Zehdenick Alhambra-Lichtspiele

Aus Kinowiki
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Geschichte

Postkarte ca 1912, Neue Lichtspiele
  • Georg Kusche aus Zehdenick war der Erste, der hier ein Kinematographen-Theater errichten wollte. Er wollte in seinem Hause Dammhaststraße 45/Ecke Schmelzstraße dieses aufbauen lassen. Am 15. Februar 1912 beantragte Georg Kusche bei der Polizei-Verwaltung in Zehdenick den Bau eines Kinematographen-Theaters in seinem Hause Dammhaststraße 45. Die Baupolizei prüfte am 4.März 1912 durch den Zimmermeister W. Pflug den Antrag und hatte keine Einwendungen. – Bereits am 5. März 1912 wurde Herrn Kusche die Bauerlaubnis erteilt, die mit einigen Auflagen bezüglich des Brandschutzes im Apparateraum versehen waren.
  • Das Kino hatte zunächst 111 Holzklappsitze und hieß zu dieser Zeit „Pariser Lichtspiele“. Am 7.04.1912 um 5 Uhr nachmittags war große Eröffnung mit folgenden Filmen: 1. Verkauft (1.und 2.Teil) Sittendrama, Weltschlager 1000 m lang; 2.Bologna, Naturaufnahme; 3. Nauke mit dem Fußball, humoristisch; 4. Pflicht und Ehre, Drama; 5. Der unerfahrene Motorbootführer, humoristisch; 6. Vier Lebensschicksale, Komödie; 7. Die Brummfliege, humoristisch; 8. Ein kurzes Glück, Drama; 9. Die Waschfrau, humoristisch; 10.Leidenschaft, Drama, herrlich koloriert; 11. Der elektrische Orgelspieler, humoristisch.
  • Schon im September 1912 wurde das Kino durch einen Anbau erweitert. Es hatte nun 207 Sitzplätze und wurde als "Neue Lichtspiele" am 14.09.1912 eröffnet. 1918 erfolgte eine Renovierung, die darauffolgende Neueröffnung am 24.08.1918
  • Am 15.2.1920 verkaufte Georg Kusche sein Kinematographen-Theater nebst Grundstück an Gustav Blankenburg.
  • Infolge der Inflation schloß das Lichtspielhaus vom 6.11.1923-24.11.1923
  • Im November 1924 beschließt Gustav Blankenburg, ein neues und größeres Kino auf seinem Grundstück zu bauen. Der Entwurf und die Zeichnungen für den Bau stammten von dem Spezialarchitekten für Kinobauten Fritz Wilms aus Berlin. Es sollte 362 Plätze sowie 40 Logenplätze enthalten.
  • Am 12.5.1925 kündigt Blankenburg im „Zehdenicker Anzeiger“ die Abschiedsvorstellung in den „Neuen Lichtspielen“ im alten Saale an. Am Sonnabend darauf, 16.05.1925, fand dann die 1. offizielle Einweihungsvorstellung des neuen Filmpalastes „Alhambra“ statt.
  • Das neue Alhambra verfügte über 402 Sitzplätze inklusive 6 Logen an den Außenwänden mit je 8 Plätzen.
  • Blankenburg hatte Filialen in Falkenthal im Lokal des Herrn Gericke (1925), in Bergsdorf (1926)
  • 1928 baute Blankenburg einen Balkon mit weiteren 49 Plätzen in den Saal des Alhambra ein.
  • Am 27.02.1931 fand die Tonfilmpremiere im Alhambra statt, die Stummfilmzeit war vorbei.
  • 1938 wurden Renovierungen durchgeführt mit neuen Wandbespannungen aus Samt, ein neuer Kinovorhang und neue Kinoprojektoren wurden angeschafft.
  • 1941 starb Gustav Blankenburg, sein Sohn Franz Blankenburg übernahm den Kinobetrieb.
  • 1942 wurden Franz Blankenburg und sein Stiefbruder Robert Schütz, Filmvorführer, zum Krieg eingezogen. Nun wurde Charlotte, die Frau von Franz Blankenburg, Geschäftsführerin.
  • Im Juni 1945 wurden die Filmvorführungen wieder aufgenommen – man hatte noch Reservefilme. Drei Wochen danach wurden Blankenburgs enteignet. Franz Blankenburg blieb jedoch im Kino.
  • Im Frühjar 1946 fand im „Alhambra“ der Zusammenschluss der SPD mit der KPD zur SED statt. Durch Umfangreiche Werbung kamen viele Besucher ins KINO: Amüsieren und den Krieg vergessen. „Die Mörder sind unter uns“ und „Der Rat der Götter“ waren zwei der neuen DEFA-Produktionen.
  • Franz Blankenburg verstarb und sein Sohn Wolfgang übernahm das Alhambra. Die Filmrollen wurden damals noch direkt vom Progress-Filmverleih in Berlin abgeholt.
  • Bis August 1958 war das Kino im Besitz der Familie Blankenburg. Der VE-Lichtspielbetrieb Gransee übernahm anschließend das Kino.
  • 1959 wurden im „Alhambra“ Umbauten vorgenommen. Logen und der Balkon wurden entfernt, der Eingangsbereich bekam ein völlig neues Gesicht. In den 70er-Jahren sollte das Kino vorübergehend geschlossen werden, es musste ein neues Heizhaus gebaut werden. Aber auch danach kamen nicht mehr viele Kinobesucher.
  • 1989, mit Zusammenbruch der DDR, wurde das „Alhambra-Lichtspieltheater“ stillgelegt. Zehdenick hat nun seit langer Zeit, genau wie Gransee, kein Kino mehr.
  • 1990, im Herbst gab es die letzten Vorstellungen, dann schon zu D-Mark Preisen.
  • 1991 erfolgte die Beräumung des Kinos. Sitze und Filmtechnik wurden ausgebaut sowie die Gedenktafel zur Vereinigung der KPD und SPD zur SED entfernt.

