Hohenmölsen Tonfilmtheater Preußischer Hof, Lichtspiele

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Geschichte

"...So lädt ein Flugblatt unter der Überschrift „Mehr Licht“ zu einer Versammlung am 12.9.1908 in den Saal des Gasthofes „Preußischer Hof“ (ehem. Kino) in Hohenmölsen ein, zwecks Gründung einer „Elektrische Überlandzentrale Zeitz-Weißenfels eGmbH“..." Amtsblatt Hohenmölsen 10/2009

Zur Kinogeschichte Hohenmölsens siehe Artikel Lichtspiele Hohenmölsen.

Im Mai 1912 erwarb Familie Eduard Schwarze den Gasthof „Zum Preußischen Hof“ in Hohenmölsen, heutige Ecke Friedens-/Goethestraße. Der Gasthof stammt ursprünglich aus dem Jahre 1839, der Saal wurde 1900 und der Zwischenbau zwischen Saal und Altbau 1907 neu erbaut. Der Saal besaß eine Hufeisenempore, der Zwischenbau im Erdgeschoss einen kleinen Saal. In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre begann Eduard Schwarze ebenfalls mit Filmveranstaltungen im Wettbewerb mit dem Schützenplatzkino.

Im Zuge baulicher Verordnungen der Polizei machten sich 1930 Baumaßnahmen erforderlich, besonders die Einrichtung eines feuersicheren Filmvorführraumes auf Grund der extremen Feuergefährlichkeit der damaligen Filme.

Im Juni 1934 übergab Eduard Schwarze den Preußischen Hof an seinen Sohn Werner. Da dieser jedoch kein Gastwirt, sondern Autoschlosser war, erhielt er auf die Dauer keine Schankerlaubnis zum Betrieb des Gasthofes. Die daraus erwachsenden Konzessionsstreitigkeiten führten schließlich im Februar 1935 zur Schließung der Gaststätte im "Preußischen Hof". Ein Teil der Räume wurde vermietet, so das Kino an den Kinobesitzer Helmut Schneider. 1936 ging der Preußische Hof in Insolvenz und wurde schließlich versteigert. Er ging dann in den Besitz von Ida Enke über, der Besitzerin des Kinos am Schützenplatz. Nach 1945 wurde Frau Enke enteignet.

Die erste große Umbaumaßnahme erfolgte etwa Ende der 1950er Jahre. Bis dahin betrat man das Kino durch die Haustür in der Goethestraße (heutige Ladentür), den gesamten Flur und durch den kleinen Saal. Vom kleinen Saal aus wurde zur Friedensstraße hin ein neuer breiter Eingang erbaut, die Kasse entstand im ehemaligen Ausschank der Gaststätte. Gleichzeitig fanden Umbauarbeiten im Saal statt wie Veränderung des Ranges sowie der Bau eines zweiten breiten Ausganges zur Friedensstraße, der bestehende Ausgang führte zum Hof. Eine „Institution“ im Kino zu dieser Zeit war Herr Otto im blauen Arbeitskittel. Geheizt wurde mit zwei großen Kachelöfen; die Plätze in deren Nähe waren im Winter sehr begehrt.

Im November 1980 befasste sich der Rat des Kreises, Abt. Kultur mit einer „Konzeption zur Rekonstruktion des Lichtspieltheaters Hohenmölsen“. Die erste Planung sah unter Beibehaltung der bestehenden Bestuhlung im Saal die Schaffung einer „Visionsbar“ mit Bewirtung im Vorraum vor. Im Dezember 1981 entschied man sich zur entgültigen Bauausführung mit dem Ziel der Schaffung eines Klubkinos. Dazu wurde der gesamte Saal mit Tischen und loser Bestuhlung (Sessel leichter Bauart) bestückt. Zur Bewirtung des gesamten Saales wurde ein Bartresen eingebaut. Die Baumaßnahmen begannen im Herbst 1983. Währenddessen fanden Kinovorstellungen im Lindenhof statt. Der Saal wurde entkernt, der Rang ausgebaut und dafür ein neuer eingebaut. Die Innenausstattung wurde nach damaligen modernen Geschmack und Möglichkeiten vollkommen neu gestaltet.

Anlässlich des 35. Jahrestages der DDR wurde das Kino der Bevölkerung 1984 zur Nutzung übergeben. Statt auf Klappsitzen saß man nun im Klubsessel am Klubtisch. Eine kleine Tischlampe half beim Lesen der Getränkekarte. Mit einem Klingelknopf konnte man die Bedienung rufen und seine Bestellung aufgeben. Im Vorraum (kleiner Saal) war die Garderobe untergebracht, außerdem konnte man in Polstergarnituren Platz nehmen und auf den Einlass warten. Ein Studiokino mit 84 Sitzen für besondere Filmveranstaltungen befand sich im Obergeschoss des Zwischenbaues. Die Ofenheizung wurde abgeschafft und das Kino mittels „Fernwärme“ an die Heizung der Kaufhalle angeschlossen.

