Tiergarten Turmpalast, Ufa-Theater Turmstraße

Aus Kinowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Geschichte

Turm-Palast (2011)
Außenansicht 2008
Ufa-Theater Turmstraße um 1930
Außenansich mit Ufa-Logo und Eingang (1925)
Blick in den Saal (1925)
Blick in den Saal (1925)
Grundrisse (1925)

1922 legte Wilhelm Kratz das Projekt »Filmeck« mit 2158 Plätzen (1087 Parkett, 576 1. Rang, 500 2. Rang) vor, welches durch die »Filmeck-Moabit-G.m.b.H« in Auftrag gegeben worden war. Das Projekt wurde nicht verwirklicht. Ein gleiches Projekt unter dem Namen "Colosseum" scheiterte ebenfalls.

Im Frühjahr 1924 begann man mit dem Bau des Großkinos auf dem Gelände des Bier- und Konzertgartens der Schultheiß-Patzenhofer-Brauerei in der Turmstraße 26 Ecke Stromstraße unter der Bauleitung von Max Schwarze. Am 19. Februar 1925 wurde das Ufa-Theater Turmstraße in Berlin-Moabit eingeweiht. Fertiggestellt wurde das Lichtspieltheater durch Baurat Max Bischoff und den Architekten Fritz Wilms. Neben dem Kinosaal enthielt das Gebäude noch das "Cafe Vaterland".

Das Kino bestand in dieser Form bis 1944, der Kinosaal wurde während des Krieges jedoch komplett zerstört.

1952 eröffnete dann der Turm-Palast, der im ehemaligen "Cafe Vaterland" eingerichtet worden war. Dort bestand er bis zu seiner Schließung im Jahr 1974. Danach zog ein Aldi-Markt in das Haus und zuletzt ein Möbelmarkt. Im Mai/Juni 2015 begann der Abriss der letzten verbliebenen Gebäude, hier soll nun ein weiteres Einkaufszentrum mit Hotel im sogenannten "Schultheissquartier" entstehen. [1]


  • Der Turmpalast in Berlin-Moabit zeigt sich jetzt in völlig neuem Gewand. Die Zahl der Sitzplätze wurde von 678 auf 889 erhöht. Das Theater erhielt gleichzeitig eine moderne Raumtonanlage und eine 14 m Breitwand, die es ermöglicht, Filme in allen bekannten Breitwandsystemen vorzuführen. (aus Die Filmwoche 40/1955)

Architektur

Der ovale Kinosaal verfügte über eine Bühne, die auch für Gesangs- und Tanzvorführungen zu Verfügung stehen konnte. "Den Abschluß der Bühne zum Zuschauraum bildet ein in der Mitte teilbarer, seitlich verschiebbarer Vorhang, hinter dem sich die Projektionsfläche für die Lichtbilder mit schräg nach vorn vorgebogenem Rahmen in einer Größe von etwa 7x9 m befindet. Diese Bildwand kann, bevor die Bühnenaufführungen beginnen, in knapp 3 1/2 Sekunden in einem Schlitz zwischen Bühnenvorderwand und Decke, der gleichzeitig als Rauchabzugsschacht dient, emporgezogen werden." Vor der Bühne befand sich das Orchester für rd. 30 Mann, das nicht versenkt, sondern amphitheatralisch angeordnet war.

Dazu gehörte auch eine große, vom Orchester aus bedienbare, Oskalyorgel (Oskalyd-Orgel?), die rechts vor der Bühne in die verkleidete Wand eingebaut war. Der Organist des Theaters, Dr. Hans Luedtke, wurde als ihr Erfinder benannt. Die Kinoorgel wurde als Orchesterinstrument und auch für Klänge von Glockenläuten bis zu Donnern und Rollen des Gewitters genutzt, die die Filmvorführungen begleiten sollten. (Die Oskalyd-Orgeln (Oskalyd ist ein aus den Namen Oskar Walcker und Hans Luedkte zusammengesetzter Kunstbegriff) wurden von 1923 bis 1931 hergestellt. [2])