Zur Sicherung des Objektes wurden Türen und Fenster mit Brettern vernagelt, wobei auch fast alle Scheiben zerstört wurden.

  • 2001 erwarb Ralph Riesenberg, welcher auf dem Nachbargrundstück ein Fahrradgeschäft betreibt, das Gebäude samt Grundstück vom Bundesvermögensamt. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Gebäudezustand stark verschlechtert. Vor allem Wasserschäden durch eine schadhafte Dacheindeckung und die zerstörten Fenster und Türen nagten an der Gebäudesubstanz.

In den Folgejahren wurden vom neuen Eigentümer, nach und nach Maßnahmen zu Bestandssicherung sowie erste Sanierungsmaßnahmen vorgenommen.

  • 2009 erfolgte eine grundhafte Dachsanierung, bei der auch eine Photovoltaikanlage auf der südwestlichen Dachseite montiert wurde.

Während die Dacharbeiten vom Eigentümer weitestgehend selbst ausgeführt wurden, erfolgte die Installation der Photovoltaikanlage durch die Zehdenicker Firma Elektro-Frank.

  • 2010, Beginn der Arbeiten zur grundhaften Sanierung und Umbau des ehemaligen Kinos zum Fahrradgeschäft. Dazu erfolgte der Teilabriss des ehemaligen Kinofoyers(welcher bereits zu DDR-Zeiten wegen Bauschäden gesperrt wurde). Dieser wird nun von einem neuen Anbau mit großzügigen Fensterflächen ersetzt.

Bei der Außen- als auch Innengestaltung werden Elemente aus der Gründungszeit des Kinos beibehalten bzw. wieder hergestellt. So wird der Eingangsbereich an die Gestaltung von 1925 mit Rundbogen, samt originalem Alhambra-Schriftzug, erinnern. Im Innenbereich wird unter anderem der 1928 eingebaute Balkon freigelegt und nutzbar gemacht. Auch wenn die Nutzung des ehemaligen Alhambra-Kinos sich ändern wird, soll die Erinnerung an Kinozeiten, welche auch der jetzige Eigentümer aus Kinder-und Jugendzeiten noch hegt, wachgehalten werden.

  • 2014 Nach 4 Jahren intensiver Sanierungs- und Umbauarbeiten durch den Eigentümer, erfolgte am 26. April 2014 die Neueröffnung des ehemaligen Kinos, als Fahrradgeschäft. Damit wurde dieses traditionsreiche Gebäude, nach fast 24 Jahren Leerstand, wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.

Die Gedenktafel zur Vereinigung der KPD und SPD zur SED, zwischen Dammhaststraße Nr. 49 und 50 (ehemaliges Kino „Alhambra“) ist in der Denkmalliste des Landes Brandenburg verzeichnet.

