Hohenmölsen Lichtspiele Hohenmölsen

Aus Kinowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Geschichte

1911 eröffnete Kinobesitzer Kuntze, Am Schießplatz (Franz-Spiller-Platz), ein in seinem Wohnhaus durch Umbau entstandenes Kino. Die Betriebsspannung für den "Kinematographenapparat" von 65 Volt Gleichstrom lieferte eine Dynamomaschine angetrieben von einem 5 PS-Benzolmotor mit magnetelektrischer Zündung. (0)

Mit Datum vom 22. April 1911 ging ein Schreiben an die Polizeiverwaltung der Stadt, unterschrieben von Hermann Kuntze und dem Maurermeister Hermann Nötzel aus Hohenmölsen: „Beschreibung zum Ausbau eines Wohnhauses für kinematograpische Vorführungen für Herrn Hermann Kuntze, Kinematographenbesitzer in Hohenmölsen, Schießplatz (Franz-Spiller-Platz) Nr. 4.“ Durch Herausnahme von zwei Schiedwänden entstand ein Raum von 11m Länge, 4m hinterer und 3,5m vorderer Breite. Durch Ausschachtung wurde die Raumhöhe an der Bildfläche auf 3,5m und hinten auf 3m gebracht. Ausgestattet wurde der Raum mit Kinoklappsitzen, im hinteren Bereich mit 4 Reihen zu je 6 Sitzen und in der Mitte mit 5 Reihen zu je 5 Sitzen, zusammen 49 Sitze. Vor und unterhalb der Bildfläche war Platz für das Orchester.

Die Inbetriebnahme erfolgt am 26. Juli 1911 und damit begann in Hohenmölsen ein neues Medienzeitalter.

1915 erfolgte der Anschluß der „Lichtspiele Hohenmölsen“ an das städtische E-Netz. Kino und Wohnung erhielten elektrische Beleuchtung. Der Verbrennungsmotor zur Gleichstromerzeugung wurd durch einen Drehstrommotor ersetzt. Um 1920 erfolgte zweimal ein Besitzerwechsel. 1920 war der Fotograph Walter Günther, Hohenmölsen, Besitzer des Kinos und 1922 ein Erich Kathe. Dieser hatte große Pläne und kündigte für 1923 den Bau eines neuen, größeren Kinos an. (1)

Am 29.12.1923 richtete Kathe ein Schreiben an den Magistrat der Stadt mit dem Gesuch „das wohl wenig nutzbringende Land“ zwischen Bahnhofstraße, Zeitzer Straße und Naumburger Weg zu erwerben, um darauf ein größeres Kino zu errichten, da sein jetziges am Schießplatz zu klein sei. Ausgelegt wurde im Bauantrag der Saal für 284 Sitze im Parterre und 54 Sitze auf dem Rang, zusammen 338 Sitze. Dieses Gesuch wurde 1924 nach Eingaben von Anwohnern und Ortsbegehung abgelehnt. (2)

Er stellte vier Tage später mit Schreiben vom 21.1.1924 den Antrag an den Magistrat, einen Bauplatz für ein Kino an der Ecke Lützener-(Friedens)-Straße/Oststraße zu erwerben mit dem Hinweis: „Der Bau soll in Kürze in Angriff genommen werden“. Der Kinosaal war diesmal projektiert für 390 Sitzplätze im Parterre, zwei mal 38 Sitze auf den Seitenrängen und 22 Plätze in der Loge. Das Kino entsprach den damals neuesten Standards, war jedoch noch mit einem Orchestergraben geplant, denn der Tonfilm war gerade erst erfunden worden. Das Aus kam am 28.10.1924 mit einem Schreiben, in dem Kathe selbst den Bau ablehnen musste: "Da ich infolge der schlechten Geldverhältnisse meinen Bauplan nicht ausführen kann, muß ich auch von dem städtischen Gelände Ecke Lützener-/Oststraße Abstand nehmen ... behalte mir aber vor, bei einigermaßen besseren Verhältnissen ein größeres Theater hier zu errichten. Ergebenst Lichtspiele Hohenmölsen, Erich Kathe" (3) Archivrecherche: Rolf Kirsten für das Amtsblatt Hohenmölsen