Die Ausschmückung des Vorführsaales war recht einfach erfolgt. Die Wände und Decken waren in zartem, lichtem Elfenbeinton gehalten mit Ausnahme des gewölbten weißen Deckenrundes, wegen der indirekten Beleuchtung derselben. Weitere Verzierungen waren in Silber gehalten. Die einzige farbige Note bildete das Lichtblau der Dekorationen, des Vorhanges und der Bezüge des Gestühls, das sich sogar bis auf die Kleider der Orchestermitglieder und Platzanweiserinnen erstreckte. Der Zuschauerraum konnte durch farbige Beleuchtung in weißes, blaues, rotes oder violettes Licht getaucht werden. Es wurde nur mit dimmbarem indirekten Licht gearbeitet, passend zur Darstellung auf der Filmwand konnten so Lichtstimmungen erzeugt werden. Der Saal wurde während der Vorstellung immer in einem matten Dämmerlicht gehalten, ohne die Bildwirkung auf der Filmwand zu stören, damit jeder Besucher ohne Belästigung durch die in den bisherigen Filmtheatern übliche Dunkelheit seinen Platz aufsuchen konnte. Der Zuschauerraum enthielt laut Zeichnungen im Parkett rund 1200, im Rang rund 500 Sitzplätze. Es waren letztendlich insgesamt 1594 Sitzplätze.

Der räumlich getrennte Bildwerferraum enthielt die Steuerung der Beleuchung und zwei der zu dieser Zeit modernsten Vorführmaschinen. So gab es auch eine Umschaltapparatur zum pausenlosen Vorführen der Filme und Feuchtluftkühler, die ein Explodieren des Filmstreifens vor der Objektivlinse verhindern sollten.

Vor dem Theaterraum lag das geräumige hell mattgelb gehaltene Parkettfoyer und das erdbeerrosafarbene Rangfoyer. Das Rangfoyer war gleichzeitig Erfrischungsraum und hatte bis zum Fußboden herabreichende Fenster. Die beiden Foyers dienten gleichzeitig als Warteraum für die Besucher vor Beginn der Vorstellung. Vom Rangfoyer war auch ein unmittelbarer Zugang zu dem neben dem Theater liegenden Café Vaterland „Turmstraße“ vorhanden. Vor dem Parkettfoyer lag die geräumige Kassenhalle mit 7 Eingangstüren. Von der Halle führten 2 Doppeleingänge in das dem Parkett vorgelagerte Foyer, sowie zwei Treppen rechts und links zu den Rangfoyers. In der Mitte lag die Kasse, auf der linken Seite ein für das Publikum bestimmter Raum, in dem im Vorverkauf gelöste Eintrittskarten oder Bestellungen bei einem während des ganzen Tages anwesenden Portier hinterlegt werden konnten. Außerdem war ein "Treffbuch" für Verabredungen und eine Telefonzelle vorhanden.

Die zum Teil recht harten Berliner Vorschriften für die Außenreklame verhinderten zu dieser Zeit, große Film-Dekorationen zu zeigen. Zur Bewerbung des Filmprogrammes diente daher ein großes dreiteiliges Eckschaufenster. Das runde dreiteilige Reklamefenster führte um die Ecke und so zur einfach gehaltenen Fassade in der Stromstraße weiter.

Beim Café Vaterland „Turmstraße“ handelte es sich um einen fast quadratischen Raum, in dem sich ebenfalls ein Ranggeschoß befand, dessen Brüstung sich in sanft geschwungener Form über drei Seiten hinzog, so daß die vierte, dem Eingang gegenüberliegende Wand, für die Orchesternische freiblieb. Eine Treppe innerhalb des Cafes führte an der linken Seite zum Balkon. Das Cafe verfügte insgesamt über ca. 800 Plätze.