Leider war dem Kino nach der Wende kein langes Leben beschieden. Ein privater Betreiber erwarb es vom VEB Lichtspiele Halle und wandelte es in eine Spielothek um. Auch dieses Unternehmen hatte keine lange Lebensdauer. Durch Vandalismus fielen auch noch große Teile der noch vorhandenen Kinoeinrichtung der Zerstörung anheim. Eine nochmalige Nutzung für einige Jahre erfuhren die Räume als Videothek, untergebracht im kleinen Saal und dem Studiokino. Dieses Unternehmen endete 2004 in der Insolvenz, aus der es von Privat erworben wurde. Vom Käufer erfolgte zur Vorbereitung der 925-Jahrfeier der Stadt die Renovierung der Fassaden und die Instandsetzung des Daches. Seitdem ist es ruhig geworden um das Kino. Von privater Seite gibt es aber Ideen für eventuelle Nutzungen. Immerhin lässt sich der Kinovorhang auch heute noch auf Knopfdruck öffnen und schließen.

Quellen (Archivrecherche: Rolf Kirsten für das Amtsblatt Hohenmölsen):

Bilder

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Foto 2008, picasa

Kinodaten

  • 1924 Wander-Kino, Inh: Albert Kellermann, Aue bei Zeitz.
  • 1925 Kino Hohenmölsen, Preußischer Hof, 3 Tage, Gründung 1921, 222 lätze, Inhaber: Kellermann, Aue bei Zeitz
  • 1927-1929 kein Kino
  • 1930 Lichtspiele (Saalkino), Pegauerstraße 1/2, Gr: 1917, 300 Plätze, Pächter: K. Kellermann, Zeitz bei 1 Aue
  • 1931 Lichtspiele (Saalkino), Pegauer Straße 1/2, Gr: 1917, 300 Plätze, Pächter: K. Kellermann, Aue bei Zeitz
  • 1932 Lichtspiele (Saalkino), Pegauer Straße 1/2, Gründung 1917, 300 Plätze, Pächter: K. Kellermann, Aue bei Zeitz
  • 1933 Lichtspiele (Saalkino), Pegauer Straße 1/2, Gründung 1917, unbestimmt, Kap: Mech Musik. T-F: Ja, 300 Plätze, Pächter: K. Kellermann, Aue bei Zeitz
  • 1934 Lichtspiele (Saalkino), Schlageter Straße 1/2, Gründung 1917, unbestimmt, Kap: Mech Musik, T-F: Ja, 300 Plätze, Pächter: K. Kellermann, Aue bei Zeitz
  • 1937 Lichtspiele „Preußischer Hof", Schlageter Straße 1/2, Gründung 1917, 3 Tage, 212 Plätze, Pächter: Helmuth Schneider, ebenda
  • 1938 Lichtspiele „Preußischer Hof", Schlageterstraße 1/2, Gründung 1917, 3 Tage, 139 Plätze, Inhaber: Frau Ida Enke, Schießplatz 4. F: 367
  • 1939 Lichtspiele "Preußischer Hof", Schlageterstr. 1/2, Gr: 1917, Inh: Frau Ida Enke, Schießplatz 4, F: 367, 313 Plätze, 3-4 Tage
  • 1940 Lichtspiele „Preußischer Hof", Schlageterstraße 1/2, Gründung 1917, 313 Plätze, 3-4 Tage, Inhaber: Frau Ida Enke, Schießplatz 4, F: 367
  • 1941 Tonfilmtheater „Preußischer Hof", Schlageterstraße 1/2, F: 367, Gründung 1917, 313 Plätze, 3-4 Tage, Inhaber: Ida Enke, ebenda
  • 1983 Hohenmölsen, Lichtspieltheater, Friedensstr., Tel: 2461
  • 1991 Klubkino Hohenmölsen, 184 Plätze, Hohenmölsen, Friedensstr., Inh. BFD Halle
  • 1992 Klubkino Hohenmölsen, 184 Plätze, Hohenmölsen, Friedensstr., Inh. Filmtheater GmbH Halle, Neuwerk 20, 4020 Halle, Tel. 0037/4638117
  • 1993 Clubkino, 162 Plätze, 06679 Hohenmölsen, Friedensstr. 42, Tel. 034441/2461, Inh: Spiel & Freizeitcenter Hans-Peter Werni, 06126 Halle/Saale, Eislebenerstr. 4
  • 1995 Clubkino (VZK), Stereo, 162 Pl. 06679 Hohenmölsen, Friedensstr. 46 Tel.: 034441/22461 Inh.: Hans-Peter Werni, 06126 Halle/Saale, Eislebenerstr. 40