Wernigerode Capitol-Lichtspiele

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Geschichte

Die 1927 eröffnete Keglerhalle außen
Die 1927 eröffnete Keglerhalle innen
Außenansicht (1969)
Die Loge im Capitol (1995)
Die Kasse im Capitol (1995)
Der BWR im Capitol (1995)

Am 05.12.1926 wurde der Grundstein für die neue Keglerhalle neben dem Kurhaus gelegt, am 12.08.1927 wurde diese feierlich eröffnet. Durch den Bombenangriff vom 22.02.1944 wurden die Capitol-Lichtspiele in der Burgstraße 1 zerstört, kurz darauf gab es die ersten Filmvorführungen deshalb in der Keglerhalle am Stadtgarten (Das Kurhaus war zwischenzeitlich in "Stadtgarten" umbenannt worden). 1946 wurde die Keglerhalle enteignet und zum Kino umgebaut, welches 1947 als Capitol eröffnete. Zwischenzeitlich gab es auch Filmvorführungen im Stadtgarten.

Die Filmvorführmaschinen aus dem Capitol in der Burgstraße konnten geborgen werden und wurden anschließend im Vorführraum in den neuen Capitol-Lichtspielen installiert, welcher sich im Obergeschoss befand. Erster Theaterleiter im neuen Capitol war Rudolf Klinge, der zuvor schon im Capitol in der Burgstraße tätig war. Er bezog auch eine Wohnung im Obergeschoß des Capitol und lebte dort mit seiner Familie.

Der Boden im Kinosaal war eben, weil das Gebäude ursprünglich als Kegelhalle errichtet worden war. Deshalb war die Sicht in diesem Kino nicht die beste. Die Bestuhlung war in 3 Preisklassen eingeteilt, das vordere Drittel war als "erstes Parkett" mit Holzklappstühlen ausgestattet, die beiden anderen Drittel als "zweites Parkett" mit Polsterklappstühlen. Im hinteren Bereich befand sich eine nur leicht erhöhte in grün-weiß lackiertem Holz eingefasste Loge mit Polsterstühlen. Einige der vordersten Stuhlreihen des ersten Parketts wurden in den 70er Jahren entfernt, man saß einfach zu nah an der Leinwand. Unterhalb der Leinwand befand sich auch eine eingebaute Bühne mit Vorhang.

Die Decke im Kinosaal war tonnenförmig gewölbt und wurde von den Seiten indirekt beleuchtet. Mit Ertönen des Kinogongs wurde dann auch das Licht gedimmt und der Film begann. Im Foyer befanden sich 2 Kinokassen hinter Glas, von denen aber oft nur eine genutzt wurde.

Gegen Ende der 70er Jahre begann man auch im Sommer mit Freilichtkino, dazu wurde an der rechten Seite des Vorplatzes eine Leinwand angebracht und zur Flutrenne hin ein Vorführhäuschen errichtet. Von den Stufen der Treppe bis zum Kinoeingang wurde entlang des gepflasterten Weges eine provisorische Holzwand aufgebaut, um nur zahlende Besucher in den Freiluftkinogenuß kommen zu lassen.

In den 70er Jahren fanden auch Konzerte im Capitol statt, Bands wie die Puhdys und Karat traten, durch die FDJ organisiert, dort auf.

Mit dem Ende der DDR wurde das Capitol 1991 mit allen Kinos des Kreises Wernigerode an die UFA verkauft und kurzzeitig auch betrieben, 1992 schloss das Kino endgültig. Die Heizungsanlage sei defekt, hieß es damals. Um Vandalismus vorzubeugen, wurden die Kinoeingänge zugemauert. Am 05. Juli 1997 brannte das Gebäude durch Brandstiftung komplett aus. Die Überreste wurden im Jahr 2000 komplett beseitigt und Baugrund für die Wohnresidenz Stadtgarten geschaffen. Wenn man heute an der Flutrenne entlang geht, kann man noch die Treppe zum Kino erahnen und eine einzelne Laterne entdecken, die früher den Weg zum Kinoeingang beleuchtete.

Chronologie
  • 1944 - Nach einigem Hin und Her kam man zu dem Schluß, daß die Kegelhalle neben dem Stadtgarten (für ein Kino) geeignet wäre, und schon am 4. November fand die erste Vorstellung statt. Trotz der Tatsache der Eröffnung zog sich ein Rechtsstreit um Vermietungsrechte zwischen Stadt, Pächter und Betreiber des Kinos hin. In der Zeit von Mai bis August 1945 gab es im Capitol keine Filmvorführungen. Danach betrieb Heinicke, der zuvor auch das Capitol in der Burgstraße geleitet hatte, das Kino noch bis 1946. (aus Artikel "Kinogeschichte" der NWZ 16/05)
  • 1946 - Die Keglerhalle an der Flutrenne wird enteignet und zum Kino umgebaut. Fortan heißt es dort Capitol-Lichtspiele.
  • 1960 - Das Capitol-Lichtspieltheater wird nach umfangreichen Ausbau- und Malerarbeiten wieder eröffnet. aus: Wernigerode in Jahreszahlen
  • 1986-1989 - Es laufen Blockbuster wie "OTTO - der Film" und "Dirty Dancing", lange Schlangen bildeten sich beim Kartenvorverkauf vor dem Kino.
  • 1991 - Das Capitol-Kino wurde von der UFA gekauft, kurze Zeit weiterbetrieben und dann stillgelegt. NWZ 16/05
  • 1997 - Das leer stehende Kino wurde durch Brandstiftung spielender Kinder zerstört.
  • 2000 - Die Brandruine wurde abgerissen und die Fläche eingeebnet.
  • 2006 - Die Wohnresidenz Stadtgarten mit Eigentumswohnungen wird errichtet. [1]

Ein Tourist-Stadtführer für Wernigerode aus dem Jahr 1978 meint: Lichtspieltheater: Capitol-Lichtspiele , Schöne Ecke 10 - Volkslichtspiele, Maxim-Gorki-Straße 1 - Täglich 2 Vorstellungen mit zwei- bis dreimal wöchentlich wechselndem Programm. Beide Lichtspieltheater sind modern eingerichtet und bringen Breitwandfilme zur Aufführung.

In den 80er Jahren befand sich der Schaukasten mit den Filmankündigungen für die Capitol-Lichtspiele und die Volkslichtspiele am unteren Ende der Burgstraße, genau an der Stelle, an der bis 1944 die alten Capitol-Lichtspiele standen. Die Baulücke wurde zu DDR-Zeiten nicht geschlossen, es befand sich dort das "Rasteck" (Imbiss).

Bilder

Kinodaten

  • 1950 Capitol-Lichtspiele, 1100 Plätze
  • 1987 Wernigerode, Capitol-Lichtspiele, Schöne Ecke 10, Tel: 2850
  • 1992 Wernigerode, Capitol-Lichtspiele, 20 Vorstellungen, 692 Plätze
  • 1991 Capitol-Lichtspiele, 692 Plätze, Wernigerode, Schöne Ecke 10, Inh. BFD Magdeburg
  • 1992 Capitol-Lichtspiele, 692 Plätze, Wernigerode, Schöne Ecke 10, Tel. 03943/32850, Inh. Ufa-Theater AG, Postfach 80 29, Graf-Adolf-Str. 96, 4000 Düsseldorf 1

Weblinks