Schöneberg Tauentzien-Palast (Cinema am Tauentzien)

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Geschichte

Das ehemalige Verwaltungsgebäude als Ellington-Hotel

Das Cinema am Tauentzien (später auch "Tauentzien-Palast" genannt) befand sich in der Nürnberger Straße 50-52 und hat im eigentlichen Sinne nichts mit dem kriegszerstörten Tauentzien-Palast in der Tauentzienstr. 19 zu tun. Das Gebäude in der Nürnberger Straße 50-55 wurde 1928-1932 nach Plänen der Architekten Richard Bielenberg und Josef Moser errichtet. Nach dem Krieg wurde dieses Haus auch Tauentzien-Palast genannt, wohl in Erinnerung an das zerstörte Gebäude, welches sich unweit entfernt befand. Heute nutzt das Ellington-Hotel das denkmalgeschützte Gebäude.

1929 wurde in einem zweigeschossigen Ballhaus im Quergebäude das Hauses (nach hinten hinaus) die "Femina" ("Das Ballhaus Berlins") mit 2000 Plätzen im Ballsaal 1. OG eröffnet. Im Erdgeschoss unter dem Ballsaal befand sich ein Cafe. Das Ballhaus wurde im Krieg schwer beschädigt. Im Erdgeschoss eröffnete 1946 nach Reparaturen ein Kabarett Ulenspiegel, der Ballsaal im 1. OG wurde ab 1948 zum Kino umgebaut. 1958 bis 1973 [1] wurde er zur Spielstätte des privat finanzierten "Berliner Theaters". 1973 wurde der ehemalige Ballsaal zur Kantine der Berliner Finanzverwaltung umgebaut, die das Vorderhaus als Bürohaus nutzte.

Im Kabarett im Erdgeschoss des Ballsaales betrieb Kurt Tuntsch 1952 kurzzeitig ein Kino, welches er "Guckkasten" nannte. Kurt Tuntsch war bis 1952 Geschäftsführer der Filmbühne Wien. Er betrieb auch das Kabarett-Theater "Nürnberger Trichter" im ehemaligen Ulenspiegel, war im Juni 1953 jedoch insolvent. [2] (Andere berichten auch, dass er mit Schulden geflüchtet sein soll [3] und Geld veruntreut habe. [4]) Er wurde 1954 verhaftet und verurteilt.

Verwunderlich ist, dass der Eintrag "Tauentzien-Palast" unter Lichtspieltheater im Telefonbuch bis 1972 weiter geführt wurde. Vermutlich gab es neben der Theaternutzung weiterhin Filmvorführungen im Saal.


  • „Guckkasten" im „Nürnberger Trichter". Kurt Tuntsch, Direktor der Filmbühne Wien am Kurfürstendamm, Gründer des größten Freilichtkinos der Welt in der Waldbühne und Initiator des führenden Berliner Kabaretts „Nürnberger Trichter", hat im Hause des „Trichters" wieder ein Lichtspieltheater eingerichtet. Es soll am 1. September als eine Art „Wunsch-Kino" jeweils eine Woche lang ältere und alte vom Publikum verlangte Filme spielen. Drei Nachmittagsvorstellungen wird es in diesem „Guckkasten" geben, abends haben die Kabarettisten das Wort. Ein „Wunschbuch" für das Publikum liegt aus. Mit dem „Doppelten Lottchen" eröffnet der „Guckkasten". Es folgen u. a.: „Glöckner von Notre Dame", „Film ohne Titel", „Frauenarzt Dr. Prätorius", „Rhapsodie in Blau". Der neue Film 63/1952
  • Am 27. August eröffnen die Ernst Wolff-Lichtspieltheaterbetriebe in Berlin den ehemaligen Nürnberger Trichter unter dem neuen Namen Tauentzien-Palast als. Uraufführungstheater. Der Tauentzien-Palast ist in allen Räumen völlig umgestaltet worden. Dieser durchgreifende Umbau war notwendig, weil in dem früheren Lichtspieltheater der Bildwerferraum hinter der Leinwand lag, und das Bild durch Spiegel auf die Leinwand geworfen werden mußte. Der neue Bildwerferraum, der sich nunmehr, wie üblich, vor der Leinwand 'befindet, wurde mit den modernisten Apparaturen ausgestaittet. Neben der Vorführung auf Normalwand sind auch Breitwandvorführungen möglich. Der Zuschauerraum faßt 502 Plätze (gegenüber 560 vor dem Umbau). Die Innenarchitektur ist besonders reizvoll und schafft in dem intimen Raum auch lichttechnisch wirksame Effekte. Großer Wert wurde auf die Gestaltung der Fassade gelegt. Eine effektvolle Lichtreklame wird die Passanten schon von weitem auf das Theater hinweisen. Die Nürnberger Straße und; die angrenzenden Nebenstraßen bieten ausreichende Parkplätze. Wie die Ernst Wolff-Lichtspieltheaterbetriebe mitteilen, wird der Tauentzien-Palast mit dem meist umstrittenen Film dieses Jahres 'Rummelplatz der Liebe' eröffnet. Die RKO hat sich für die deutsche Uraufführung gerade dieses Theater ausgesucht, weil sie sich dort eine überdurchschnittliche Laufzeit des Films verspricht. Der Film-Verleihgesellschaft wurden 100 000,— DM Einnahme allein aus der Uraufführung garantiert. Das ist die höchste Garantie, die je in Deutschland für einen Film gezahlt wurde." Der neue Film 68/1954

Kinodaten

  • 1952 Cinema am Tauentzien -W 30, Nürnberger-Str. 50, Tel. 247863/64, P: Werner Mörschel, PI. 563, 7 Tg., 21 V., Dia., App. Ernemann VII B, Vst. Radio Büttner, Bühne 10x7x4, Th. ja.
  • 1953 kein Eintrag
  • 1955 Tauentzien-Palast (A)-W 30, Nürnberger Str. 50/52, Tel. 243377, Inh: Ernst Wolff, Gf: Günter Weikert, PI. 502, 7 Tg., 23 V., tön. Dia, App. Ernemann VII B, links u. rechts, Vst. Siemens Klangfilm, Th., O., Bühne 11x5x3,5
  • 1956 Tauentzien-Palast (A)-W 30, Nürnberger Str. 50/52, Tel. 243377, Inh: Ernst Wolff, Gf: Günter Weikert, Pl. 502, 7 Tg., 23 V., tön. Dia, App. Ernemann VII B, links u. rechts, Vst. Siemens Klangfilm, Th., O., Bühne 11x5x3,5
  • 1956N Tauentzien-Palast (A)-W 30, Nürnberger Str. 50/52 - Erloschen
  • 1961 Tauentzien-Palast, W 30, Nürnberger Str. 50-52, Tel. 243377 [5]
  • 1967 Tauentzien-Palast, B 30, Nürnberger Str. 50, Tel. 243377
  • 1969 Tauentzien-Palast, B 30, Nürnberger Str. 50, Tel. 243377 [6]

Weblinks