Schwetzingen Luxor Beschreibung

Aus Kinowiki
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DAS INTIME KAMMERTHEATER Luxor SCHWETZINGENS MODERNES KINO

Ein neuzeitlicher Zweckbau, in dessen Mittelpunkt der Zuschauer steht

Heute erlebt Schwetzingen die zweite Filmtheater-Premiere innerhalb einer Woche. Das LUXOR-Filmtheater in der Marstallstraße wird mit einer Sondervorführung des neuen Dieter-Borsche-Films „Die große Versuchung" vor geladenen Gästen feierlich eröffnet Morgen öffnet das Luxor seine Türen für das Publikum. Nach den neuesten technischen Erkenntnissen des Theaterbaues und mit zum Teil neuartigen Werkstoffen wurde nach den Plänen des Karlsruher Architekten Robert Lautenschläger ein intimesKammertheater geschaffen, dessen Innenraumgestaltung mit einer schwungvollen und bewegten Linienführung an barocke Vorbilder erinnert. Wir beglückwünschen die Inhaberin des neuen Unternehmens, Frau Irene HeIfrich, zu diesem in der Rekordzeit von nur 31/2 Monaten vollendeten Theaterbau, der ein wahres Schmuckkästchen der Stadt Schwetzingen geworden ist.

Die Außenfront des neuen, zwei Stockwerke hohen Theaterbaues fügt sich harmonisch und unaufdringlich in das Bild der Marstallstraße. Ueber einem Vordach, dessen Außenkante mit wellenförmig gebogenem und von verdeckten Lampen angestrahltem Plexiglas abgesetzt ist, steht in leuchtender Neonschrift der Name des neuen Filmtheaters:

LUXOR

Der Eingang ist aus der Straßenflucht zurückversetzt, vier breite Flügeltüren aus massivem Eichenholz und mit eleganten Beschlägen aus eloxiertem Leichtmetall heben das Portal einladend hervor. Die Winde unter dem Vordach sind mit schwarten Glasplatten verkleidet. Vier große Schaukästen an der Außenfront, im Mauerwerk versenkt und mit Leichtmetall eingerahmt, dienen, zur Aufnahme der Pro-grammankündlgungen und Photos.

Die Halle

Der Besucher betritt zunächst eine große Halle, die architektonisch äußerst geschickt und wirkungsvoll gestaltet ist. Durch den Vorführraum, dessen Baukörper sich in die Halle einschiebt, wird der gesamte Raum in der oberen Hälfte nochmals halbiert. Während der vordere Teil der Halle etwa 6,50 Meter hoch und mit einer rautenförmigen Kassettendecke aus Preßplatten abgedeckt ist. ist der zweite Teil — gewissermaßen die Vorhalle zum Zuschauerraum — um fast 3 Meter niedriger. Die obere Wand ist in ihrer Gesamthöhe mit einer blasebalgartig gefalzten und mit senkrechten Goldleisten abgesetzten Acella-Verkleidung dekorativ geschmückt. (Acella ist ein neuartiger, feuersicherer und abwaschbarer Werkstoff.) Die Zwischendecke — der Fußboden des Vorführungsraumes — ist vorgewölbt. Eine verdeckte Hohlkehle dientzur Aufnahme einer Sofittenbeleuchtung, durch die eine Zierleiste aus wellenförmig gebogenem, fluoreszierenden Plexiglas — hellgrün — angestrahlt wird. Die übrigen Wände der Vorhalle sind mit einem Plastikanstrich aus "Fewi-plast" in den Grundfarben Beige und Gold äußerst effektvoll behandelt. Diese neuartige Farbenmischung wird zunächst in einem dicken Grundstrich auf den Verputz aufgetragen und in einem zweiten, sich unmittelbar anschließenden Arbeitsgang aufgerauht. Auf die so entstehenden Vertiefungen und Riffelungen der Fläche wird der Goldaufstrich aufgebracht. In einem vierten Arbeitsgang werden die Ueberhöhungen der Grundierung abgeschliffen. Dieser Plastikanstrich, der knochenhart wird, bricht die Wände in einem malerischen Spiel tausen-der Reflexe des Lichtes und der Schatten. Die Rückwand dar Haue wird durch eine radial angelegte, dem Besucher entgegen-schwingende Glasfront mit sechs großen Schaufenstern abgeschlossen, die an Schwet-zinger Geschäfte vermietet werden« Auf der rechten Seite befindet sich der Kassenschalter, links sind die Toilettenanlagen untergebracht, auf der Straßenseite die Schaukästen für die Vorankündigungen der Programme. Der Fußboden ist mit Platten belegt