  • Quellen: Deutsche Bauzeitung 1925 Nr. 73 & Nr. 74, 16. September 1925, Reg.-Baumeister Dr.-Ing. Alfred Wedemeyer
  • Architekten: Wilhelm Kratz (Entwurf 1922); Fritz Wilms (Neubau 1924); Max Bischoff (Baufortführung 1925)

Kinodaten

  • 1923 Colosseum, Brl.-NW-Moabit, Stromstraße, 1500 Plätze, Inh: Ufa-Theater-Betriebs GmbH
  • 1924 Ufa-Theater Turmstr., Berlin NW 21, Turmstr. Ecke Stromstr. Inh: Universum Film AG, Berlin
  • 1925 Ufa-Theater Turmstr., NW, Turmstraße 27, Ecke Stromstraße, F: Hansa 4883, Inh: Universum-Film AG, Berlin, Pl: 1594
  • 1927 Ufa-Theater Turmstraße, NW 21, Turmstraße, Ecke Stromstraße, F: Hansa 4883, Inh: Universum-Film AG, 1594 Plätze
  • 1928 Ufa-Theater Turmstraße, Berlin NW 21, Turmstr. 26, F: Hansa 4883, täglich, 1594 Plätze, Inh: „Ufa"-Theater-Betriebs-GmbH
  • 1929 Ufa-Theater Turmstraße, Berlin NW 21, Turmstraße 26, F: Hansa 4883, täglich, 1594 Plätze, Inh: „Ufa"-Theater-Betriebs-GmbH, Berlin
  • 1930 Ufa-Theater Turmstraße, Berlin NW 21, Turmstraße 26, F: Hansa 4883, täglich, 1594 Plätze, Inh: „Ufa"-Theater-Betriebs-GmbH, Berlin
  • 1931 Ufa-Theater Turmstraße, Berlin NW 21, Turmstraße 26, F: C5 Hansa 4883, täglich, T-F: Klangfilm, 1594 Plätze, Inh: „Ufa"-Theater-Betriebs-GmbH
  • 1932 Ufa-Theater Turmstraße, Berlin NW 21, Turmstraße 26, F: C5 Hansa 4883, täglich, T-F: Klangfilm, 1594 Plätze, Inh: „Ufa"-Theater-Betriebs-GmbH
  • 1933 Ufa-Theater Turmstraße, Berlin NW 21, Turmstraße 26, F: C5 Hansa 4883, täglich, T-F: Klangfilm, 1594 Plätze, Inh: „Ufa"-Theater-Betriebs-GmbH
  • 1934 Ufa-Theater Turmstraße, Berlin NW 21, Turmstraße 26, F: C5 Hansa 4883, täglich, T-F: Klangfilm, 1594 Plätze, Inh: „Ufa"-Theater-Betriebs-GmbH
  • 1937 Ufa-Theater Turmstraße, Berlin NW 21, Turmstraße 26, F: 354883, täglich, 1594 Plätze, Inh: „Ufa"-Theater-Betriebs-GmbH, Berlin
  • 1938 Ufa-Theater Turmstraße, Berlin NW 21, Turmstraße 26, F: 354883, täglich, 1594 Plätze, Inh: „Ufa"-Theater-Betriebs-GmbH, Berlin
  • 1939 Ufa-Theater Turmstraße, Berlin NW 21, Turmstr. 26, F: 354883, 1594 Plätze, täglich, Inh: „Ufa"-Theater-Betriebs-GmbH, Berlin
  • 1940 Ufa-Theater Turmstraße, Berlin NW 21, Turmstraße 26, F: 354883, 1594 Plätze, täglich, Inh: „Ufa"-Theater-Betriebs-GmbH, Berlin
  • 1941 Ufa-Theater Turmstraße, Berlin NW 21, Turmstraße 26, F: 354883, Gr: 1924, Bühne: 15x8m, 1540 Plätze, täglich, Inh: „Ufa"-Theater-Betriebs-GmbH, Gf: Waldemar Fritzenwallner
  • 1949-1952 kein Eintrag
