Schwetzingen Weltkinematograph

Aus Kinowiki
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Eröffnungsanzeige

Geschichte

Leonhard Metiger eröffnete das Kino am 10. Februar 1910 im Saale der Restauration "Zum Amtskeller" (ehem. Waldhorn). Bereits 1911/12 errichtete er ein eigenes Kino, das Neue Theater. Nach dessen Eröffnung wurde das Kinematograph-Theater wieder geschlossen.


50 Jahre Kino in Schwetzingen Im Jahre 1910 — als Leonhard Metzger einem Titl. Publikum von Schwetzingen und Umgebung ergebenst bekannt machte, daß er im Saale der Restauration „Zum Amtskeller" (früher „Waldhorn") einen „Welt-Kinematographen" eröffnet habe, gab es im benachbarten Mannheim erst zwei, in Heidelberg gar nur ein „Theater lebender Photographien", Eine Sehenswürdigkeit, die sonst nur die Großstadt bietet, war natürlich für Schwetzingen die große Attraktion. Nicht nur die Erwachsenen, die für 30—50 Pfennige in die „Flimmerkiste" eintreten konnten, sondern auch die Kinder jeder Altersklasse — vor 50 Jahren noch nicht unter Jugendschutzkontrolle — drängten sich zu den ununterbrochenen Vorstellungen, wobei namentlich die zu dem sagenhaften Eintrittspreis von 10, 15 und 20 Pfg. eingelassenen Jugendlichen jeden möglichen „Dreh" versuchten, um das „Monstre-Programm" von nicht weniger als 8 Filmen (dramatischen, humoristischen und lehrreichen Inhalts) möglichst zweimal, oder doch wenigstens anderthalbmal zu sehen. Daß man auf einfachen Holzbänken (ohne Lehne!) sitzen mußte, machte dem noch nicht verwöhnten Publikum gar nichts aus, zumal es bei den so beliebten wöchentlichen Volksvorstellungen nur einen Einheitspreis von 20 Pfennigen zu entrichten. Die Kinotechnik war zu jener Zeit noch nicht weit voran. Alle Filme mußten mit der Hand abgekurbelt werden, so daß die Bilder mal langsamer oder auch mal schneller abliefen. Als Lichtquelle diente Kalklicht, — eine Mischung von Acetylen und Sauerstoff. Aber schon im Juli 1910 konnte der Schwetzinger Kinematographen-Pionier, Leonhard Metzger ankündigen, daß nunmehr „elektrische Vorführungen" stattfinden. „Ich bin dadurch in der Lage, dasselbe zu leisten, was Großstädte bieten! Beachten Sie jede Woche mein neues Programm und überzeugen Sie sich selbst! Sie werden finden, daß es keine marktschreierischen Reklamen sind ... Woche um Woche drehte sich die Kinokurbel ... das Publikum bekam immer das (damals) Neueste zu sehen. „Die Explosion der Gasanstalt in Hamburg". — „Erster Versuch eines Flugmaschinenführers". — „Eine nordamerikanische Beutelrattenjagd". An Ostern 1910 hatte der „Welt-Kinematograph" ein Passionsspiel in 18 Fortsetzungen auf dem Spielplan stehen. Zwei Jahre nach dem guten Anfang siedelte L. Metzger vom „Amtskeller" in einen neuen Zweckbau in der Friedrichstraße Schwetzingens um — ins „Neue Theater", das sich seit seiner Eröffnung (1912) einer steten Beliebtheit erfreut, weil man es verstanden hat, immer mit der Zeit zu gehen. Von 1936 ab war es 17 Jahre an den kürzlich so tragisch verunglückten Kino-Unternehmer Josef Czerwek verpachtet. 1953 hat aber dann Fritz Metzger das väterliche Erbe wieder in Familien-Obhut genommen und den traditionsbeladenen „NT-Lichtspielen" durch zwischenzeitlichen Umbau, durch technische Modernisierung die Publikumsgunst bewahren können. Aus Anlaß der Jubiläumstage hat man auf Xenon-Betrieb umgestellt und Fritz Metzger bleibt weiter allseitig bemüht, den Erfolg der väterlichen Gründung auch im zweiten halben Jahrhundert fortzusetzen. Das Filmtheater 1-2/1960