straße 19 (Sp. tägl. außer Freitag) 320 Plätze Heinrich Justus, Hopfenstr. 8
  • 1934 Grafschafter Theater, Homberger Straße 20, F: 382. Gr: 1903, täglich, R, T-F: Kinoton 400 I: Carl Frankholz, ebenda
  • 1950 Hombergerstr. 20, Tel. 2382, I: Carl Frankholz, Moers, Hombergerstr. 20, Gf: Hans Mill, Moers, Beethovenstr. 12 770 Pl. 7 Tg,, 3 V., Dia; App.: Ernemann IV, Vst.: Klangfilm-Europa I, Str.: D. 220/380 Volt; Bühne 9x5,5x6,6, Th. ja