Quellen und Literatur zur Kinogeschichte von Zehdenick

Kinodaten

  • 1917 Neue Lichtspiele, Dammhaststr. 45, T.-A.: Kinokusche, Inhaber: Georg Kusche, Dammhaststr. 45, Vorführer: Der jeweilige, mit entsprechender Legitimation versehene Geschäftsführer, Plätze: 200, Eintrittspreise: 0,40-0,90 M, K.-A.: für den Stadtkreis Zehdenick, W.: Gemischtes Programm, Programmwechsel: So, Spieltage: So.
  • 1918 Neue Lichtspiele, Dammhaststr. 45, Fernsprecher: 266, 200 Plätze, Inh: Georg Kusche, Dammhaststr. 45
  • 1920 Neue Lichtspiele, Dammhaststr. 45, Fernsprecher 266, Gegr. 1912 (Sp. Sonnabend und Sonntag) 200 Plätze Inh: Gustav Blankenburg
  • 1924 Neue Lichtspiele, Inh: Gustav Blankenburg, Dammhaststr. 45, 180 Plätze
  • 1925 Neue Lichtspiele, Dammhaststraße 45, Gründung 1913, Sonnabend und Sonntag, 180 Plätze, Inhaber: Gustav Blankenburg
  • 1928 „Alhambra"-Lichtspieltheater, Dammhaststraße 45, F: 58, Gr: 1912, Sonnabend bis Montag, 402 Plätze, Inh: Gustav Blankenburg
  • 1930 „Alhambra"-Lichtspieltheater, Dammhaststraße 45, F: 58, Gr: 1925, täglich, 470 Plätze, Inh: Gust. Blankenburg
  • 1931 „Alhambra"-Lichtspieltheater, Dammhaststraße 45, F: 268, Gr: 1912, 3-4 Tage, Kap: 4 M, 432 Plätze, Inh: Gust. Blankenburg
  • 1932 „Alhambra"-Lichtspieltheater, Dammhaststraße 45, Gr: 1912, Winterhalbjahr täglich, Sommer 4 Tage, Kap: 2 M., Bühne: 30 qm, T-F: Lichtton, 432 Plätze, Inhaber: Gust. Blankenburg
  • 1933 „Alhambra"-Lichtspieltheater, Dammhaststraße 45, Gr: 1912, Winterhalbjahr täglich, Sommer 4 Tage, Kap: 2 M., Bühne: 30 qm, T-F: Kinoton, 432 Plätze, Inhaber: Gust. Blankenburg
  • 1934 „Alhambra"-Lichtspieltheater, Dammhaststraße 45, Gr: 1912, Winterhalbjahr täglich, Sommer 4 Tage, Bühne: 30 qm, Kap: Mech. Musik, T-F: Kinoton, 432 Plätze, Inhaber: Gust. Blankenburg
  • 1937 „Alhambra"-Lichtspieltheater, Dammhaststraße 45, Gr: 1925, Winterhalbjahr täglich, Sommer 4 Tage: Bühne: 30 qm, 426 Plätze, Inhaber: Gust. Blankenburg
  • 1938 "Alhambra"-Lichtspieltheater, Dammhaststraße 45, F: 268, Gr: 1925, Winterhalbjahr täglich, Sommer 5 Tage, Bühne: 30qm, 424 Plätze, Inh: Gust. Blankenburg, (Mst.: Gerswalde, Grüneberg, Marienthal, Zabelsdorf)
  • 1940 „Alhambra"-Lichtspieltheater, Dammhaststraße 45, Gr: 1925, Bühne: 30qm, 438 Plätze, täglich, Inh: Gust. Blankenburg, Mitspielorte: Gerswalde, Grüneberg
  • 1941 Alhambra-Lichtspieltheater, Dammhaststraße 45, Gr: 1925, 438 Plätze, täglich, Inh: Gustav Blankenburg, Mitspielorte: Gerswalde, Grüneberg/Nordbahn
  • 1949 Alhambra-Lichtspiele, Dammhaststraße 45, 438 Plätze
  • 1950 Alhambra-Lichtspiele, Dammhaststr. 45, 438 Plätze
  • 1991 Alhambra, Dammhaststr. 49, 200 Plätze
  • 1991 Filmtheater Alhambra, 210 Plätze, Zehdenick, Dammstr. 49, Inh. Märkische Kino-Union GmbH i.A.