Der Zuschauerraum

Die große Ueberraschung dieses neuen Filmtheaters ist aber der Zuschauerraum. Kein Besucher wird sich der festlich intimen und eleganten Gestaltung dieses Theaterraumce entziehen können. Der Raum ist 16 m breit, 19 m lang und 6,5 m hoch. Kaum eine Kante unterbricht die schwungvolle Linienführung des Raumes, dessen Ecken abgerundet sind. Für die Verkleidung des unteren Teiles der Wände, der auf drei Stufen erhöhten Loge mit 59 Polstersesseln der kleinen Bühne, sowie für die Türen und Türrahmen wurde einheitlich natur farbiges Rüsterholz mit einer wunderbaren Maserung verwendet Die Holzverkleidung der Wände ist mit einer dunklen Profilleiste abgesetzt Darüber sind die Wände in ihrer ganzen Breite und Höhe bis zur schwungvollen Hohlkehle, die zur Decke überleitet, mit Acella in dunklem Altgold — ein Eisblumenmuster in der Art eines schweren, leuchtenden Brokats — bespannt. Unter diese Wandbespannung hat man dicker Schichten Glaswolle gepackt und darauf den Werkstoff mit dicken Schnüren rautenförmig aufgesteppt Elf Wandleuchten aus mattierten, geschliffenen und facettierten Gläsern, die wie große Lichtkelche wirken, versetzen diesen Theaterraum in einen wahrhaft festlichen und strahlenden Glanz. Die kleine Podiumbühne, auf der die Leinwand angebracht ist, wird von Wuten eingefaßt, hinter die eine verdeckte Sofittenbeleuchtung eingebaut ist, die den grün-blauen Vorhang anstrahlt Der Fußboden des Zuschauerraumes, rotes Steinholz, senkt sieh vom Eingang her bis etwa zur Mitte und steigt dann gegen die Bühne zu wieder an Die Zuschauer in den mittleren Reihen sitzen also am tief-sten Punkt einer Mulde. Das Gestühl ist radikal — halbkreisförmig — angeordnet Die Kassettendecke besteht aus vier Zentimeter dicken, schallschluckenden und porösen Platten. — Das Luxor-Kino hat rund 470 Sitzplätze, eine Zahl, die viele Besucher überraschen dürfte, da dieser Theaterraum durch seine intime, elegante und dekorative Innengestaltung eben gar nicht "so groß" aussieht.

Geheimnis des Luxor

Das Luxor-Kino birgt ein unsichtbares Geheimnis das zunächst nur von wenigen Besuchern entdeckt werden dürfte. Es ist nicht der Name, der an jenes Ägyptische Dorf in Theben erinnert wo heute noch die Ruinen des berühmten Ammontempels stehen. (Ammon war der Hauptgott, der Sonnengott der alten Ägypter.) Es ist etwas anders. Der Zuschauerraum dieses Lichtspieltheaters ist nämlich vom Mittel-punkt der Leinwand her erbaut worden, also sozusagen von Innen nach außen oder um die Leinwand herum. Und wie die Leinwand im Mittelpunkt steht, so sitzt auch jeder Zuschauer, im Mittelpunkt. Denn der genaue Sehund Blickwinkel ist für Jeden Sitz einzeln berechnet. Es wird dem Publikum auffallen, daß die Klappstühle scheinbar regellos aufgestellt sind; sie stehen weder „auf Lücke", noch — scheinbar — in einem bestimmten System. Die Sitzreihen schließen ganz unregelmäßig ab. In Wirklichkeit ist das gan-ze Gestühl nach einem für jeden Sitz berechneten „Sichtwinkelplan" aufgestellt. Auch die muldenförmige Vertiefung in der Mitte des Zuschauerraumes.

aus: Schwetzinger Zeitung vom 19.2.1953