Aus den zwei Katheschen Kinoprojekten war nichts geworden, es blieb bei dem kleinen Kino am Schützenplatz. (Fr.-Spiller-Pl.) und Kathe gab das Kinogeschäft auf. Das Kino erwarb die Familie Paul und Ida Enke, welche aus Zeitz zugezogen war. Für das steigende Filminterresse des Publikums wurde das Kino am Schützenplatz zu klein und man verlegte den Spielbetrieb bei „großen Filmen“ in das gegenüberliegende Schützenhaus (Volkshaus), welches bei Filmvorführungen 267 Sitzplätze bot. 1932 erfolgte eine Vergrößerung des Zuschauerraumes auf 139 Sitzplätze im Schützenplatzkino. Im Jahr 1934 verstarb Paul Enke und seine Frau führte das Kinogeschäft allein weiter. 1936 konnte Frau Enke im Zuge einer Versteigerung infolge Insolvenz das Gesamtobjekt „Zum Preussischen Hof“ erwerben. Das Kino am Schützenplatz wurde von 1932 an als „Zweitbühne“ neben dem Preußischen Hof genutzt, verlor aber zusehends an Bedeutung. 1945 hatten sich nach Zeitzeugen die Amerikaner darin einquartiert, danach wurden darin Wohnungen eingerichtet. Auch gewerblich wurde das Haus zeitweise genutzt. Später war viele Jahre die Verkehrspolizei darin untergebracht. In der Wendezeit erfolgte dann der Abriß des Hauses und 1993 der Bau eines Wohn- und Geschäftshauses an gleicher Stelle. (4)

Am mittlerweile umbenannten Schützenplatz, heute Franz-Spiller-Platz 5, befindet sich das Volkshaus Hohenmölsen. [1]

Quellen:

Kinodaten

  • 1918 Kinematographisches Schauspielhaus, Schießplatz 4, 135 Plätze, Inhaber: Hermann Kuntze, Schießplatz 4, Gegr. 1911
  • 1920 Lichtspiele Hohenmölsen, Schießplatz 4, Gegründet 1912 (Sp. Mi, Sa, So, Do) 140 Plätze, Inhaber: Walter Günther, Weißenfelserstraße 26
  • 1921 Lichtspiele Hohenmölsen, Schießplatz 4, F: 367, H. (Dienstag, Mittwoch, Sonnabend, Sonntag) 130 Plätze, Inh: E. Käthe, Hohenmölsen, Lützener Str. 33, F: 367, und R. Riebenstahl, Zeitz, Wendische Straße 14, F: 673
  • 1924 Lichtspiele Hohenmölsen, Schützenplatz 4, Inh: Erich Käthe, 130 Plätze
  • 1925 Lichtspiele Hohenmölsen, Schießplatz 4, F: 367, Dienstag, Mittwoch, Sonnabend, Sonntag, Gründung 1910, 130 Plätze, Inhaber: E. Käthe, Hohenmölsen
  • 1927 Lichtspiele Hohenmölsen, Inhaber: Ida Enke, Schießplatz 4, Sptg: Montag, Freitag, Sonnabend, Sonntag, Pr: Montag, 130 Plätze
  • 1928 Lichtspiele Hohenmölsen, Schießplatz 3, F: 367, Gr: 1911, 4 Tage, 150 Plätze, Inh: Karl Enke
  • 1929 Lichtspiele Hohenmölsen, Schießplatz 3, F: 367, Gr: 1911, 4 Tage, 150 Plätze, Inh: Karl Enke
  • 1930 Lichtspiele Hohenmölsen, Schützenplatz 4, F: 367, Gr: 1905, 4 Tage, Inh: Paul Enke, ebenda
  • 1931 Lichtspiele Hohenmölsen, Schützenplatz 4, F: 367, Gr: 1905, 4 Tage, 150 Plätze, Inh: Paul Enke, ebenda
  • 1932 Lichtspiele Hohenmölsen, Schützenplatz 4, F: 367, Gründung 1905, 4 Tage, 150 Plätze, Inhaber: Paul Enke, ebenda
  • 1933 Lichtspiele Hohenmölsen, Schützenplatz 4, F: 367, Gründung 1905, 4 Tage, Kap: Mech Musik, T-F: Ja, 150 Plätze, Inhaber: Paul Enke
  • 1934 Lichtspiele Hohenmölsen, Schützenplatz 4, F: 367, Gründung 1905, 4 Tage, Kap: Mech. Musik, T-F: Ja, 150 Plätze, Inhaber: Paul Enke
  • 1937 Lichtspiele Hohenmölsen, Schießplatz 4, F: 367, Gründung 1905, 2-3 Tage, 150 Plätze, Inhaber: Ida verw. Enke, ebenda
  • 1938 Lichtspiele Hohenmölsen, Schießplatz 4, F: 367, Gründung 1905, 2-3 Tage, 313 Plätze, Inhaber: Ida verw. Enke. ebenda
  • 1939 Lichtspiele Hohenmölsen, Schießplatz 4, F: 367, Gr: 1905, Inh: Ida verw. Enke, ebenda, 139 Plätze, 3-4 Tage
  • 1940 Lichtspiele Hohenmölsen, Schießplatz 4, F: 367, Gründung 1905, 139 Plätze, 3 Tage, Inhaber: Ida verw. Enke, ebenda
  • 1941 Lichtspiele Hohenmölsen, Schießplatz 4, F: 367, Gründung 1905, 138 Plätze, 3 Tage, Inhaber: Ida Enke, Schlageterstraße 1/2, F: 367