  • 1953 Turm-Palast -NW 21, Turmstr. 26, Tel. 354048, Inh. u. Gf: Königsdörfer & Co., Pl. 678, 7 Tg., 21 V., tön. Dia, App. Ernemann VIIB, Vst. Uniphon, Bühne 9x5x6
  • 1955 Turm-Palast (B)-NW 21, Turmstr. 26, Tel. 354048, Inh. u. Gf: Königsdörfer & Co., PI. 678, 7 Tg., 21 V., tön. Dia, App. Ernemann VII B, Vst. Uniphon, Bühne 9x5x6
  • 1956 Turm-Palast (B)-NW 21, Turmstr. 26, Tel. 354048, Inh. u. Gf: Königsdörfer & Co., PL. 678, 7 Tg., 21 V., tön. Dia, App. Ernemann VII B, Vst. Uniphon, Bühne 9x5x6
  • 1956N Turm-Palast (B)-NW 21, Turmstr. 26 - Änd.: Pl. 884 - Erg: Bild- u. Tonsyst. Cinemascope, 4-Kanal-Magnetton u. 1-Kanal-Lichtton - Erg: Bildw.-Abm. 5,3x7,3,5,3x9,8, 5,3x13,5
  • 1957 Turm-Palast (B)-NW 21, Turmstr. 26, Tel: 354048, Inh: Walter Königsdorfer & Co. PI: 882, Best: Stüssel, teilw. Hochpolster, 7 Tg., 21 V., 1 Spät-, 1 Jugendvorst., tön. Dia, App: Ernemann VII B, Verst: Rhode & Schwarz, Bild- u. Tonsyst: CS 1 KL u. 4 KM, Gr.-Verh: 1:2,35, 1:2,55, Var
  • 1958 Turm-Palast (B)-NW 21, Turmstr. 26, Tel: 354048, Inh: Walter Königsdorfer & Co. PI: 882, Best: Stüssel, teilw. Hochpolster, 7 Tg., 21 V., 1 Spät-, 1 Jugendvorst., tön. Dia, App: Ernemann VII B, Verst: Rhode & Schwarz, Bild- u. Tonsyst: CS 1 KL u. 4 KM, Gr.-Verh: 1:2,35, 1:2,55, Var.
  • 1959 Turm-Palast (B)-NW 21, Turmstr. 26, Tel: 354048, Inh: Walter Königsdörfer & Co. Pl: 882, Best: Stüssel, teilw. Hochpolster, 7 Tg., 21 V., 1 Spät-, 1 Jug.-Vorst., tön. Dia, App: Ernemann VII B, Verst: Rohde & Schwarz, Bild- u. Tonsyst: CS 1 KL, 4 KM, Gr.-Verh: 1:2,55, Var.
  • 1960 Turm-Palast (B)-NW 21, Turmstr. 26, Tel: 354048, Inh: Walter Königsdörfer & Co. PI: 882, Best: Stüssel, teilw. Hochpolster, 7 Tg., 21 V., 1 Spät-, 1 Jug.-Vorst., tön. Dia, App: Ernemann VII B, Verst: Rohde & Schwarz, Bild- u. Tonsyst: CS 1 KL, 4 KM, Gr.-Verh: 1:2,55, Var.
  • 1961 Turm-Palast (B)-NW 21, Turmstr. 26, Tel: 354048, Inh: Königsdörer & Co., Bevollm: Otto Nikolaizik, PI: 882, Best: Stüssel, teilw. Hochpolster, 7 Tg., 21 V., 1 Spät-, 1 Juq.-Vorst., tön. Dia-Sc, App: Ernemann VII B, Lichtquelle: Becklicht, Verst: Rohde & Schwarz, Bild-u. Tonsyst: Sc, 1 KL, 4 KM, Gr.-Verh: 1:2,55, Var.
  • 1962 Turm-Palast (B)-NW 21, Turmstr. 26, Tel: 354048, Inh: Königsdörfer & Co., Bevollm: Otto Nikolaizik, Pl: 882, Best: Stüssel, teilw. Hochpolster, 7 Tg., 21 V., 1 Spät, 1 Jug.-Vorst., tön. Dia-Sc, App: Ernemann VII B, Lichtquelle: Becklicht, Verst: Rohde & Schwarz, Bild-u. Tonsyst: Sc, 1 KL, 4 KM, Gr.-Verh: 1:2,55, Var.

Weblinks